
Kunststoffe begegnen uns in Verpackungen, Haushaltsgegenständen, Elektrogeräten, Fahrzeugen, Kleidung, Medizinprodukten und am Arbeitsplatz. Manche Menschen entwickeln nach dem Kontakt Hautbeschwerden und vermuten eine Kunststoffallergie. Meist richtet sich die allergische Reaktion jedoch nicht gegen den gesamten Kunststoff, sondern gegen einzelne enthaltene oder bei der Verarbeitung verwendete Stoffe.
Kurz erklärt: Eine sogenannte Kunststoffallergie ist gewöhnlich eine verzögert auftretende Kontaktallergie. Mögliche Auslöser sind beispielsweise nicht vollständig ausgehärtete Acrylate, Bestandteile von Epoxidharzen, Härter, Klebstoffe, Farbstoffe oder Zusatzstoffe. Daneben können Schweiß, Reibung und Feuchtigkeit unter einem Kunststoffgegenstand die Haut auch ohne Allergie reizen.
Was bedeutet Kunststoffallergie?
Der umgangssprachliche Begriff Kunststoffallergie oder Plastikallergie bezeichnet keine Allergie gegen alle Kunststoffe. Viele Kunststoffe bestehen aus großen Polymermolekülen, die allein nur schwer in die Haut eindringen. Häufiger sind kleinere Ausgangsstoffe, Restmonomere oder Zusatzstoffe für die Beschwerden verantwortlich.
Zu den verbreiteten Kunststoffen gehören unter anderem:
- Polyethylen (PE), beispielsweise in Folien, Kanistern und Getränkekästen
- Polypropylen (PP), etwa in Verpackungen und Haushaltsgegenständen
- Polyvinylchlorid (PVC), unter anderem in Bodenbelägen, Kabeln und Schläuchen
- Polystyrol (PS), beispielsweise in Verpackungen und Dämmstoffen
- Polyurethan (PUR), unter anderem in Schaumstoffen, Lacken und Klebstoffen
- Polyethylenterephthalat (PET), beispielsweise in Flaschen und Textilfasern
Viele Kunststoffe werden aus petrochemischen Ausgangsstoffen hergestellt. Bei der Verarbeitung von Erdöl wird unter anderem Rohbenzin beziehungsweise Naphtha gewonnen. Daraus lassen sich durch weitere chemische Verfahren Grundstoffe wie Ethylen oder Propylen herstellen. Kunststoffe können aber auch teilweise auf nachwachsenden Rohstoffen beruhen. Entscheidend für eine mögliche Kontaktallergie ist nicht allein die Herkunft, sondern die konkrete Zusammensetzung und Verarbeitung des Produkts.
Welche Stoffe können Beschwerden auslösen?
Das allergene Potenzial lässt sich nicht pauschal einer gesamten Kunststoffgruppe zuordnen. Relevant sind vor allem reaktionsfähige Einzelstoffe, die während der Herstellung verwendet werden oder im fertigen Produkt verbleiben können.
- Acrylate und Methacrylate: Sie kommen unter anderem in Nagelmodellagen, Klebstoffen, Lacken, Druckfarben, Zahnmaterialien und bestimmten Medizinprodukten vor. Vor allem nicht vollständig ausgehärtete Bestandteile können problematisch sein.
- Epoxidharz-Systeme: Harzbestandteile, Härter und weitere Zusätze können insbesondere im Baugewerbe, Handwerk und in der Industrie Kontaktallergien auslösen.
- Polyurethan-Ausgangsstoffe: Bei der beruflichen Verarbeitung können reaktive Komponenten wie Isocyanate eine Rolle spielen. Vollständig ausgehärtete Produkte sind anders zu bewerten als flüssige oder frisch verarbeitete Materialien.
- Gummizusatzstoffe: Beschleuniger, Alterungsschutzmittel und andere Hilfsstoffe in synthetischem Gummi können ein allergisches Kontaktekzem verursachen.
- Weitere Bestandteile: Je nach Produkt kommen Farbstoffe, Konservierungsmittel, Weichmacher, Klebstoffe oder Oberflächenbeschichtungen als Auslöser infrage.
Deshalb kann eine Person auf einen bestimmten Kunststoffgegenstand reagieren, während ein äußerlich ähnliches Produkt problemlos vertragen wird. Zusammensetzung, Aushärtung, Kontaktdauer, Wärme, Schweiß und der Zustand der Hautbarriere beeinflussen die Reaktion.
Symptome einer Kunststoffallergie

Typisch ist ein allergisches Kontaktekzem. Die Reaktionen entstehen häufig erst einige Stunden bis mehrere Tage nach dem Kontakt. Dadurch ist der Zusammenhang mit einem bestimmten Gegenstand oder Arbeitsstoff nicht immer sofort erkennbar.
Mögliche Beschwerden sind:
- Rötung und örtliche Schwellung der Haut
- starker Juckreiz oder Brennen
- kleine Knötchen oder Bläschen
- nässende Stellen, Krusten und Schuppen
- trockene, rissige oder verdickte Haut bei einem chronischen Verlauf
Die Veränderungen treten häufig zuerst an den direkten Kontaktstellen auf, zum Beispiel an den Händen, Fingern, Handgelenken oder im Gesicht. Ein Ekzem kann sich im weiteren Verlauf jedoch auch über den ursprünglichen Kontaktbereich hinaus ausbreiten.
Atemwegsbeschwerden gehören nicht zum typischen Bild einer verzögerten Kontaktallergie der Haut. Treten beim Verarbeiten von Harzen, Lacken, Klebstoffen oder anderen reaktiven Chemikalien Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot auf, sollte die Exposition beendet und die Ursache ärztlich beziehungsweise arbeitsmedizinisch untersucht werden. Bei starker Atemnot ist unverzüglich der Notruf 112 zu wählen.
Allergie oder einfache Hautreizung?
Nicht jede Hautreaktion nach dem Kontakt mit Kunststoff ist eine Allergie. Auch Reibung, Druck, Schweiß, Wärme oder Feuchtigkeit unter Handschuhen, Armbändern und Schutzkleidung können die Haut reizen. Ebenso können Reinigungsmittel oder häufiges Händewaschen die Hautbarriere schädigen.
Eine solche irritative Kontaktdermatitis kann ähnlich aussehen wie ein allergisches Kontaktekzem. Eine Unterscheidung allein anhand der Beschwerden ist deshalb oft nicht möglich. Wiederkehrende, anhaltende oder beruflich bedingte Hautveränderungen sollten dermatologisch abgeklärt werden.
Diagnose mit dem Epikutantest
Für die Diagnose sind die Krankengeschichte, die betroffenen Hautstellen und die verwendeten Produkte wichtig. Betroffene sollten möglichst Produktnamen, Verpackungen, Inhaltsstofflisten oder berufliche Sicherheitsdatenblätter zum Termin mitbringen.
Bei Verdacht auf eine verzögerte Kontaktallergie kann ein Epikutantest durchgeführt werden. Dabei werden ausgewählte Testsubstanzen in festgelegter Konzentration mit Pflastern auf die gesunde Haut des Rückens aufgebracht. Die Pflaster bleiben gewöhnlich 24 bis 48 Stunden auf der Haut. Anschließend erfolgen mehrere ärztliche Ablesungen, weil manche Reaktionen erst verzögert sichtbar werden.
Ein positives Testergebnis zeigt zunächst eine Sensibilisierung. Ob der betreffende Stoff tatsächlich für das aktuelle Ekzem verantwortlich ist, muss anhand der verwendeten Produkte und des zeitlichen Verlaufs beurteilt werden. Unverdünnte Klebstoffe, Kunstharze oder andere Arbeitsstoffe dürfen keinesfalls eigenständig auf die Haut aufgetragen werden. Eine falsche Konzentration kann starke Reizungen verursachen oder eine neue Sensibilisierung fördern.
Behandlung einer Kunststoffallergie
Die wichtigste Maßnahme ist das gezielte Meiden des nachgewiesenen Auslösers. Es reicht häufig nicht, pauschal auf „Plastik“ zu verzichten. Entscheidend ist, den verantwortlichen Einzelstoff und seine möglichen Bezeichnungen zu kennen.
- Kontakt vermeiden: Betroffene Produkte sollten ersetzt oder Arbeitsabläufe entsprechend angepasst werden.
- Hautbarriere pflegen: Rückfettende, möglichst reizstoffarme Pflegeprodukte können trockene und beanspruchte Haut unterstützen.
- Ekzem behandeln: Bei akuten Entzündungen können ärztlich ausgewählte kortisonhaltige Cremes oder Salben eingesetzt werden. Stärke und Anwendungsdauer richten sich nach Hautstelle und Schweregrad.
- Passenden Hautschutz verwenden: Schutzhandschuhe müssen zum jeweiligen Arbeitsstoff passen. Nicht jedes Handschuhmaterial schützt ausreichend vor Acrylaten, Epoxidharzen oder anderen Chemikalien.
- Berufliche Auslöser abklären: Bei arbeitsbedingten Beschwerden sollten der Betriebsarzt, eine hautärztliche Praxis oder die zuständige Berufsgenossenschaft frühzeitig einbezogen werden.
Bei einem schweren oder chronischen Handekzem können unter fachärztlicher Kontrolle weitere Behandlungen infrage kommen. Dazu gehören je nach Befund eine medizinische Lichttherapie oder der verschreibungspflichtige Wirkstoff Alitretinoin. Alitretinoin ist keine allgemeine Behandlung für jede Kunststoffallergie und darf wegen erheblicher Risiken, insbesondere während einer Schwangerschaft, nur unter strengen ärztlichen Voraussetzungen eingesetzt werden.
Was Betroffene selbst tun können
- Notieren Sie, nach welchem Produkt und mit welcher Verzögerung die Beschwerden auftreten.
- Fotografieren Sie sichtbare Hautveränderungen und dokumentieren Sie deren Verlauf.
- Bewahren Sie Verpackungen, Produktnamen und Inhaltsstoffangaben auf.
- Verzichten Sie auf eigenständige Hauttests mit verdächtigen Materialien.
- Lassen Sie wiederkehrende oder länger anhaltende Beschwerden dermatologisch untersuchen.
- Achten Sie nach einer bestätigten Allergie auch auf alternative Namen des Auslösers in Produkten und Sicherheitsdatenblättern.
Häufige Fragen zur Kunststoffallergie
Ist man bei einer Kunststoffallergie gegen jedes Plastik allergisch?
Nein. Meist richtet sich die Kontaktallergie gegen einen bestimmten Ausgangsstoff oder Zusatz. Andere Kunststoffe oder anders zusammengesetzte Produkte können weiterhin vertragen werden.
Warum vertrage ich ein Produkt, aber ein ähnliches nicht?
Produkte können unterschiedliche Farbstoffe, Härter, Klebstoffe, Beschichtungen oder Restmengen nicht ausgehärteter Ausgangsstoffe enthalten. Auch Kontaktdauer, Schweiß und Reibung beeinflussen die Hautreaktion.
Verschwindet die Allergie wieder?
Eine nachgewiesene Kontaktsensibilisierung bleibt in der Regel langfristig bestehen. Das Ekzem kann jedoch vollständig abheilen, wenn der Auslöser konsequent gemieden und die entzündete Haut angemessen behandelt wird.
Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?
Eine Untersuchung ist sinnvoll, wenn die Beschwerden wiederkehren, sich ausbreiten, nässen, schmerzen oder trotz Kontaktvermeidung nicht abheilen. Das gilt besonders für Veränderungen an Händen und Gesicht sowie für Beschwerden, die möglicherweise durch den Beruf verursacht werden.