Tomaten – gesund, vielseitig und nicht für jeden problemlos
Tomaten gehören zu den beliebtesten Lebensmitteln und werden roh im Salat, als Soße, Suppe, Saft oder Ketchup verwendet. Botanisch gesehen ist die Tomate (Solanum lycopersicum) eine Frucht und gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Zu dieser Pflanzenfamilie zählen unter anderem auch Kartoffeln, Paprika und Auberginen.
Tomaten gelten grundsätzlich als gesund: Sie enthalten nur wenige Kalorien, liefern verschiedene Vitamine und Mineralstoffe und sind insbesondere für ihren Gehalt an Lycopin bekannt. Allerdings können Tomaten bei manchen Menschen auch allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten hervorrufen.
Welche Nährwerte haben Tomaten?
Tomaten bestehen zu rund 95 Prozent aus Wasser und sind entsprechend kalorienarm. Die genauen Werte unterscheiden sich abhängig von Sorte und Reifegrad.
Ungefähr 100 Gramm rohe Tomaten enthalten:
- etwa 18 bis 20 kcal
- rund 3 bis 4 g Kohlenhydrate
- etwa 0,9 g Eiweiß
- ungefähr 0,2 g Fett
- rund 1 bis 1,5 g Ballaststoffe
Daneben enthalten Tomaten unter anderem Vitamin C, Kalium, Folat und verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.
Lycopin – was macht den roten Pflanzenstoff interessant?
Die typische rote Farbe vieler Tomatensorten stammt hauptsächlich vom Carotinoid Lycopin. Lycopin wirkt als Antioxidans und kann dabei helfen, Zellen vor oxidativen Prozessen zu schützen.
Interessant ist, dass Lycopin aus verarbeiteten und erhitzten Tomaten teilweise besser verfügbar sein kann als aus rohen Tomaten. Tomatensoße, Tomatenmark oder gekochte Tomaten sind deshalb nicht automatisch ernährungsphysiologisch schlechter als rohe Tomaten.
Da Lycopin fettlöslich ist, kann die Aufnahme durch die Kombination mit etwas Fett, beispielsweise Olivenöl, verbessert werden.
Können Tomaten eine Allergie auslösen?
Ja. Eine Tomatenallergie ist möglich. Dabei reagiert das Immunsystem auf bestimmte Eiweißbestandteile der Tomate.
Mögliche Beschwerden sind:
- Jucken oder Kribbeln im Mund
- Brennen an Lippen und Zunge
- Schwellungen im Mund- und Rachenbereich
- Hautrötungen
- Nesselsucht
- Magen-Darm-Beschwerden
- laufende oder verstopfte Nase
- Husten oder Atemwegsbeschwerden
Schwere allergische Reaktionen sind möglich, aber wesentlich seltener. Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder einer starken Schwellung im Mund- und Rachenraum sollte sofort medizinische Hilfe gerufen werden.
Tomatenallergie durch Kreuzallergien
Besonders interessant ist die Tomate im Zusammenhang mit Kreuzallergien. Menschen mit bestimmten Pollenallergien können auf pflanzliche Lebensmittel reagieren, weil sich einzelne Eiweiße strukturell ähneln.
Eine Reaktion auf Tomaten kann beispielsweise im Zusammenhang mit einer Sensibilisierung gegenüber Gräserpollen auftreten. Auch Kreuzreaktionen mit anderen pflanzlichen Allergenen sind möglich.
Typisch für eine pollenassoziierte Lebensmittelallergie sind Beschwerden unmittelbar nach dem Verzehr von rohen Tomaten, beispielsweise ein Kribbeln oder Jucken an Lippen, Zunge, Gaumen oder Rachen.
Tomaten und Latexallergie
Auch bei einer Latexallergie können Kreuzreaktionen mit Lebensmitteln vorkommen. Bekannt ist dies insbesondere bei Banane, Avocado, Kiwi und Esskastanie. Auch die Tomate wird im Zusammenhang mit dem sogenannten Latex-Frucht-Syndrom beschrieben.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Mensch mit einer Latexallergie automatisch auf Tomaten reagiert.
Sind gekochte Tomaten bei einer Allergie besser verträglich?
Das hängt davon ab, gegen welche Eiweißbestandteile die betroffene Person sensibilisiert ist.
Einige allergieauslösende Proteine werden durch Hitze verändert. Deshalb kann es vorkommen, dass rohe Tomaten Beschwerden verursachen, während gekochte Tomaten oder Tomatensoße vertragen werden.
Darauf sollte man sich allerdings nicht grundsätzlich verlassen. Bestimmte Allergene können gegenüber Hitze vergleichsweise stabil sein. Wer bereits deutliche allergische Reaktionen erlebt hat, sollte die Verträglichkeit nicht eigenständig durch größere Mengen testen.
Tomaten und Histamin – Allergie oder Unverträglichkeit?
Beschwerden nach Tomaten müssen nicht zwangsläufig durch eine klassische Allergie verursacht werden.
Tomaten werden häufig auch im Zusammenhang mit Histaminintoleranz beziehungsweise einer verminderten Histaminverträglichkeit genannt. Die individuelle Verträglichkeit kann dabei erheblich variieren.
Beschwerden können beispielsweise sein:
- Kopfschmerzen
- Hautrötungen
- Juckreiz
- Magen-Darm-Probleme
- Herzklopfen
- laufende Nase
Da sich solche Beschwerden teilweise mit allergischen Symptomen überschneiden, lässt sich allein anhand der Symptome nicht sicher feststellen, was die Ursache ist.
Können Tomaten Hautausschlag verursachen?
Ja. Hautreaktionen können sowohl im Zusammenhang mit einer Allergie als auch durch direkten Kontakt auftreten.
Gerade bei empfindlicher Haut kann beispielsweise Tomatensaft rund um den Mund zu Rötungen und Hautreizungen führen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine echte Tomatenallergie vorliegt.
Vor allem bei kleinen Kindern sollte deshalb zwischen einer Kontaktreizung und einer tatsächlichen allergischen Reaktion unterschieden werden.
Warum verursachen Tomaten manchmal Sodbrennen?
Tomaten und insbesondere konzentrierte Tomatenprodukte können bei empfindlichen Personen Sodbrennen oder Refluxbeschwerden verstärken. Das hat normalerweise nichts mit einer Allergie zu tun.
Wer nach Tomatensoße, Ketchup oder Tomatensaft regelmäßig Sodbrennen bekommt, aber keine typischen allergischen Beschwerden entwickelt, sollte daher auch an eine individuelle Unverträglichkeit beziehungsweise Refluxproblematik denken.
Sind grüne Tomaten giftig?
Unreife grüne Tomaten enthalten höhere Mengen bestimmter Glykoalkaloide, insbesondere Tomatin. Mit zunehmender Reife nimmt deren Gehalt deutlich ab.
Große Mengen unreifer grüner Tomaten sollten deshalb nicht roh verzehrt werden. Speziell gezüchtete Tomatensorten, die auch im reifen Zustand grün bleiben, dürfen nicht mit gewöhnlichen unreifen Tomaten verwechselt werden.
Welche Tomatensorten gibt es?
Die Vielfalt ist erheblich. Häufig angeboten werden beispielsweise:
- Cocktailtomaten
- Cherrytomaten
- Roma- beziehungsweise Flaschentomaten
- Fleischtomaten
- Rispen- und Strauchtomaten
- gelbe und orange Tomaten
- grüne Sorten
- dunkle beziehungsweise violette Sorten
Die Farbe allein sagt wenig darüber aus, ob eine Sorte von einem Allergiker besser vertragen wird.
Tomatenallergie feststellen lassen
Wer nach dem Verzehr von Tomaten wiederholt Beschwerden entwickelt, sollte die Ursache ärztlich beziehungsweise allergologisch abklären lassen.
Zur Diagnose können je nach Situation unter anderem Anamnese, Hauttests und Blutuntersuchungen auf spezifische IgE-Antikörper eingesetzt werden. In bestimmten Fällen kann zusätzlich eine kontrollierte Provokation erforderlich sein.
Dabei ist es hilfreich, genau zu beobachten, ob Beschwerden nur bei rohen Tomaten oder ebenfalls bei Tomatensoße, Tomatenmark, Ketchup und anderen verarbeiteten Produkten auftreten.
Tomaten in verarbeiteten Lebensmitteln
Wer Tomaten meiden muss, sollte beachten, dass sie in zahlreichen Produkten enthalten sein können. Dazu gehören beispielsweise:
- Pizza
- Pasta- und Fertigsoßen
- Ketchup
- Suppen
- Gemüsebrühen
- Aufstriche
- Fertiggerichte
- Gewürzsoßen
- Tomatenmark
- Tomatensaft
Je nach individueller Allergie können verarbeitete Produkte trotzdem verträglich sein. Bei einer ausgeprägten Allergie müssen dagegen auch kleine Mengen berücksichtigt werden.
Fazit: Tomaten sind gesund – Allergien sind aber möglich
Tomaten sind kalorienarm und liefern wertvolle Nährstoffe sowie den sekundären Pflanzenstoff Lycopin. Sie können deshalb problemlos Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein.
Bei manchen Menschen verursachen Tomaten allerdings Beschwerden. Neben einer echten Tomatenallergie kommen insbesondere Kreuzallergien, individuelle Unverträglichkeiten, Hautreizungen und Refluxbeschwerden als Ursache infrage.
Wer nach Tomaten regelmäßig Jucken im Mund, Schwellungen, Hautreaktionen oder andere auffällige Beschwerden entwickelt, sollte daher nicht automatisch von einer Histaminintoleranz oder einer Allergie ausgehen, sondern die Ursache gezielt abklären lassen.