
Eine Sojaallergie ist eine Nahrungsmittelallergie, bei der das Immunsystem auf bestimmte Eiweiße der Sojabohne reagiert. Die Beschwerden können sehr unterschiedlich ausfallen und beispielsweise Juckreiz im Mund, Hautreaktionen, Magen-Darm-Beschwerden oder Atemwegsprobleme verursachen. In seltenen Fällen sind auch schwere allergische Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie möglich.
Soja beziehungsweise die Sojabohne (Glycine max) gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler. Soja enthält viel Eiweiß und wird heute in zahlreichen Lebensmitteln verarbeitet. Neben klassischen Sojaprodukten wie Tofu, Tempeh, Edamame und Sojadrinks findet man Bestandteile der Sojabohne auch in Fertigprodukten, Backwaren, Fleischersatzprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln.
Eine Sojaallergie kann entweder als primäre Nahrungsmittelallergie entstehen oder als Folge einer Kreuzallergie. Besonders bekannt ist die pollenassoziierte Sojaallergie bei Menschen mit einer Birkenpollenallergie.
Welche Sojaprodukte Beschwerden auslösen und wie schwer eine Reaktion ausfällt, kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Deshalb ist eine individuelle allergologische Diagnose besonders wichtig.
Was ist eine Sojaallergie?
Bei einer Sojaallergie erkennt das Immunsystem bestimmte Eiweiße der Sojabohne fälschlicherweise als gefährlich.
Bei einem erneuten Kontakt können allergische Reaktionen ausgelöst werden.
Dabei werden unterschiedliche Sojaallergene unterschieden. Zu den bekannten allergieauslösenden Eiweißen gehören unter anderem:
- Gly m 4
- Gly m 5
- Gly m 6
Welche dieser Komponenten eine Rolle spielt, kann Einfluss darauf haben, ob es sich eher um eine pollenassoziierte oder eine primäre Sojaallergie handelt und welche Produkte möglicherweise besonders relevant sind.
Wie häufig ist eine Sojaallergie?
Soja gehört zu den Lebensmitteln, die allergische Reaktionen verursachen können. Besonders im Kindesalter kann eine primäre Sojaallergie auftreten.
Bei Erwachsenen spielt daneben die pollenassoziierte Sojaallergie eine wichtige Rolle.
Da immer mehr Lebensmittel Soja oder konzentriertes Sojaprotein enthalten, kommen Menschen heute über zahlreiche unterschiedliche Produkte damit in Kontakt.
Eine Sensibilisierung gegen Soja bedeutet allerdings nicht automatisch, dass beim Verzehr tatsächlich Beschwerden auftreten. Erst wenn eine Sensibilisierung zusammen mit passenden klinischen Symptomen auftritt, spricht dies für eine klinisch relevante Allergie.
Primäre und sekundäre Sojaallergie
Bei der Sojaallergie können zwei unterschiedliche Wege der Sensibilisierung eine Rolle spielen.
Primäre Sojaallergie:
Bei einer primären Sojaallergie richtet sich die Immunreaktion direkt gegen Eiweiße der Sojabohne. Diese Form kann beispielsweise bereits im Kindesalter auftreten.
Sekundäre beziehungsweise pollenassoziierte Sojaallergie:
Hier besteht ursprünglich eine Sensibilisierung gegen ein Pollenallergen. Das Immunsystem erkennt anschließend ein ähnlich aufgebautes Eiweiß in Soja.
Besonders bekannt ist die Kreuzreaktion zwischen dem Birkenpollenallergen Bet v 1 und dem Sojaallergen Gly m 4.
Symptome einer Sojaallergie
Die Beschwerden einer Sojaallergie können wenige Minuten bis einige Zeit nach dem Verzehr auftreten.
Wie stark die Reaktion ist, hängt unter anderem vom individuellen Allergiemuster, der aufgenommenen Menge und dem jeweiligen Lebensmittel ab.
Mögliche Symptome sind:
- Jucken oder Kribbeln im Mund
- Brennen im Mund- und Rachenraum
- Schwellungen an Lippen, Zunge oder Schleimhäuten
- Hautrötungen
- Nesselsucht mit Quaddeln und Juckreiz
- Übelkeit
- Bauchschmerzen
- Erbrechen
- Durchfall
- Husten
- pfeifende Atmung
- Atembeschwerden
- Kreislaufbeschwerden
Bei Menschen mit Neurodermitis können Nahrungsmittelallergien in bestimmten Fällen zusätzlich mit einer Verschlechterung der Hautbeschwerden verbunden sein.
Auch bei bestehendem Asthma bronchiale sollten allergische Atemwegsreaktionen ernst genommen werden.
Sojaallergie im Mund und Rachen
Vor allem bei einer pollenassoziierten Sojaallergie können Beschwerden zunächst im Mund- und Rachenraum auftreten.
Typisch sind beispielsweise:
- Kribbeln auf der Zunge
- Juckreiz an Lippen oder Gaumen
- Kratzen im Hals
- leichte Schwellungen
Solche Beschwerden werden häufig dem pollenassoziierten Nahrungsmittelsyndrom zugerechnet.
Allerdings sollte eine Gly-m-4-Sensibilisierung nicht grundsätzlich als harmlose lokale Kreuzallergie betrachtet werden. Bei Soja sind auch stärkere Reaktionen beschrieben worden, insbesondere nach dem Verzehr größerer Mengen bestimmter wenig oder unterschiedlich verarbeiteter Sojaprodukte wie Sojadrinks.
Kann eine Sojaallergie eine Anaphylaxie auslösen?
Ja. Eine Sojaallergie kann in seltenen Fällen eine schwere systemische allergische Reaktion bis hin zur Anaphylaxie beziehungsweise einem anaphylaktischen Schock verursachen.
Warnzeichen können sein:
- rasch zunehmende Schwellungen
- Atemnot
- Engegefühl im Hals
- Heiserkeit
- starker Schwindel
- Kreislaufabfall
- Bewusstseinsstörungen
- gleichzeitige Beschwerden an mehreren Organsystemen
Bei einer schweren allergischen Reaktion ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.
Betroffene, denen aufgrund ihres individuellen Risikos ein Allergie-Notfallset verschrieben wurde, sollten mit ihrem Arzt einen persönlichen Notfallplan besprechen und wissen, wie die verordneten Medikamente angewendet werden.
Sojaallergie und Birkenpollen
Eine wichtige Form der Sojaallergie entsteht als Kreuzreaktion bei Birkenpollenallergikern.
Das Hauptallergen der Birkenpollen heißt Bet v 1.
Das Sojaallergen Gly m 4 besitzt strukturelle Ähnlichkeiten mit Bet v 1. Deshalb können IgE-Antikörper eines Birkenpollenallergikers unter Umständen auch Gly m 4 erkennen.
Man spricht dann von einer pollenassoziierten Kreuzreaktion.
Nicht jeder Birkenpollenallergiker entwickelt allerdings automatisch eine Sojaallergie.
Eine Sensibilisierung muss außerdem von einer tatsächlich vorhandenen klinischen Allergie unterschieden werden.
Gly m 4 bei der Sojaallergie
Gly m 4 gehört zur Gruppe der PR-10-Proteine und ähnelt dem Birkenpollenallergen Bet v 1.
Deshalb spielt Gly m 4 vor allem bei der pollenassoziierten Sojaallergie eine Rolle.
Gly m 4 ist vergleichsweise empfindlich gegenüber starker Verarbeitung und Hitze. Trotzdem bedeutet dies nicht, dass alle erhitzten oder verarbeiteten Sojaprodukte automatisch vertragen werden.
Der tatsächliche Allergengehalt kann sich zwischen verschiedenen Produkten erheblich unterscheiden.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen beispielsweise:
- Sojadrinks
- Sojaproteinprodukte
- bestimmte Proteinpulver
- Tofu und andere proteinreiche Sojaprodukte
Gerade nach Sojadrinks sind bei Gly-m-4-sensibilisierten Birkenpollenallergikern auch deutlich stärkere Reaktionen beschrieben worden.
Die individuelle Verträglichkeit sollte deshalb nicht durch Selbstversuche mit größeren Mengen getestet werden.
Gly m 5 und Gly m 6

Gly m 5 und Gly m 6 sind Speicherproteine der Sojabohne.
Sie werden eher mit einer primären Sojaallergie in Verbindung gebracht und sind stabiler als Gly m 4.
Eine Sensibilisierung gegen diese Speicherproteine kann für die allergologische Risikobewertung relevant sein. In Untersuchungen wurde eine Sensibilisierung gegen Gly m 5 beziehungsweise Gly m 6 häufiger bei Patienten mit schweren Sojareaktionen gefunden.
Aus einem einzelnen positiven Laborwert lässt sich die Schwere zukünftiger Reaktionen jedoch nicht sicher vorhersagen.
Die Ergebnisse müssen immer zusammen mit der bisherigen Krankengeschichte beurteilt werden.
Welche Sojaprodukte können Beschwerden auslösen?
Soja kann in sehr unterschiedlichen Formen verzehrt werden.
Zu typischen Sojaprodukten gehören:
- Sojabohnen
- Edamame
- Tofu
- Tempeh
- Natto
- Sojadrinks
- Sojajoghurt
- Sojamehl
- Sojaflocken
- Sojaprotein
- Sojaproteinisolate
- texturiertes Sojaprotein beziehungsweise TVP
- Sojasauce
Sojabestandteile können außerdem in Lebensmitteln vorkommen, bei denen dies auf den ersten Blick weniger offensichtlich ist.
Dazu können je nach Rezeptur beispielsweise gehören:
- Fertiggerichte
- Backwaren
- Fleischersatzprodukte
- Proteinriegel
- Eiweißpulver
- Süßwaren
- Saucen und Dressings
Deshalb ist bei einer bestätigten Sojaallergie die Zutatenliste besonders wichtig.
Sojasprossen sind häufig keine Sojasprossen

Die im deutschen Sprachgebrauch häufig als „Sojasprossen“ bezeichneten Sprossen stammen meist gar nicht von der Sojabohne.
Häufig handelt es sich um Keimlinge der Mungobohne (Vigna radiata).
Eine Sojaallergie bedeutet nicht automatisch, dass auch eine Allergie gegen Mungobohnen besteht.
Trotzdem gehören sowohl Soja als auch Mungobohnen zu den Hülsenfrüchtlern. Bei bereits bekannten Reaktionen auf verschiedene Hülsenfrüchte sollte deshalb individuell geprüft werden, welche Lebensmittel tatsächlich vertragen werden.
Wer echte Sojabohnensprossen verwendet, hat dagegen direkten Kontakt mit der Sojapflanze.
Sojaallergie und Erdnussallergie

Sojabohnen und Erdnüsse gehören beide zur Familie der Hülsenfrüchtler.
Deshalb können bei Allergietests teilweise Sensibilisierungen gegen mehrere Hülsenfrüchte gefunden werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Menschen mit einer Sojaallergie automatisch auch eine Erdnussallergie haben.
Auch eine Erdnussallergie bedeutet nicht automatisch, dass Soja gemieden werden muss.
Entscheidend ist die individuelle klinische Verträglichkeit.
Ein vorsorglicher Verzicht auf sämtliche Hülsenfrüchte ohne entsprechende Diagnose kann die Ernährung unnötig einschränken.
Kreuzallergien mit anderen Hülsenfrüchten
Zur Familie der Hülsenfrüchtler gehören neben Soja und Erdnüssen beispielsweise:
- Erbsen
- Linsen
- Kichererbsen
- Bohnen
- Lupinen
- Mungobohnen
Die Pflanzen können teilweise ähnliche Proteine enthalten.
Im Allergietest kann deshalb eine Kreuzsensibilisierung auftreten. Eine solche Laborreaktion bedeutet aber nicht automatisch, dass beim Verzehr aller betreffenden Lebensmittel Beschwerden auftreten.
Es sollte daher individuell geklärt werden, welche Hülsenfrüchte tatsächlich Symptome verursachen.
Wie wird eine Sojaallergie diagnostiziert?
Die Diagnose einer Sojaallergie sollte durch eine allergologisch erfahrene Ärztin oder einen allergologisch erfahrenen Arzt erfolgen.
Am Anfang steht eine ausführliche Anamnese.
Dabei sind beispielsweise folgende Fragen wichtig:
- Welches Lebensmittel wurde gegessen?
- Wie viel davon wurde verzehrt?
- Welche Symptome sind aufgetreten?
- Wie schnell traten die Beschwerden auf?
- Gab es bereits ähnliche Reaktionen?
- Besteht eine Pollenallergie?
- Werden andere Hülsenfrüchte vertragen?
- Welche weiteren Allergien sind bekannt?
Die Krankengeschichte wird anschließend mit geeigneten Allergietests kombiniert.
Hauttest bei Sojaallergie
Ein Hauttest, beispielsweise ein Pricktest, kann Hinweise auf eine Sensibilisierung gegen Soja liefern.
Ein positives Testergebnis allein beweist allerdings noch keine Sojaallergie.
Menschen können sensibilisiert sein, ohne beim Verzehr des Lebensmittels tatsächlich Beschwerden zu entwickeln.
Deshalb muss das Ergebnis immer im Zusammenhang mit der Krankengeschichte beurteilt werden.
Bluttest auf spezifisches IgE
Im Blut können spezifische IgE-Antikörper gegen Soja bestimmt werden.
Zusätzlich kann eine sogenannte komponentenbasierte Diagnostik eingesetzt werden.
Dabei wird untersucht, ob IgE-Antikörper beispielsweise gegen bestimmte Sojaallergene wie:
- Gly m 4
- Gly m 5
- Gly m 6
vorhanden sind.
Dies kann helfen, das Sensibilisierungsmuster genauer einzuordnen.
Auch hier gilt: Ein positiver Laborwert allein beweist nicht, dass beim Verzehr zwingend Beschwerden auftreten.
Orale Provokation
Wenn Krankengeschichte und Testergebnisse keine eindeutige Antwort liefern, kann unter ärztlicher Aufsicht eine orale Nahrungsmittelprovokation infrage kommen.
Dabei wird das verdächtige Lebensmittel unter kontrollierten Bedingungen in festgelegten Mengen verabreicht.
Eine solche Untersuchung darf bei entsprechendem Allergierisiko nicht eigenständig zu Hause durchgeführt werden.
Die orale Provokation kann unter geeigneten Bedingungen helfen, eine vermutete Nahrungsmittelallergie zu bestätigen oder auszuschließen.
Was hilft bei einer Sojaallergie?
Die wichtigste Maßnahme bei einer bestätigten Sojaallergie ist die individuelle Allergenkarenz.
Dabei sollten genau diejenigen Lebensmittel gemieden werden, die für die betroffene Person relevant sind.
Eine unnötig umfangreiche Eliminationsdiät ist dagegen nicht sinnvoll.
Besonders wenn viele Lebensmittel gemieden werden müssen oder Kinder betroffen sind, kann eine qualifizierte Ernährungsberatung helfen, eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen.
Soja auf der Zutatenliste erkennen
Sojabohnen gehören in der Europäischen Union zu den kennzeichnungspflichtigen Allergenen.
Bei verpackten Lebensmitteln muss Soja beziehungsweise ein kennzeichnungspflichtiger daraus hergestellter Bestandteil in der Zutatenliste hervorgehoben werden.
Mögliche Begriffe sind beispielsweise:
- Soja
- Sojabohnen
- Sojamehl
- Sojaflocken
- Sojaprotein
- Sojaproteinisolat
- Sojadrink
- Tofu
- Tempeh
- Edamame
- Natto
- Sojalecithin
- texturiertes Sojaprotein
Bei unverpackten Lebensmitteln, beispielsweise in Restaurants, Bäckereien oder Kantinen, müssen ebenfalls Informationen zu kennzeichnungspflichtigen Allergenen verfügbar sein.
Ist Sojalecithin bei Sojaallergie gefährlich?
Sojalecithin wird als Emulgator in zahlreichen Lebensmitteln verwendet und kann beispielsweise als Lecithin aus Soja beziehungsweise E 322 gekennzeichnet sein.
Bei der Herstellung wird ein großer Teil der Sojaproteine entfernt. Deshalb wird Sojalecithin von vielen Menschen mit Sojaallergie vertragen.
Eine allgemeine Garantie kann daraus jedoch nicht abgeleitet werden.
Insbesondere bei einer Vorgeschichte mit schweren Reaktionen sollte die individuelle Verträglichkeit mit dem behandelnden Allergologen besprochen werden.
Ist Sojaöl bei Sojaallergie verträglich?
Bei Sojaöl muss zwischen hoch beziehungsweise vollständig raffiniertem Sojaöl und weniger stark raffinierten beziehungsweise kaltgepressten Ölen unterschieden werden.
Bei der Raffination werden die allergieauslösenden Proteine weitgehend entfernt. Deshalb wird vollständig raffiniertes Sojaöl von den meisten Sojaallergikern vertragen.
Für vollständig raffiniertes Sojaöl und -fett besteht in der EU aus diesem Grund eine Ausnahme von der ansonsten vorgeschriebenen Soja-Allergenkennzeichnung.
Bei kaltgepresstem oder weniger stark verarbeitetem Sojaöl können dagegen eher Proteinreste vorhanden sein.
Menschen mit schweren allergischen Reaktionen sollten ihre individuelle Situation mit einem Allergologen besprechen.
„Kann Spuren von Soja enthalten“ – was bedeutet das?
Auf manchen Lebensmitteln findet man Hinweise wie:
„Kann Spuren von Soja enthalten.“
Damit weist der Hersteller auf eine mögliche unbeabsichtigte Verunreinigung während Herstellung oder Verarbeitung hin.
Die Aussage bedeutet nicht, dass Soja absichtlich als Zutat verwendet wurde.
Wie mit solchen Spurenhinweisen umgegangen werden sollte, hängt von der individuellen Allergie und dem Risiko schwerer Reaktionen ab.
Pauschale Regeln sind hier nicht für jeden Betroffenen geeignet.
Soja in veganen und vegetarischen Lebensmitteln
Soja ist aufgrund seines hohen Eiweißgehalts besonders in vegetarischer und veganer Ernährung verbreitet.
Typische Produkte sind:
- Tofu
- Tempeh
- Sojadrinks
- pflanzliche Joghurtalternativen
- Fleischersatz
- Proteinriegel
- Eiweißpulver
Eine Sojaallergie bedeutet jedoch nicht, dass eine vegetarische oder vegane Ernährung grundsätzlich unmöglich ist.
Als alternative Proteinquellen können – sofern individuell vertragen – beispielsweise andere Hülsenfrüchte, Getreide, Samen und weitere pflanzliche Lebensmittel infrage kommen.
Bei einer stark eingeschränkten Ernährung kann professionelle Ernährungsberatung sinnvoll sein.
Sojaallergie bei Kindern
Eine Sojaallergie kann bereits im Kindesalter auftreten.
Bei Kindern ist besonders wichtig, Lebensmittel nicht ohne medizinischen Grund dauerhaft aus dem Speiseplan zu entfernen.
Soja liefert Protein und weitere Nährstoffe und kann Bestandteil zahlreicher Ersatzprodukte sein.
Muss Soja langfristig gemieden werden, sollte bei kleinen Kindern darauf geachtet werden, dass Protein, Energie und andere wichtige Nährstoffe ausreichend über Alternativen aufgenommen werden.
Eine Ernährungsberatung kann hierbei hilfreich sein.
Kann eine Sojaallergie wieder verschwinden?
Der Verlauf hängt unter anderem von der Form der Sojaallergie ab.
Bei Kindern kann sich eine primäre Nahrungsmittelallergie im Laufe der Entwicklung verändern und in manchen Fällen wieder zurückbilden.
Eine pollenassoziierte Sojaallergie bei Erwachsenen kann dagegen länger bestehen bleiben.
Ob eine Allergie noch vorhanden ist, sollte nicht durch eigenständige Selbstversuche überprüft werden, wenn zuvor deutliche oder schwere Reaktionen aufgetreten sind.
Bei Bedarf kann der Allergologe beurteilen, ob eine erneute Diagnostik oder kontrollierte Provokation sinnvoll ist.
Kann man eine Sojaallergie vorbeugen?
Eine Sojaallergie lässt sich nicht zuverlässig dadurch verhindern, dass Soja vorsorglich dauerhaft gemieden wird.
Lebensmittel sollten deshalb insbesondere bei Kindern nicht allein aus Angst vor einer möglichen zukünftigen Allergie aus der Ernährung entfernt werden.
Besteht bereits eine bestätigte Allergie, richtet sich die weitere Ernährung nach dem individuellen Befund und der ärztlichen Empfehlung.
Was sollten Sojaallergiker beim Restaurantbesuch beachten?
Soja kann in Restaurantgerichten beispielsweise durch Tofu, Sojasauce, Marinaden oder andere Zutaten enthalten sein.
Betroffene sollten bei einer bestätigten Allergie deshalb nachfragen, welche Zutaten verwendet wurden.
Besonders bei asiatischen Gerichten ist Soja in vielen klassischen Zutaten verbreitet.
Dazu gehören beispielsweise:
- Sojasauce
- Tofu
- Tempeh
- Edamame
- bestimmte Würzsaucen
Bei schwerer Allergie sollte zusätzlich das Risiko unbeabsichtigter Kontakte beziehungsweise Kreuzkontakte berücksichtigt werden.
Wann sollte man wegen einer möglichen Sojaallergie zum Arzt?
Eine allergologische Abklärung ist sinnvoll, wenn nach dem Verzehr von Soja wiederholt Beschwerden auftreten.
Das gilt beispielsweise bei:
- wiederkehrendem Juckreiz im Mund
- Schwellungen
- Nesselsucht
- starken Magen-Darm-Beschwerden unmittelbar nach dem Essen
- Atemwegsbeschwerden
- Kreislaufreaktionen
Besonders wichtig ist eine ärztliche Abklärung nach einer schweren allergischen Reaktion.
Ein Ernährungstagebuch kann dabei helfen, Lebensmittel und auftretende Beschwerden zu dokumentieren.
Häufige Fragen zur Sojaallergie
Was sind typische Symptome einer Sojaallergie?
Mögliche Beschwerden sind Juckreiz und Schwellungen im Mund, Nesselsucht, Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Husten oder Atembeschwerden. Selten sind auch schwere allergische Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie möglich.
Kann eine Birkenpollenallergie zu einer Sojaallergie führen?
Ja. Das Birkenpollenallergen Bet v 1 ähnelt dem Sojaallergen Gly m 4. Dadurch kann bei manchen Birkenpollenallergikern eine pollenassoziierte Kreuzallergie gegen Soja entstehen.
Was ist Gly m 4?
Gly m 4 ist ein Sojaallergen aus der Gruppe der PR-10-Proteine. Es besitzt Ähnlichkeiten zum Birkenpollenallergen Bet v 1 und spielt deshalb insbesondere bei pollenassoziierten Sojareaktionen eine Rolle.
Was sind Gly m 5 und Gly m 6?
Gly m 5 und Gly m 6 sind Speicherproteine der Sojabohne. Sensibilisierungen gegen diese Proteine werden eher mit einer primären Sojaallergie in Verbindung gebracht und können für die allergologische Risikobeurteilung relevant sein.
Darf man bei Sojaallergie Sojasprossen essen?
Die im Handel häufig als Sojasprossen bezeichneten Sprossen sind meist Mungobohnensprossen und stammen nicht von Soja. Eine Sojaallergie bedeutet deshalb nicht automatisch, dass Mungobohnen nicht vertragen werden. Echte Sojabohnensprossen enthalten dagegen Sojaproteine.
Muss man bei Sojaallergie alle Hülsenfrüchte meiden?
Nein. Eine Sojaallergie bedeutet nicht automatisch eine Allergie gegen Erdnüsse, Erbsen, Linsen, Bohnen oder andere Hülsenfrüchte. Nur tatsächlich relevante Allergene sollten nach entsprechender Diagnose gemieden werden.
Kann Sojalecithin bei Sojaallergie vertragen werden?
Viele Sojaallergiker vertragen Sojalecithin, da es nur geringe Mengen an Sojaproteinen enthält. Die individuelle Verträglichkeit kann jedoch unterschiedlich sein.
Ist raffiniertes Sojaöl bei Sojaallergie verträglich?
Vollständig raffiniertes Sojaöl enthält nur sehr geringe Mengen an Sojaproteinen und wird von den meisten Menschen mit Sojaallergie vertragen. Kaltgepresste und weniger stark raffinierte Öle müssen davon unterschieden werden.
Kann eine Sojaallergie gefährlich sein?
Ja. Schwere Reaktionen sind zwar nicht bei jedem Betroffenen zu erwarten, eine Sojaallergie kann jedoch eine Anaphylaxie verursachen. Das individuelle Risiko sollte allergologisch beurteilt werden.
Fazit zur Sojaallergie
Eine Sojaallergie ist eine allergische Reaktion auf bestimmte Eiweiße der Sojabohne (Glycine max). Die Symptome reichen von Juckreiz und Beschwerden im Mund über Haut- und Magen-Darm-Reaktionen bis hin zu Atemproblemen. In seltenen Fällen kann eine schwere Anaphylaxie auftreten.
Dabei sollte zwischen einer primären Sojaallergie und einer pollenassoziierten Kreuzallergie unterschieden werden.
Besonders wichtig sind die Allergene Gly m 4, Gly m 5 und Gly m 6. Gly m 4 spielt insbesondere bei Birkenpollenallergikern eine Rolle, während Gly m 5 und Gly m 6 zu den Speicherproteinen der Sojabohne gehören und stärker mit einer primären Sojaallergie verbunden sind.
Ein positiver Allergietest allein bedeutet nicht automatisch, dass Soja tatsächlich Beschwerden verursacht. Entscheidend sind Krankengeschichte, Symptome und die allergologische Gesamtbeurteilung.
Bei einer medizinisch bestätigten Sojaallergie sollten relevante Sojaprodukte gemieden und Zutatenlisten sorgfältig gelesen werden. Andere Hülsenfrüchte wie Erdnüsse, Linsen, Erbsen oder Mungobohnen müssen dagegen nicht automatisch aus der Ernährung gestrichen werden.
Gerade bei einer umfangreichen Allergenkarenz, bei Kindern oder nach schweren Reaktionen sind allergologische Betreuung und gegebenenfalls eine qualifizierte Ernährungsberatung sinnvoll.
Eine wichtige Verbesserung gegenüber der bisherigen Version ist der Abschnitt über **Sojaöl**: Die Formulierung „Ob stark raffinierte Sojaöle vertragen werden, lässt sich nicht pauschal beantworten“ war etwas zu vorsichtig. Vollständig raffiniertes Sojaöl ist in der EU ausdrücklich von der verpflichtenden Allergenkennzeichnung für Soja ausgenommen, weil bei der Raffination die allergenen Proteine weitgehend entfernt werden.
Auch die Kennzeichnung ist aktuell bestätigt: Sojabohnen gehören weiterhin zu den **14 in der EU verpflichtend zu kennzeichnenden Allergenen** und müssen bei Verwendung als kennzeichnungspflichtige Zutat hervorgehoben werden.
Habe nach Verzehr eines Schoggihasen eine zünftige Allergie bekommen mit geschwollener Zunge und Rachen.Habe rausgefunden,dass Sojalecitin verwendet wurde!Von nun an werde ich immer genau nachschauen was in den Schokoladen enthalten ist.War nicht lustig Schluckbeschwerden und fast Atemnot zu haben.