
Eine Spitzwegerich-Allergie ist in erster Linie eine Pollenallergie. Betroffene reagieren auf bestimmte Eiweiße in den Pollen des Spitzwegerichs (Plantago lanceolata). Während der Blütezeit können die Pollen durch den Wind verbreitet werden und typische Beschwerden wie Niesen, eine laufende Nase sowie juckende oder tränende Augen verursachen.
Spitzwegerich ist in Deutschland weit verbreitet. Man findet die Pflanze unter anderem auf Wiesen, Weiden, an Wegrändern, auf Rasenflächen und anderen Grünflächen.
Die Pflanze gehört zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Charakteristisch sind ihre langen, schmalen Blätter mit deutlich sichtbaren parallelen Blattnerven und die auf langen Stielen sitzenden Blütenstände.
Für Allergiker ist vor allem die lange Blütezeit interessant. Je nach Region und Wetter können Spitzwegerichpollen über mehrere Monate in der Luft vorkommen.
Wann blüht Spitzwegerich?
Spitzwegerich kann ungefähr vom Frühjahr bis in den Spätsommer beziehungsweise Herbst blühen. Die genaue Belastung unterscheidet sich allerdings von Jahr zu Jahr und von Region zu Region.
Anders als bei Pflanzen mit einer sehr kurzen, ausgeprägten Pollensaison kann Wegerich deshalb über einen längeren Zeitraum zum Pollenflug beitragen.
Wer nachgewiesen auf Spitzwegerich reagiert, sollte sich daher nicht ausschließlich an einem festen Kalender orientieren. Hilfreicher ist es, während der persönlichen Beschwerdezeit die aktuelle regionale Pollenbelastung zu berücksichtigen.
Wie entsteht eine Spitzwegerich-Allergie?
Bei einer Pollenallergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Bestandteile der Pollen.
Bei entsprechend sensibilisierten Menschen erkennt das Immunsystem bestimmte Proteine des Spitzwegerichpollens als vermeintliche Gefahr. Bei erneutem Kontakt kann eine allergische Reaktion ausgelöst werden.
Dabei werden Botenstoffe wie Histamin freigesetzt. Diese sind wesentlich an typischen Beschwerden wie:
- Niesen,
- Juckreiz,
- laufender Nase,
- tränenden Augen und
- Schwellungen der Schleimhäute
beteiligt.
Wo kommt Spitzwegerich vor?
Spitzwegerich ist keine seltene Pflanze. Gerade deshalb lässt sich der Kontakt mit seinen Pollen während der Blütezeit nicht immer vollständig vermeiden.
Typische Standorte sind:
- Wiesen
- Weiden
- Wegränder
- Rasenflächen
- Gärten
- Parks
- Brachflächen
Die Pollen werden durch die Luft verbreitet. Für eine allergische Reaktion ist deshalb kein direkter Hautkontakt mit der Pflanze erforderlich.
Symptome einer Spitzwegerich-Allergie
Die Beschwerden entsprechen weitgehend denen anderer Pollenallergien beziehungsweise eines Heuschnupfens.
Typische Symptome können sein:
- häufiges oder anfallsartiges Niesen
- laufende Nase
- verstopfte Nase
- Juckreiz in Nase und Rachen
- gerötete Augen
- juckende oder brennende Augen
- tränende Augen
- geschwollene Augenlider
- Husten und gereizte Atemwege
Bei manchen Allergikern können auch die tieferen Atemwege betroffen sein.
Spitzwegerich-Allergie und Asthma
Eine Pollenallergie sollte insbesondere dann ernst genommen werden, wenn neben den typischen Beschwerden an Nase und Augen Symptome der unteren Atemwege auftreten.
Dazu gehören beispielsweise:
- wiederkehrender Husten
- pfeifende Atmung
- Engegefühl im Brustkorb
- Atemnot
Dahinter kann ein allergisches Asthma stecken.
Bei solchen Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung besonders wichtig. Starke oder plötzlich auftretende Atemnot kann einen medizinischen Notfall darstellen.
Hautreaktionen durch Spitzwegerich
Hautbeschwerden sind bei einer klassischen Spitzwegerich-Pollenallergie weniger charakteristisch als Beschwerden an Augen, Nase und Atemwegen.
Nach direktem Pflanzenkontakt können jedoch Hautreizungen beziehungsweise bei entsprechend empfindlichen Personen Hautreaktionen auftreten.
Nicht jeder Ausschlag nach Kontakt mit einer Wiese ist allerdings auf Spitzwegerich zurückzuführen. Dort befinden sich zahlreiche Gräser und andere Pflanzen, sodass die Ursache anhand der Situation allein kaum sicher bestimmt werden kann.
Spitzwegerich essen trotz Pollenallergie?
Spitzwegerich ist grundsätzlich eine essbare Pflanze. Junge Blätter werden beispielsweise gelegentlich für Salate, Kräutermischungen oder andere Speisen verwendet.
Eine wichtige Korrektur gegenüber einer häufig verbreiteten Annahme lautet:
Eine Allergie gegen Spitzwegerichpollen bedeutet nicht automatisch, dass Spitzwegerich als Lebensmittel gemieden werden muss.
Pollenallergie und Nahrungsmittelallergie sind nicht dasselbe.
Wer Spitzwegerich bisher problemlos gegessen hat, sollte ihn daher nicht allein aufgrund eines positiven Pollentests vorsorglich aus dem Speiseplan streichen.
Treten nach dem Verzehr jedoch reproduzierbar Beschwerden wie Juckreiz im Mund, Schwellungen oder andere allergische Symptome auf, sollte dies allergologisch abgeklärt werden.
Spitzwegerich als Heilpflanze

Spitzwegerich wird auch als Heilpflanze verwendet. Zubereitungen aus Spitzwegerichkraut finden sich beispielsweise in:
- Hustensäften
- Hustenbonbons
- Tees
- Kräuterpräparaten
Traditionell wird Spitzwegerich insbesondere bei Reizungen im Mund- und Rachenraum sowie bei Husten eingesetzt.
Die Blätter werden in der Volksmedizin außerdem äußerlich beispielsweise bei Insektenstichen verwendet.
Wer nach Spitzwegerichpräparaten allergische Beschwerden bemerkt, sollte diese nicht weiter auf eigene Faust anwenden und die Ursache ärztlich abklären lassen.
Gibt es Kreuzallergien bei Spitzwegerich?
Auch bei einer Spitzwegerich-Allergie können immunologische Kreuzreaktionen eine Rolle spielen. Dabei erkennt das Immunsystem ähnliche Proteinstrukturen verschiedener Allergenquellen.
Allerdings sollte daraus keine pauschale Liste verbotener Lebensmittel abgeleitet werden.
Die früher teilweise genannten Zusammenhänge mit zahlreichen Gemüsesorten und Gewürzen sind nicht bei jedem Spitzwegerich-Allergiker klinisch relevant.
Wer beispielsweise Karotten, Sellerie, Paprika oder Gewürze problemlos verträgt, sollte diese nicht allein wegen einer Spitzwegerich-Pollenallergie meiden.
Mehr zum grundsätzlichen Mechanismus findet sich im Beitrag über Kreuzallergien.
Spitzwegerich oder Gräser – was verursacht die Beschwerden?
Gerade diese Frage ist für Betroffene interessant.
Spitzwegerich wächst häufig gemeinsam mit verschiedenen Gräsern. Gleichzeitig überschneiden sich deren Pollenflugzeiten teilweise.
Wer beim Spaziergang über eine Wiese starke Beschwerden bekommt, kann deshalb anhand des Standortes nicht feststellen, ob tatsächlich Spitzwegerich verantwortlich ist.
Mögliche Auslöser sind beispielsweise:
- Gräserpollen
- Wegerichpollen
- andere Kräuterpollen
- Baumpollen
Zudem können mehrere Sensibilisierungen gleichzeitig bestehen.
Eine genaue Allergiediagnostik ist daher wesentlich aussagekräftiger als die Beobachtung, dass Beschwerden „auf einer Wiese“ auftreten.
Diagnose einer Spitzwegerich-Allergie
Wer während der Pollensaison regelmäßig unter Beschwerden leidet, kann die Ursache allergologisch untersuchen lassen.
Zur Diagnostik können abhängig von der individuellen Situation beispielsweise gehören:
- ausführliche Anamnese
- Pricktest
- Blutuntersuchung auf spezifische IgE-Antikörper
- bei besonderen Fragestellungen weitere allergologische Untersuchungen
Dabei sollte ein positives Testergebnis immer zusammen mit den tatsächlichen Beschwerden beurteilt werden.
Eine nachgewiesene Sensibilisierung bedeutet nicht zwangsläufig, dass der entsprechende Pollen auch relevante Symptome verursacht.
Was hilft bei einer Spitzwegerich-Allergie?
Die Behandlung richtet sich nach Art und Stärke der Beschwerden.
Grundsätzlich kommen drei Ansätze infrage:
- Kontakt mit den relevanten Pollen soweit praktikabel reduzieren,
- allergische Beschwerden behandeln und
- bei geeigneten Patienten eine spezifische Immuntherapie prüfen.
Welche Maßnahmen erforderlich sind, hängt von der individuellen Ausprägung der Allergie ab.
Spitzwegerichpollen möglichst meiden
Pollen lassen sich im Alltag nicht vollständig vermeiden. Einige Maßnahmen können die persönliche Belastung jedoch reduzieren.
Hilfreich können beispielsweise sein:
- regionale Pollenvorhersagen beachten
- bei hoher Belastung längere Aufenthalte auf stark bewachsenen Wiesen reduzieren
- getragene Kleidung nicht direkt neben dem Bett ablegen
- Haare bei Bedarf vor dem Schlafengehen waschen
- Wohnräume passend zur Pollensituation lüften
- Pollenschutzgitter für geeignete Fenster verwenden
- Staub und eingetragene Pollen regelmäßig entfernen
Eine Sonnenbrille kann außerdem dazu beitragen, den direkten Kontakt der Augen mit umherfliegenden Pollen etwas zu reduzieren.
Sollten Allergiker Spaziergänge vermeiden?
Die Empfehlung, während der gesamten Spitzwegerich-Blütezeit Spaziergänge im Freien zu vermeiden, wäre zu weitgehend.
Bewegung und Aufenthalt im Freien müssen bei einer Pollenallergie nicht grundsätzlich aufgegeben werden.
Sinnvoller ist es, die Aktivitäten an die aktuelle Pollenbelastung und die Stärke der eigenen Beschwerden anzupassen.
Wer stark reagiert, kann beispielsweise bei besonders hoher Belastung andere Strecken wählen oder längere Aufenthalte unmittelbar auf blühenden Wiesen vermeiden.
Helfen Pollenschutzgitter?
Pollenschutzgitter an Fenstern können einen Teil der von außen eindringenden Pollen zurückhalten.
Besonders interessant können sie am Schlafzimmerfenster sein.
Allerdings gelangt ein Teil der Pollen auch über:
- Kleidung
- Haare
- Haustiere
- Türen
in die Wohnung.
Ein Pollenschutzgitter ist deshalb eher Bestandteil eines Gesamtkonzeptes als eine vollständige Lösung.
Staubsauger und Luftreiniger bei Pollenallergie
Pollen, die in die Wohnung gelangt sind, können sich auf Böden, Möbeln und Textilien ablagern.
Regelmäßiges Reinigen kann die Innenraumbelastung reduzieren.
Bei einem Staubsauger kann ein geeignetes Filtersystem sinnvoll sein, damit eingesaugte feine Partikel möglichst nicht über die Abluft erneut im Raum verteilt werden.
Auch Luftreiniger mit geeigneten Partikelfiltern können einen Teil luftgetragener Partikel entfernen.
Sie ersetzen jedoch weder eine angemessene Reinigung noch andere Maßnahmen zur Verringerung der Pollenbelastung.
Medikamente gegen die Beschwerden
Zur Behandlung einer Pollenallergie stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung.
Je nach Beschwerden kommen beispielsweise bestimmte:
- Antihistaminika
- Nasensprays
- Augentropfen
infrage.
Mehr Informationen hierzu bietet der Beitrag über Antiallergika.
Welche Behandlung am besten geeignet ist, hängt von den Beschwerden, dem Alter, möglichen Vorerkrankungen und anderen Faktoren ab. Bei stärkeren oder länger anhaltenden Symptomen sollte die Behandlung deshalb mit einem Arzt abgestimmt werden.
Hyposensibilisierung bei Spitzwegerich-Allergie
Bei bestimmten Pollenallergien kann eine Hyposensibilisierung, genauer eine spezifische Immuntherapie, infrage kommen.
Dabei wird das Immunsystem über einen längeren Zeitraum wiederholt mit einer kontrollierten Menge des relevanten Allergens konfrontiert. Ziel ist es, die allergische Reaktion langfristig zu verringern.
Die Behandlung funktioniert daher nicht wie eine klassische Impfung und sollte auch nicht mit einer solchen gleichgesetzt werden.
Ob bei einer individuellen Spitzwegerich-Allergie eine geeignete spezifische Immuntherapie zur Verfügung steht und sinnvoll ist, sollte mit einem Allergologen besprochen werden.
Spitzwegerich-Allergie bei Kindern
Auch Kinder können gegen Pollen sensibilisiert sein.
Hinweise auf eine Pollenallergie können beispielsweise sein:
- regelmäßig wiederkehrender Schnupfen ohne Infekt
- häufiges Niesen während bestimmter Monate
- juckende und tränende Augen
- Beschwerden nach Aufenthalten auf Wiesen
- wiederkehrender Husten während der Pollensaison
Da zahlreiche Pollen gleichzeitig auftreten können, sollte auch bei Kindern nicht allein anhand des Standortes auf Spitzwegerich als Ursache geschlossen werden.
Häufige Fragen zur Spitzwegerich-Allergie
Wann fliegt Spitzwegerichpollen?
Spitzwegerich kann über einen langen Zeitraum vom Frühjahr bis in den Spätsommer beziehungsweise Herbst blühen. Zeitpunkt und Stärke des Pollenflugs hängen von Region und Wetter ab.
Welche Symptome verursacht eine Spitzwegerich-Allergie?
Typisch sind Niesen, Fließschnupfen, eine verstopfte Nase sowie juckende, gerötete oder tränende Augen. Bei Beteiligung der unteren Atemwege können außerdem Husten, pfeifende Atmung und Atemnot auftreten.
Ist Spitzwegerich essbar?
Ja. Spitzwegerich ist grundsätzlich essbar und wird beispielsweise als Wildkraut verwendet. Eine Pollenallergie gegen Spitzwegerich bedeutet nicht automatisch, dass die Pflanze als Lebensmittel unverträglich ist.
Muss man bei Spitzwegerich-Allergie Karotten oder Sellerie meiden?
Nicht pauschal. Lebensmittel sollten aufgrund einer Spitzwegerich-Pollenallergie nicht ohne konkreten Anlass gestrichen werden. Treten nach bestimmten Lebensmitteln reproduzierbar Beschwerden auf, ist eine allergologische Abklärung sinnvoll.
Kann Spitzwegerich Asthma auslösen?
Wie andere relevante Pollenallergene können auch Wegerichpollen bei entsprechend sensibilisierten Menschen Beschwerden der unteren Atemwege hervorrufen. Wiederkehrender Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot sollten ärztlich untersucht werden.
Hilft eine Hyposensibilisierung?
Eine spezifische Immuntherapie kann bei bestimmten Pollenallergien infrage kommen. Ob sie bei einer konkreten Spitzwegerich-Allergie sinnvoll und verfügbar ist, muss individuell allergologisch beurteilt werden.
Fazit: Spitzwegerich-Allergie ist vor allem eine Pollenallergie
Die Spitzwegerich-Allergie wird hauptsächlich durch Pollen des Spitzwegerichs ausgelöst. Da die Pflanze auf Wiesen, an Wegen, in Parks und auf anderen Grünflächen weit verbreitet ist und über einen langen Zeitraum blühen kann, können Betroffene während mehrerer Monate Beschwerden entwickeln.
Typisch sind Niesen, allergischer Schnupfen sowie juckende und tränende Augen. Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot können auf eine Beteiligung der unteren Atemwege hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Wichtig ist außerdem: Eine Spitzwegerich-Pollenallergie bedeutet nicht automatisch eine Allergie gegen essbaren Spitzwegerich oder bestimmte Lebensmittel. Auch pauschale Verbotslisten für mögliche Kreuzallergien sind wenig hilfreich.
Da Spitzwegerich häufig gemeinsam mit Gräsern und anderen pollenproduzierenden Pflanzen wächst, lässt sich der tatsächliche Auslöser anhand der Beschwerden allein häufig nicht erkennen. Ein Allergietest kann deshalb helfen, die verantwortlichen Pollen genauer zu bestimmen und anschließend eine passende Behandlung auszuwählen.