
Calcium ist ein lebenswichtiger Mineralstoff, aber kein wissenschaftlich etabliertes Mittel zur Behandlung von Allergien. Eine ausreichende Versorgung ist wichtig für Knochen, Zähne, Muskeln und Nerven. Daraus folgt jedoch nicht, dass zusätzliche Calciumtabletten Juckreiz, Hautausschläge oder eine „Sonnenallergie“ zuverlässig verhindern oder lindern.
Für Menschen mit einer Lebensmittelallergie ist Calcium vor allem dann ein Thema, wenn wichtige Calciumquellen aus der Ernährung wegfallen. Das betrifft beispielsweise eine Ernährung ohne Kuhmilchprodukte.
Was ist Calcium?
Calcium, auch Kalzium geschrieben, ist ein chemisches Element mit dem Symbol Ca und der Ordnungszahl 20. In Lebensmitteln und im Körper liegt es in gebundener beziehungsweise gelöster Form vor.
Der überwiegende Teil des Körpercalciums befindet sich in Knochen und Zähnen. Darüber hinaus wird es unter anderem für die Muskelarbeit, die Weiterleitung von Nervensignalen und die Blutgerinnung benötigt.
Hilft Calcium gegen Allergien?
Calcium wird gelegentlich als Hausmittel gegen allergische Hautreaktionen empfohlen. Ein verlässlicher Nutzen als Antiallergikum ist jedoch nicht ausreichend belegt.
In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 40 Erwachsenen wurden durch Hautpricktests ausgelöste Reaktionen untersucht. Zwischen der Calcium- und der Placebogruppe zeigte sich kein Unterschied bei Quaddelgröße oder Juckreiz.
Diese Untersuchung beantwortet nicht jede mögliche Frage zu Calcium. Sie liefert aber keine Grundlage dafür, Calciumpräparate als wirksame Behandlung solcher allergischen Hautreaktionen zu empfehlen.
Calcium ersetzt weder eine Allergiediagnostik noch eine nachgewiesen wirksame Behandlung. Bei passenden Erkrankungen kommen beispielsweise Antihistaminika zum Einsatz. Welches Mittel geeignet ist, hängt vom Krankheitsbild ab.
Kann Calcium die Histaminausschüttung verhindern?
Histamin ist ein Botenstoff, der bei verschiedenen allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle spielt.
Calcium ist zwar an zahlreichen Zellvorgängen beteiligt. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass eine zusätzliche Einnahme die Histaminausschüttung klinisch wirksam hemmt oder allergische Entzündungen verhindert.
Die Vorstellung, Calcium müsse lediglich die Zellwände „abdichten“, um eine Allergie abzuschwächen, ist keine ausreichende wissenschaftliche Erklärung für eine wirksame Behandlung.
Was gilt bei Sonnenallergie und Lichturtikaria?
Die umgangssprachliche „Sonnenallergie“, meist eine polymorphe Lichtdermatose, und eine Lichturtikaria sind unterschiedliche Erkrankungen. Sie sollten nicht gleichgesetzt werden.
Auch zur Vorbeugung oder Behandlung einer Sonnenallergie ist der Nutzen von Calciumpräparaten nicht klar belegt. Eine Einnahme vor dem Urlaub ist deshalb kein verlässlicher Ersatz für geeigneten Lichtschutz oder eine dermatologische Behandlung.
Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte geklärt werden, welche lichtbedingte Hauterkrankung vorliegt. Schutzmaßnahmen und Behandlung richten sich nach dieser Diagnose.
Wie viel Calcium wird täglich benötigt?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene ab 19 Jahren eine Zufuhr von 1.000 Milligramm Calcium pro Tag. Für Jugendliche von 13 bis unter 19 Jahren beträgt der Referenzwert 1.200 Milligramm täglich. Jüngere Kinder haben altersabhängige Referenzwerte.
Diese Mengen beziehen sich auf die gesamte tägliche Zufuhr. Gemeint sind Calcium aus Lebensmitteln, Getränken und gegebenenfalls Ergänzungsmitteln zusammen – nicht eine zusätzlich einzunehmende Tablettendosis.
Welche Lebensmittel liefern Calcium?
Geeignete Calciumquellen sind je nach persönlicher Verträglichkeit:
- Milch, Joghurt und verschiedene Käsesorten
- mit Calcium angereicherte pflanzliche Drinks und andere Ersatzprodukte
- calciumreiches Mineralwasser
- Gemüsearten wie Grünkohl, Brokkoli und Rucola
- bestimmte Nüsse und Samen
Die Calciumgehalte unterscheiden sich erheblich. Bei Mineralwasser und angereicherten Produkten helfen die Angaben auf dem Etikett. Nicht jeder Pflanzendrink enthält zugesetztes Calcium.
Lebensmittel, gegen die eine Allergie besteht, sind selbstverständlich keine geeignete Calciumquelle für die betreffende Person.
Calciumversorgung bei Kuhmilchallergie
Bei einer Kuhmilcheiweißallergie können Milch und zahlreiche Milchprodukte als Calciumlieferanten entfallen. Dann sollte die Versorgung gezielt durch geeignete Alternativen geplant werden.
Laktosefreie Kuhmilch ist bei einer Kuhmilcheiweißallergie keine passende Alternative. Sie enthält weiterhin Milcheiweiß. Laktoseintoleranz betrifft dagegen die Verdauung des Milchzuckers und ist keine Milcheiweißallergie.
Bei einer Laktoseintoleranz können laktosefreie Milchprodukte die Calciumversorgung unterstützen. Bei einer Milchallergie kommen unter anderem verträgliche angereicherte Ersatzprodukte und calciumreiches Wasser infrage.
Besonders bei Kindern oder mehreren Lebensmittelallergien ist eine qualifizierte Ernährungsberatung sinnvoll. Gewöhnliche Pflanzendrinks ersetzen keine geeignete Säuglingsnahrung.
Brauchen vegan lebende Menschen automatisch Calciumtabletten?
Eine vegane Ernährung erfordert Aufmerksamkeit für die Calciumversorgung. Daraus folgt jedoch keine automatische Notwendigkeit, Calciumtabletten einzunehmen.
Entscheidend ist, welche Mengen über die tatsächliche Ernährung aufgenommen werden. Geeignete angereicherte Lebensmittel, calciumreiches Mineralwasser und passende pflanzliche Calciumquellen können dazu beitragen.
Ob zusätzlich ein Präparat benötigt wird, sollte anhand der individuellen Versorgung beurteilt werden.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Ein Pflanzendrink enthält laut angenommenem Etikettwert 120 Milligramm Calcium je 100 Milliliter. Eine Portion von 250 Millilitern liefert damit:
250 ml × 120 mg ÷ 100 ml = 300 mg Calcium
Ein Liter Mineralwasser mit einem angenommenen Calciumgehalt von 300 Milligramm je Liter liefert weitere 300 Milligramm. Zusammen ergeben sich 600 Milligramm. Hinzu kommt das Calcium aus weiteren Lebensmitteln.
Das Beispiel dient nur zur Berechnung und ist kein vollständiger Ernährungsplan.
Welche Rolle spielt Vitamin D?
Vitamin D unterstützt die Calciumaufnahme im Darm und die Regulation des Calciumhaushalts. Die Versorgung mit beiden Nährstoffen hängt deshalb zusammen.
Wie viel Calcium aufgenommen wird, ist nicht bei jedem Menschen und jeder Mahlzeit gleich. Eine feste Aussage, grundsätzlich würden nur 30 Prozent aufgenommen, ist zu pauschal.
Die Bedeutung von Vitamin D rechtfertigt außerdem nicht automatisch eine hochdosierte Einnahme. Ein möglicher Ergänzungsbedarf sollte individuell beurteilt werden.
Wann sind Calciumpräparate sinnvoll?
Präparate können bei einer nicht ausreichend über die Ernährung gedeckten Versorgung oder bei bestimmten medizinischen Behandlungen sinnvoll sein. Dabei sollten die bereits aufgenommenen Mengen berücksichtigt werden.
Eine Allergie allein ist kein Grund für eine zusätzliche Calciumeinnahme. Ebenso sollte eine vermutete Unterversorgung nicht allein aus unspezifischen Beschwerden abgeleitet werden.
Welche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sind möglich?
Calciumpräparate sind nicht grundsätzlich nebenwirkungsfrei. Sie können beispielsweise Verstopfung, Blähungen oder andere Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
Bei bestimmten Erkrankungen, insbesondere Störungen des Calciumhaushalts oder der Nierenfunktion, ist besondere Vorsicht erforderlich. Eine unnötig hohe Zufuhr sollte vermieden werden.
Calcium kann außerdem die Aufnahme bestimmter Arzneimittel beeinflussen, beispielsweise von Levothyroxin und einigen Antibiotika. Notwendige Einnahmeabstände hängen vom Medikament ab und sollten mit Arzt oder Apotheke geklärt werden.
Für die Allergiebehandlung und die Nährstoffversorgung gelten unterschiedliche Ziele: Eine ausreichende Calciumzufuhr unterstützt normale Körperfunktionen. Zusätzliche Calciumtabletten sind dagegen keine nachgewiesen wirksame allgemeine Allergietherapie.