Anaphylaxie

Die Anaphylaxie

Bei einer Anaphylaxie kann ein anaphylaktischer Schock infolge eines Bienenstiches lebensbedrohlich sein.

Bei einer Anaphylaxie kann ein anaphylaktischer Schock infolge eines Bienenstiches lebensbedrohlich sein.

Unter einer Anaphylaxie bezeichnet eine Überreaktion des Immunsystemes auf Allergene und ist zugleich die schwerste Form einer allergischen Reaktion.

Der Begriff Anaphylaxie leitet sich vom griechischen „ana“ für „aufwärts/nochmals“ und „phylaxis“ für „Beschützung/Überwachung“ ab. Das Immunsystem reagiert krankhaft (pathologisch) auf äußere Reize mit Reaktionen der Haut, Organstörungen, Kreislaufstörungen, Kreislaufversagen und Organversagen.

Ein anaphylaktischer Schock bei einer Insektengiftallergie kann lebensbedrohlich sein. Typisch für eine Anaphylaxie ist, dass sie den ganzen Organismus betrifft so sind die Atemwege, die Haut, das Herz-Kreislauf-System und die Verdauungsorgane betroffen.

Die ersten Symptome ähneln denen einer Allergie bevor sie sich zu einem anaphylaktischen Schock weiterentwickeln können. Vor allem bein Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen, schlecht eingestellten Asthmatikern und älteren Personen besteht die Gefahr, dass aus einer allergischen Reaktion ein anaphylaktischer Schock wird.

Der Ablauf einer Anaphylaxie

Der Körper bildet IgE-Antikörper und Immunglobulin E als Reaktion auf den ersten Kontakt mit einem Allergen welche dazuführen dass Botenstoffe wie Histamin, Zytokine, Leukotriene und Prostaglandine von Mastzellen (Mastozyten) und weißen Blutkörperchen (basophile Granulozyten) ausgestoßen werden. Diese wiederum führen zu Entzündungen im Körper. Die ersten Symptome einer Anaphylaxie treten jetzt auf.

In den folgenden 6 bis 12 Stunden werden weitere Mediatoren freigesetzt die die Entzündung voran treiben und die Entzündungen fördern. Es wird unterschieden zwischen einer IgE-vermittelten Reaktion und einer IgE-unabhängigen anaphylaktischen Reaktion, diese wird nicht durch IgE-Antikörper, sondern durch physikalische und chemische Reize hervorgerufen.

Woran erkennt man eine Anaphylaxie?

Kommt es zu Juckreiz an den Handflächen, Fußsohlen, Genitalien, Hitzegefühlen, Ausschlägen, Unruhe, geschwollenen Lippen, Augen, Gesicht, Kopfschmerzen, Übelkeit, metallischem Geschmack oder Prickeln im Mund, Kurzatmigkeit oder Krämpfen kann sich ein anaphylaktischer Schock ankündigen.

Man unterscheidet hier 2 Phasen die je nach Patient unterschiedlich stark verlaufen können.

  1. In der ersten Phase der Initalphase kommt es nach dem Kontakt mit den Allergenen zu Übelkeit, Erbrechen, Koliken, Durchfall, Hautreaktionen oder allergischen Asthma (Bronchospasmen).
  2. In der zweiten Phase der systemischen Reaktion treten Juckreiz, Gesichtsrötung (Flush) und entzündliche Rötungen wie Nesselsucht auf. Die Atemwege und Bronchien verengen sich durch Ödeme (Schwellungen durch Flüssigkeitseinlagerungen) im Hals, Rachen und Lunge. Es kommt zu Gefäßerweiterungen und Flüssigkeitsverschiebungen im Körper die einem Schock bewirken können. Beschwerden im Bereich von Magen-Darm mit Druchfall, Erbrechen und Koliken

Der anaphylaktische Schock

In dieser lebensbedrohlichen Situation kommt es zu Blutdruckabfall und geweiteten Blutgefäßen sowie Flüssigkeitseintritt aus den Gefäßen in das umgebenden Gewebe. Die Organe werden schlechter durchblutet und der Patient verspürt Übelkeit, Sehstörungen, Atemnot, Brechreiz, Kreislaufbeschwerden und muss ich übergeben. Aber auch Symptome an der Haut wie Juckreiz und Quaddeln können auftreten. Der Puls kann bis zur Bewusstlosigkeit des Patienten sinken. In diesem Fall ist der anaphylaktische Schock eingetreten und muss umgehend medizinisch versorgt werden, damit er nicht tödlich endet.

Wodurch kann ein anapylaktischer Schock ausgelöst werden?

Mögliche Auslöser sind:

  • Insektengifte davon sind etwa Erwachsene mit 55% betroffen und Kinder mit 24%
  • Nahrungsmittel bei Erwachsenen mit 16% und Kindern mit 58%
  • Medikamente bei Erwachsenen mit 21% und bei Kindern mit 8% Wahrscheinlichkeit

Aber auch andere Auslöser kommen in Frage wie physische und psychische Anstrengung, mehrer allergene Reize, Alkohol etc.

  • Bei den Insektengiften treten häufig die Stiche von Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen mit ihren Giften zur Anaphylaxie bei.
  • Bei den Nahrungsmitteln sind es häufig Nüsse wie Erdnüsse sowie Milchprodukte bei Kindern. Erwachsene reagieren meist auf Soja, Nüsse, Sellerie, Fisch und Schalentiere.
  • Bei den Medikamenten sind es häufig Schmerzmittel, Antibiotika, Narkosemittel und Röntgenkontrastmittel die einen anaphylaktischen Schock herbeiführen können.

Bei vorliegender Sensibilisierung gegen diese Stoffe sollten diese gemieden werden mit einer Allergenkarenz. In einigen Fällen kann auch eine Hyposensibilisierung helfen. Letztere kann mit einer 80 bis 100% Chance das Risiko senken, dass ein Insektenstich erneut allergische Reaktionen herbeiführen wird.

Was tut man wenn es zu einem anaphylaktischen Schock gekommen ist?

Die erste Hilfemaßnahmen bei einem anaphylaktischen Schock erfordern ein spezielles Notfallset, welches aus speziellen Medikamenten besteht.

Enthalten im Notfallset sind:

  • Antihistaminika das die allergische Reaktion lindert
  • Kortison welches weitere allergische Reaktionen verhindert
  • Adrenalin-Autoinjektor der im Notfall schnell den Blutdruck und Herzschlag normalisiert und die Muskulatur der Bronchien enstpannt
  • Bei Asthma ist noch ein Notfallspray zur Erweiterung der Bronchien vorhanden

Kam es zum Kontakt mit dem Allergen sollte man sich vorbeugend an den Notfallplan halten der mit dem vertrauten Arzt ausgearbeitet wurde.

Bei leichten Symptomen nimmt man das Antihistaminikum und Kortison ein und verständigt einen Arzt

Bei schweren Symptomen wird das der Autoinjektor angewendet, aber auch wenn 2 oder mehrer Organe wie Atemwege und Haut involviert sind.

In einem Anaphylaxie-Pass können mögliche Allergene und Medikamente vermerkt werden. Wer an einer Nahrungsmittelallergie leidet sollte auch mögliche Kreuzallergien beachten.

Weitere mögliche Maßnahmen

Der Patient wird durch das Anheben der Beine in Schocklage gebracht und wenn verfügbar mit einer Sauerstoffmaske versorgt. Ist der Patient bewusstlos bringt man ihn in die stabile Seitenlage. Liegt ein Kreislaufstillstand vor beginnt man mit der Reanimation. Der Notarzt kann Adrenalin, Antihistaminika und Glukokortikoide intravenös oder intramuskuläre verabreichen. Venös werden Elektrolytlösungen (Kochsalz, Ringer-Lösung) gegeben und bei Atemlosigkeit oder Bewusstlosigkeit kann eine künstliche Beatmung erfolgen.

Die Geschichte der Anaphylaxie

Von Paul Portier und Charles Richet stammte der Versuch Hunde gegen das Gift des Samtanemonenfisches immun zu machen durch Verabreichung des Giftes. Die überlebenden Tiere erhielten einige Wochen später erneut das Gift, waren allerdings nicht immun, sondern reagierten mit einem anaphylaktischen Schockzustand mit fallendem Blutdruck, Veränderungen der Darmwand  und nicht mehr gerinnendem Blut. Der Zustand wurde als anaphylaktischer Schock bzw. Anaphylaxis bezeichnet.