Haushaltsreiniger für Allergiker: Darauf sollten Sie beim Putzen achten
Sauberkeit wird häufig mit einem frischen Duft verbunden. Für Menschen mit einer Kontaktallergie, empfindlichen Atemwegen oder Asthma können stark parfümierte und aggressive Reinigungsmittel jedoch problematisch sein. Entscheidend ist deshalb nicht eine möglichst große Auswahl verschiedener Spezialreiniger, sondern eine einfache, reizstoffarme Reinigung.
Welche Reinigungsmittel können Beschwerden verursachen?
Reinigungsmittel enthalten unter anderem Tenside, Duftstoffe, Konservierungsmittel, Säuren oder Lösungsmittel. Nicht jeder dieser Bestandteile löst eine Allergie aus. Einige können die Haut und Atemwege aber reizen oder bei bereits sensibilisierten Menschen allergische Beschwerden hervorrufen.
Besonders relevant sind:
- Duft- und Parfümstoffe
- ätherische Öle
- bestimmte Konservierungsstoffe
- aggressive Säuren und Laugen
- chlorhaltige Reiniger
- flüchtige Lösungsmittel
- fein versprühte Reinigungsmittel
Duftstoffe gehören zu den häufigen Auslösern von Kontaktallergien. Betroffene können beispielsweise mit Rötungen, Juckreiz, Brennen oder einem Ekzem reagieren. Die Beschwerden treten bei einer Kontaktallergie häufig erst ein bis drei Tage nach dem Kontakt auf. Auch Reinigungs- und Lösungsmittel können die Haut unmittelbar reizen. Informationen zur Kontaktallergie bei gesund.bund.de
Sind „Sensitive“-Reiniger automatisch für Allergiker geeignet?
Bezeichnungen wie „sensitiv“, „hautfreundlich“, „natürlich“ oder „hypoallergen“ reichen für eine sichere Auswahl nicht aus. Sie bedeuten nicht zwangsläufig, dass ein Produkt frei von dem persönlichen Allergieauslöser ist.
Allergiker sollten deshalb die Inhaltsstoffangaben prüfen und möglichst Produkte wählen, die ausdrücklich als duftstofffrei gekennzeichnet sind. Orientierung können unabhängig geprüfte Produkte mit einem Allergiesiegel bieten. Aber auch ein Siegel kann eine allergische Reaktion nicht unter allen Umständen ausschließen.
Wer durch einen Allergietest bereits seinen konkreten Auslöser kennt, sollte gezielt nach dessen Bezeichnung suchen. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund empfiehlt Menschen mit Duftstoffallergie, möglichst duftstofffreie Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel zu verwenden. Hinweise des DAAB zu Duftstoffen
Welche Reiniger braucht ein allergikerfreundlicher Haushalt?
Für die normale Haushaltsreinigung reichen meistens wenige Produkte:
- ein duftstofffreier Allzweck- oder Neutralreiniger
- ein duftstofffreies Handspülmittel
- ein milder Sanitärreiniger gegen Kalk
- bei Bedarf eine Scheuermilch für robuste Oberflächen
Für viele leichte Verschmutzungen genügen Wasser und ein geeignetes Reinigungstuch. Wenige regelmäßig verwendete Produkte erleichtern außerdem die Kontrolle der Inhaltsstoffe.
Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass normale Verschmutzungen in Küche, Bad und WC in der Regel keine Desinfektionsmittel erfordern. Auch antibakterielle Zusätze sind im privaten Haushalt meistens nicht notwendig. Empfehlungen des Umweltbundesamtes
Warum Sprühreiniger ungünstig sein können
Beim Sprühen entstehen feine Tröpfchen, die sich in der Raumluft verteilen und eingeatmet werden können. Menschen mit Asthma oder empfindlichen Atemwegen können darauf mit Husten, einem Kratzen im Hals oder Atembeschwerden reagieren.
Günstiger sind flüssige oder gelartige Reiniger in einer Dosierflasche. Falls nur ein Sprühprodukt vorhanden ist, sollte es möglichst direkt und aus geringer Entfernung auf das Reinigungstuch gegeben werden. Während und nach dem Putzen ist gründliches Lüften sinnvoll.
Raumsprays, Duftstecker und andere Raumparfüms verbessern die Luftqualität nicht. Sie überdecken Gerüche lediglich mit weiteren Duftstoffen. Das Umweltbundesamt empfiehlt, Geruchsquellen zu beseitigen und zu lüften, anstatt Räume zu beduften. Ratgeber zu Duftstoffen
Sind natürliche Hausmittel besser?
„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch allergikerfreundlich. Ätherische Öle aus Zitrusfrüchten, Lavendel oder anderen Pflanzen können Duftstoffallergene enthalten. Orangenöl enthält beispielsweise Limonen, das allergische Reaktionen auslösen kann.
Auch hoch konzentrierte Essigessenz ist kein mildes Hausmittel. Sie kann Haut und Atemwege reizen und empfindliche Oberflächen beschädigen. Selbst hergestellte Reiniger sind daher nicht grundsätzlich gesünder als fertige Produkte.
Reinigungsmittel sollten niemals miteinander vermischt werden. Das gilt besonders für chlorhaltige Produkte, Säuren, WC-Reiniger und Entkalker. Durch chemische Reaktionen können gefährliche Dämpfe entstehen.
Haut beim Putzen schützen
Häufiger Kontakt mit Wasser und Reinigungsmitteln schwächt die natürliche Schutzschicht der Haut. Dadurch kann ein irritatives Handekzem entstehen, auch wenn keine Allergie vorliegt.
Folgende Maßnahmen helfen:
- Reinigungsmittel nach Anleitung dosieren.
- Direkten Hautkontakt vermeiden.
- Geeignete Haushaltshandschuhe tragen.
- Handschuhe nach Gebrauch vollständig trocknen lassen.
- Bei einer Latexallergie latexfreie Handschuhe verwenden.
- Hände anschließend mit einer verträglichen, duftstofffreien Pflegecreme eincremen.
Wenn selbst unter Handschuhen wiederholt Hautprobleme auftreten, kann eine Reaktion auf Bestandteile des Handschuhmaterials vorliegen. Dann ist eine dermatologische Abklärung sinnvoll.
Richtig putzen bei Hausstaub- und Pollenallergie
Bei einer Hausstaubmilben- oder Pollenallergie ist nicht in erster Linie der Reiniger entscheidend. Wichtig ist, die Allergen- und Staubbelastung zu verringern.
Hilfreich sind:
- Oberflächen feucht statt trocken abwischen
- Staub nicht unnötig aufwirbeln
- regelmäßig saugen
- einen Staubsauger mit geeignetem Filtersystem verwenden
- während pollenreicher Zeiten Fenster beim Putzen gezielt statt dauerhaft öffnen
- Reinigungstücher nach Gebrauch gründlich waschen und trocknen
Feuchtes Reinigen kann die Staubbelastung und damit auch die Menge aufgewirbelter Allergene reduzieren. Stark duftende Reiniger bringen dabei keinen zusätzlichen Reinigungsvorteil.
Einkaufsliste: Darauf sollten Allergiker achten
Vor dem Kauf lohnt ein Blick auf Verpackung und Inhaltsstoffliste:
- ausdrücklich „ohne Duftstoffe“
- keine ätherischen Öle
- möglichst kurze und nachvollziehbare Zusammensetzung
- keine unnötige antibakterielle Wirkung
- keine Raumparfümierung
- möglichst kein Sprühnebel
- bekannte persönliche Allergieauslöser nicht enthalten
- Dosierhinweise und Gefahrensymbole beachten
Bei einer diagnostizierten Kontaktallergie sollte die Produktauswahl anhand des Allergiepasses erfolgen. Ein Produkt, das eine Person gut verträgt, kann bei einer anderen Person Beschwerden auslösen.
Wann ist ärztlicher Rat sinnvoll?
Wiederkehrende Rötungen, Bläschen, Juckreiz oder rissige Hände sollten dermatologisch untersucht werden. Mit einem Epikutantest lässt sich prüfen, ob eine Kontaktallergie vorliegt und welche Stoffe vermieden werden müssen.
Bei Husten, pfeifender Atmung, Luftnot oder einer deutlichen Verschlechterung eines bestehenden Asthmas sollte die Anwendung des betreffenden Produkts beendet und medizinischer Rat eingeholt werden. Akute Luftnot ist ein Notfall.
Fazit
Haushaltsreiniger für Allergiker müssen nicht besonders stark oder technisch aufwendig sein. Meist ist eine kleine Auswahl milder, duftstofffreier Produkte die bessere Lösung. Sparsame Dosierung, feuchtes Reinigen, gute Belüftung und der Schutz der Hände sind mindestens ebenso wichtig wie die Wahl des Reinigungsmittels.
Ein vollständig „allergiefreies“ Produkt gibt es nicht. Wer seinen persönlichen Auslöser kennt, die Inhaltsstoffe kontrolliert und unnötige Duft-, Desinfektions- und Sprühprodukte vermeidet, kann das Risiko für Haut- und Atemwegsbeschwerden jedoch deutlich reduzieren.