
Eine Orchideen-Allergie ist selten, dennoch können manche Menschen nach Kontakt mit Orchideen Beschwerden entwickeln. Besonders betroffen ist die Haut, beispielsweise nach dem Berühren von Pflanzenteilen oder Pflanzensaft. Darüber hinaus können Blütendüfte bei empfindlichen Personen die Atemwege reizen.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen einer echten allergischen Reaktion und einer nicht allergischen Reizung. Nicht jedes Brennen der Haut, Husten oder Niesen in der Nähe einer Pflanze ist automatisch eine Allergie.
Die Familie der Orchideen (Orchidaceae) ist ausgesprochen groß und umfasst zahlreiche Gattungen und viele Tausend Arten. Deshalb lässt sich eine mögliche Reaktion auf eine bestimmte Orchidee nicht automatisch auf sämtliche Orchideenarten übertragen.
Kann man gegen Orchideen allergisch sein?
Ja, allergische Reaktionen auf Orchideen sind grundsätzlich möglich. Im Vergleich zu verbreiteten Allergieauslösern wie Gräser-, Birken- oder Haselpollen spielen Orchideen als Allergiequelle jedoch eine wesentlich kleinere Rolle.
Beschrieben werden insbesondere Kontaktreaktionen der Haut. Sie können beispielsweise auftreten, wenn beim Schneiden, Umtopfen oder Entfernen beschädigter Pflanzenteile Pflanzensaft auf die Haut gelangt.
Daneben können bei empfindlichen Menschen Beschwerden auftreten, wenn sie auf Duftstoffe einer stark riechenden Orchideenart reagieren.
Eine Reizung durch einen intensiven Duft muss allerdings nicht durch einen allergischen Mechanismus verursacht werden.
Welche Bestandteile der Orchidee können Beschwerden auslösen?
Bei Beschwerden kommen unterschiedliche Auslöser infrage. Dazu gehören insbesondere:
- Pflanzensaft,
- Blätter und Stängel,
- Blütenbestandteile,
- Duftstoffe sowie
- Substanzen, die bei der Pflanzenpflege verwendet werden.
Gerade beim Umgang mit Zimmerpflanzen sollte außerdem berücksichtigt werden, dass nicht immer die Orchidee selbst verantwortlich sein muss.
Auch Dünger, Pflanzenschutzmittel, Reinigungsmittel oder Bestandteile des Pflanzsubstrats können Haut und Atemwege reizen.
Kontaktallergie durch Orchideen
Eine Kontaktallergie gehört zu den möglichen Erklärungen für Hautbeschwerden nach dem Umgang mit einer Orchidee.
Bei einer allergischen Kontaktdermatitis handelt es sich um eine verzögerte Immunreaktion. Nach einer vorausgegangenen Sensibilisierung reagiert das Immunsystem bei erneutem Kontakt mit dem betreffenden Allergen.
Anders als bei einer unmittelbar auftretenden allergischen Reaktion können sich die Hautveränderungen erst nach Stunden bemerkbar machen und sich anschließend weiter verstärken.
Typische Stellen sind die Bereiche, die direkten Kontakt mit der Pflanze hatten – beispielsweise Hände, Finger und Unterarme.
Wie schnell treten die Symptome einer Orchideen-Allergie auf?
Das hängt von der Art der Reaktion ab.
Bei einer allergischen Kontaktdermatitis treten Beschwerden typischerweise verzögert auf. Hautveränderungen können sich beispielsweise innerhalb von etwa 24 bis 72 Stunden nach dem Kontakt entwickeln.
Andere Reaktionen können wesentlich schneller auftreten.
Wer unmittelbar nach Kontakt mit einer Orchidee Niesen, tränende Augen oder andere Beschwerden bemerkt, sollte deshalb nicht automatisch von einer klassischen Kontaktallergie ausgehen.
Symptome einer Orchideen-Allergie

Die möglichen Beschwerden unterscheiden sich abhängig vom Auslöser und der Art der Reaktion.
Bei Hautkontakt können unter anderem folgende Symptome auftreten:
- Juckreiz,
- Hautrötungen,
- Schwellungen,
- Ekzeme,
- trockene oder schuppende Haut,
- kleine Bläschen sowie
- Brennen der Haut.
Bei empfindlichen Personen können außerdem Beschwerden an Augen, Nase oder Atemwegen auftreten, beispielsweise:
- tränende oder gereizte Augen,
- Niesen,
- laufende oder gereizte Nase,
- Husten sowie
- Reizung von Hals und Rachen.
Solche Atemwegsbeschwerden beweisen allerdings nicht, dass tatsächlich eine Allergie gegen die Orchidee besteht. Intensive Pflanzendüfte können beispielsweise auch ohne allergische Sensibilisierung als unangenehm oder reizend empfunden werden.
Orchideen und Pollenallergie
Bei einer klassischen Pollenallergie spielen Orchideen im Alltag normalerweise keine vergleichbare Rolle wie windbestäubte Pflanzen.
Viele Orchideen werden von Insekten bestäubt. Ihre Pollen sind daher nicht darauf ausgelegt, in großen Mengen durch die Luft transportiert zu werden.
Das unterscheidet sie beispielsweise von Gräsern, Birken oder Haselsträuchern, deren Pollen über den Wind verbreitet werden und deshalb typische saisonale Allergiebeschwerden auslösen können.
Wer neben einer Orchidee regelmäßig unter Niesen und gereizten Augen leidet, sollte daher auch andere mögliche Allergiequellen im Raum berücksichtigen.
Vielleicht ist gar nicht die Orchidee schuld
Gerade bei Zimmerpflanzen gibt es einen weiteren wichtigen möglichen Auslöser: Schimmelpilze und Mikroorganismen im Pflanzsubstrat.
Orchideen werden häufig in speziellen Substraten aus Rindenstücken und anderen organischen Materialien gehalten. Bei dauerhaft hoher Feuchtigkeit können sich dort Schimmelpilze entwickeln.
Bei Menschen mit einer entsprechenden Sensibilisierung können deren Sporen Beschwerden verursachen.
Auch deshalb ist es sinnvoll, bei vermeintlichen „Orchideen-Allergien“ nicht vorschnell die Pflanze selbst verantwortlich zu machen.
Treten die Beschwerden hauptsächlich beim Gießen oder Umtopfen auf, sollte auch das Substrat als mögliche Ursache berücksichtigt werden.
Wie wird eine Orchideen-Allergie diagnostiziert?
Wer wiederholt nach dem Kontakt mit Orchideen Hautveränderungen oder andere Beschwerden entwickelt, sollte die Ursache dermatologisch beziehungsweise allergologisch untersuchen lassen.
Hilfreich ist zunächst eine genaue Beobachtung:
- Welche Orchideenart wurde berührt?
- Welche Pflanzenteile hatten Hautkontakt?
- Wie schnell traten die Beschwerden auf?
- Welche Hautstellen waren betroffen?
- Wurde gleichzeitig Dünger oder ein Pflanzenschutzmittel verwendet?
- Treten die Beschwerden auch bei anderen Pflanzen auf?
Bei Verdacht auf eine Kontaktallergie kann insbesondere ein Epikutantest (Patch-Test) infrage kommen. Dabei werden mögliche Kontaktallergene für einen bestimmten Zeitraum auf die Haut aufgebracht und die Reaktion anschließend beurteilt.
Welche Allergietests sinnvoll sind, hängt von den Beschwerden und dem vermuteten Reaktionsmechanismus ab.
Ein Provokationstest ist daher keineswegs automatisch der Standardtest bei Verdacht auf eine Orchideen-Kontaktallergie.
Was tun bei einer Orchideen-Allergie?
Wurde tatsächlich eine Reaktion auf eine bestimmte Orchidee oder einen ihrer Bestandteile festgestellt, sollte der direkte Kontakt möglichst vermieden werden.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sämtliche Orchideen aus Wohnung oder Garten entfernt werden müssen.
Bei einer Kontaktreaktion können bereits einfache Schutzmaßnahmen helfen:
- beim Umtopfen Handschuhe tragen,
- direkten Kontakt mit Pflanzensaft vermeiden,
- nach der Pflanzenpflege die Hände waschen,
- beschädigte Pflanzenteile nicht mit bloßen Händen anfassen und
- bei ausgeprägten Beschwerden die betreffende Pflanze aus dem Wohnbereich entfernen.
Wer auf bestimmte Duftstoffe mit Husten oder Reizungen reagiert, kann stark duftende Orchideen aus Schlaf- und Wohnräumen entfernen und auf eine gute Belüftung achten.
Wie werden Hautbeschwerden behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach Art und Stärke der Beschwerden.
Bei einer ausgeprägten allergischen Kontaktdermatitis können Ärzte beispielsweise kortisonhaltige Cremes oder Salben einsetzen. Welche Wirkstoffe und Behandlungsdauer geeignet sind, sollte insbesondere bei stärkeren oder länger bestehenden Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.
Bei anderen allergischen Symptomen können abhängig von der Diagnose beispielsweise Antihistaminika, Augentropfen oder Nasensprays eingesetzt werden.
Eine Behandlung sollte sich jedoch nach dem tatsächlichen Auslöser richten. Medikamente auf Verdacht einzunehmen, ohne zu wissen, ob überhaupt eine Allergie besteht, ist nicht sinnvoll.
Orchideen-Allergie und Vanille: Gibt es eine Kreuzallergie?
Hier ist eine häufig verbreitete Behauptung mit Vorsicht zu betrachten.
Vanille gehört tatsächlich zur Familie der Orchideen. Die Gewürzvanille (Vanilla planifolia) ist eine Orchideenart, deren Früchte zur Herstellung von Vanille verwendet werden.
Aus dieser botanischen Verwandtschaft folgt jedoch nicht automatisch eine Kreuzallergie zwischen Zimmerorchideen und Vanille.
Menschen mit Beschwerden durch eine bestimmte Orchidee müssen Vanille daher nicht vorsorglich aus ihrer Ernährung streichen.
Allergische Reaktionen auf Vanille beziehungsweise Vanillebestandteile sind zwar grundsätzlich möglich, sollten jedoch unabhängig diagnostiziert werden.
Muss man bei einer Orchideen-Allergie auf Vanille verzichten?
Nein, nicht ohne konkreten Grund.
Wer Vanille bisher problemlos verträgt, sollte sie nicht allein deshalb meiden, weil eine Kontaktallergie gegen eine Orchidee vermutet oder diagnostiziert wurde.
Eine unnötige Einschränkung der Ernährung bietet keinen Vorteil.
Treten dagegen reproduzierbar Beschwerden nach Lebensmitteln mit Vanille auf, sollte dies gesondert allergologisch abgeklärt werden.
Kann man Orchideen trotz Allergie behalten?
Das hängt von Art und Schwere der Beschwerden ab.
Wer lediglich beim direkten Kontakt mit Pflanzensaft ein Ekzem entwickelt, kann möglicherweise weiterhin Orchideen halten und bei der Pflege konsequent Handschuhe verwenden.
Treten dagegen Beschwerden auf, obwohl die Pflanze überhaupt nicht berührt wird, sollte zunächst untersucht werden, ob Duftstoffe, das Pflanzsubstrat, Schimmel oder ein anderer Faktor verantwortlich sind.
Sind die Beschwerden ausgeprägt und verschwinden zuverlässig, sobald die Orchidee aus dem Raum entfernt wird, kann es sinnvoll sein, auf diese Pflanze zu verzichten.
Wann sollte man zum Arzt?
Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn:
- Hautreaktionen wiederholt nach Orchideenkontakt auftreten,
- das Ekzem mehrere Tage anhält,
- größere Hautbereiche betroffen sind,
- die Ursache nicht eindeutig erkennbar ist oder
- Beschwerden an Augen oder Atemwegen regelmäßig auftreten.
Bei Atemnot, starken Schwellungen im Mund- oder Rachenbereich, Kreislaufproblemen oder einer rasch zunehmenden allergischen Reaktion ist dagegen sofort medizinische Hilfe erforderlich.
Fazit zur Orchideen-Allergie
Eine Orchideen-Allergie ist möglich, aber selten. Im Vordergrund stehen insbesondere Hautreaktionen nach direktem Kontakt mit der Pflanze oder ihrem Pflanzensaft. Beschwerden durch intensive Düfte können ebenfalls auftreten, müssen jedoch nicht allergisch bedingt sein.
Auch andere Ursachen sollten berücksichtigt werden. Pflanzsubstrat, Schimmelpilze, Dünger oder Pflegeprodukte können Beschwerden hervorrufen, die zunächst der Orchidee zugeschrieben werden.
Bei wiederkehrenden Hautreaktionen kann eine professionelle Allergiediagnostik helfen, den tatsächlichen Auslöser zu finden.
Und obwohl Vanille botanisch ebenfalls zu den Orchideen gehört, bedeutet eine Orchideen-Allergie nicht automatisch, dass auch eine Vanilleallergie besteht. Gut verträgliche Lebensmittel sollten daher nicht ohne medizinischen Grund gemieden werden.