Lieschgras – häufige Ursache einer Gräserpollenallergie
Lieschgras (Phleum pratense) gehört zu den Süßgräsern und ist in Deutschland sowie in weiten Teilen Europas verbreitet. Auf den ersten Blick wirkt die Pflanze unscheinbar, für Menschen mit einer Gräserpollenallergie kann sie jedoch von großer Bedeutung sein. Lieschgraspollen enthalten verschiedene Allergene und gehören zu den wichtigen Auslösern von Heuschnupfen während der Gräserblüte.
Wer besonders im späten Frühjahr und Sommer unter Niesen, laufender Nase, juckenden Augen oder Atemwegsbeschwerden leidet, kann unter anderem auf Lieschgras beziehungsweise andere Gräser reagieren.
Was ist Lieschgras?
Lieschgras wird auch als Wiesen-Lieschgras bezeichnet. Der botanische Name lautet Phleum pratense.
Die mehrjährige Pflanze gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae). Sie wächst bevorzugt auf Wiesen und Weiden, findet sich aber auch an Wegrändern und anderen offenen Standorten.
Lieschgras kann ungefähr 50 bis über 100 Zentimeter hoch werden. Auffällig ist der längliche, walzenförmige Blütenstand.
Landwirtschaftlich wird Lieschgras unter anderem als Futtergras und zur Heugewinnung genutzt.
Warum ist Lieschgras für Allergiker wichtig?
Gräser gehören zu den bedeutendsten Auslösern von Pollenallergien. Lieschgras ist dabei allergologisch besonders gut untersucht.
Die Pflanze produziert während ihrer Blüte große Mengen an Pollen. Diese werden durch den Wind verbreitet und können eingeatmet werden.
Bei entsprechend sensibilisierten Menschen erkennt das Immunsystem bestimmte Bestandteile der Pollen als vermeintliche Gefahr. Es kann daraufhin zu einer allergischen Reaktion kommen.
Eine Lieschgrasallergie tritt häufig nicht isoliert auf. Aufgrund ähnlicher Allergene können Betroffene gleichzeitig auf die Pollen verschiedener anderer Süßgräser reagieren.
Wann blüht Lieschgras?
Die Hauptblüte des Lieschgrases liegt gewöhnlich im späten Frühjahr und Sommer. Die genaue Zeit ist jedoch abhängig von Region, Höhenlage und Wetter.
Besonders relevant ist häufig der Zeitraum von Mai bis Juli. Je nach Witterung kann die Belastung früher beginnen oder länger anhalten.
Für Allergiker ist deshalb weniger ein starrer Kalender als die aktuelle Gräserpollenbelastung am jeweiligen Aufenthaltsort entscheidend.
Warme und trockene Tage können die Verbreitung der Pollen begünstigen. Regen kann die Pollenkonzentration in der Luft dagegen vorübergehend reduzieren.
Symptome einer Lieschgrasallergie
Eine Allergie gegen Lieschgraspollen zeigt typischerweise die Beschwerden einer Gräserpollenallergie.
Mögliche Symptome sind:
- häufiges Niesen
- laufende oder verstopfte Nase
- Juckreiz in der Nase
- tränende Augen
- gerötete und juckende Augen
- geschwollene Augenlider
- Kratzen oder Jucken im Hals
- Husten
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Konzentrationsprobleme
- Schlafprobleme aufgrund der Beschwerden
Bei stärker ausgeprägten Allergien können auch die unteren Atemwege betroffen sein.
Lieschgras und allergisches Asthma
Eine Pollenallergie sollte nicht grundsätzlich als harmlose saisonale Erkrankung betrachtet werden. Bei manchen Betroffenen können sich die Beschwerden auf die Bronchien ausweiten.
Mögliche Hinweise darauf sind:
- wiederkehrender Husten
- pfeifende Atemgeräusche
- Engegefühl im Brustkorb
- Kurzatmigkeit
- Atemnot bei körperlicher Belastung
Eine solche Entwicklung wird häufig als Etagenwechsel bezeichnet. Atemwegsbeschwerden während der Pollensaison sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden.
Bei akuter starker Atemnot ist unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich.
Welche Allergene enthält Lieschgras?
Lieschgras ist in der Allergiediagnostik von besonderem Interesse, weil verschiedene relevante Allergene bekannt sind.
Sie werden beispielsweise mit Bezeichnungen wie Phl p 1, Phl p 2, Phl p 5, Phl p 7 oder Phl p 12 angegeben. „Phl p“ leitet sich von Phleum pratense ab.
Besonders Phl p 1 und Phl p 5 gehören zu den wichtigen Allergenen bei einer Sensibilisierung gegenüber Gräserpollen.
Eine moderne Allergiediagnostik kann in bestimmten Fällen nicht nur feststellen, ob eine Reaktion gegen Lieschgras besteht, sondern auch untersuchen, gegen welche einzelnen Allergenkomponenten Antikörper vorhanden sind.
Lieschgras und Kreuzallergien mit anderen Gräsern
Wer auf Lieschgras allergisch reagiert, reagiert häufig auch auf andere Süßgräser. Der Grund dafür ist die teilweise große Ähnlichkeit ihrer Allergene.
Mögliche Kreuzreaktionen bestehen beispielsweise mit:
- Wiesenknäuelgras
- Wiesenrispengras
- Weidelgras
- Ruchgras
- Wiesenschwingel
- anderen verwandten Gräserarten
Für Betroffene ist es daher oftmals schwierig festzustellen, welches einzelne Gras die Beschwerden verursacht.
In der Praxis ist häufig die gesamte Gräserpollensaison entscheidender als eine einzige Grasart.
Gibt es Kreuzallergien mit Lebensmitteln?
Bei einer Gräserpollenallergie können zusätzlich Sensibilisierungen gegenüber bestimmten pflanzlichen Lebensmitteln auftreten. Verantwortlich können unter anderem sogenannte Profiline sein, die in zahlreichen Pflanzen vorkommen.
Mögliche Beschwerden nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel sind beispielsweise:
- Kribbeln im Mund
- Jucken an Lippen oder Gaumen
- leichtes Brennen
- Schwellungen an Lippen oder Mundschleimhaut
Welche Lebensmittel tatsächlich Beschwerden verursachen, unterscheidet sich von Person zu Person. Eine lange Liste von Lebensmitteln vorsorglich zu meiden, ist daher normalerweise nicht sinnvoll.
Wer wiederholt Reaktionen auf Lebensmittel beobachtet, sollte diese allergologisch abklären lassen.
Wie wird eine Lieschgrasallergie festgestellt?
Da sich die Symptome verschiedener Pollenallergien stark ähneln, reicht der Zeitpunkt der Beschwerden allein für eine sichere Diagnose nicht aus.
Zur Abklärung können unter anderem eingesetzt werden:
- ausführliche Anamnese
- Hauttest beziehungsweise Pricktest
- Blutuntersuchung auf spezifische IgE-Antikörper
- Untersuchung einzelner Allergenkomponenten
Die Ergebnisse müssen immer zusammen mit den tatsächlich auftretenden Beschwerden beurteilt werden.
Ein positiver Allergietest zeigt zunächst eine Sensibilisierung. Ob daraus eine klinisch relevante Allergie entsteht, hängt davon ab, ob beim Kontakt entsprechende Symptome auftreten.
Was hilft bei einer Lieschgrasallergie?
Die Behandlung richtet sich nach Art und Stärke der Beschwerden.
Zur symptomatischen Behandlung kommen nach ärztlicher beziehungsweise pharmazeutischer Beratung beispielsweise Antihistaminika, antiallergische Augentropfen und Nasensprays infrage.
Bei stärkeren oder länger anhaltenden Beschwerden sollte eine ärztliche Behandlung erfolgen. Das gilt insbesondere bei Beteiligung der Bronchien.
Hyposensibilisierung bei Lieschgrasallergie
Bei einer ausgeprägten Gräserpollenallergie kann eine spezifische Immuntherapie (SIT) infrage kommen. Sie wird umgangssprachlich häufig als Hyposensibilisierung bezeichnet.
Dabei wird das Immunsystem über einen längeren Zeitraum kontrolliert mit dem entsprechenden Allergen konfrontiert. Ziel ist es, die allergische Reaktion langfristig zu reduzieren.
Je nach Präparat und individueller Situation erfolgt die Behandlung beispielsweise:
- als Injektion unter die Haut oder
- über Tabletten beziehungsweise Tropfen unter der Zunge.
Gerade für Gräserpollen stehen etablierte Möglichkeiten der spezifischen Immuntherapie zur Verfügung. Ob eine solche Behandlung sinnvoll ist, sollte mit einem Allergologen besprochen werden.
Lieschgraspollen im Alltag reduzieren
Ein vollständiger Kontakt mit Gräserpollen lässt sich während der Saison kaum vermeiden. Die persönliche Belastung kann jedoch häufig reduziert werden.
Hilfreich können beispielsweise folgende Maßnahmen sein:
- aktuelle Pollenbelastung beobachten
- Kleidung nach längerem Aufenthalt im Freien wechseln
- getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ablegen
- Haare vor dem Schlafengehen ausspülen oder waschen
- Wäsche bei starkem Pollenflug möglichst nicht draußen trocknen
- Wohnräume abhängig von der aktuellen Pollensituation gezielt lüften
- beim Autofahren Fenster geschlossen halten und einen geeigneten Innenraumfilter verwenden
- nach Gartenarbeit oder Aufenthalt auf Wiesen auf verstärkte Beschwerden achten
Welche Maßnahmen den größten Nutzen bringen, hängt stark vom individuellen Alltag und der Stärke der Allergie ab.
Rasenmähen bei Gräserallergie
Für Menschen mit einer starken Gräserpollenallergie kann das Rasenmähen besonders unangenehm sein. Dabei werden Pflanzenmaterial, Pollen und andere Partikel aufgewirbelt.
Wer nach dem Rasenmähen regelmäßig starke Beschwerden entwickelt, sollte diese Tätigkeit während problematischer Zeiten möglichst vermeiden oder die Belastung durch geeignete Schutzmaßnahmen reduzieren.
Auch ein frisch gemähter Rasen bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche allergieauslösenden Bestandteile verschwunden sind.
Lieschgras oder andere Gräser – kann man den Unterschied erkennen?
An den Beschwerden normalerweise nicht.
Wenn im Mai oder Juni Augen und Nase stark reagieren, kann allein anhand der Symptome kaum festgestellt werden, ob Lieschgras, Weidelgras, Knäuelgras oder eine andere Grasart verantwortlich ist.
Hinzu kommt, dass zahlreiche Gräser gleichzeitig oder zeitlich überlappend blühen und ihre Allergene einander ähneln.
Eine genauere Unterscheidung ist deshalb vor allem mithilfe einer allergologischen Diagnostik möglich.
Häufige Fragen zu Lieschgras und Allergien
Ist Lieschgras stark allergen?
Lieschgras gehört zu den allergologisch bedeutsamen Gräsern. Seine Pollen enthalten mehrere bekannte Allergene und können bei sensibilisierten Menschen deutliche Heuschnupfenbeschwerden verursachen.
Ist eine Lieschgrasallergie dasselbe wie eine Gräserallergie?
Nicht ganz. Lieschgras ist eine bestimmte Grasart. Aufgrund zahlreicher Kreuzreaktionen reagieren Menschen mit einer Lieschgrassensibilisierung jedoch häufig auch auf andere Gräser.
Kann Lieschgras Asthma auslösen?
Bei Menschen mit einer entsprechenden Allergie können Gräserpollen auch Beschwerden der unteren Atemwege verursachen beziehungsweise allergisches Asthma begünstigen. Wiederkehrender Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot während der Pollensaison sollten ärztlich abgeklärt werden.
Muss man bei einer Lieschgrasallergie bestimmte Lebensmittel meiden?
Nicht grundsätzlich. Kreuzreaktionen mit pflanzlichen Lebensmitteln sind möglich, treten aber nicht bei jedem Betroffenen auf. Lebensmittel sollten daher nicht allein aufgrund einer Gräserpollenallergie pauschal vom Speiseplan gestrichen werden.
Fazit: Lieschgras ist für Pollenallergiker besonders relevant
Lieschgras zählt zu den wichtigen Auslösern einer Gräserpollenallergie. Die Hauptbeschwerden treten vor allem während der Gräserblüte im späten Frühjahr und Sommer auf. Typisch sind Niesen, Fließschnupfen sowie juckende und tränende Augen.
Da zwischen Lieschgras und zahlreichen anderen Süßgräsern ausgeprägte allergologische Ähnlichkeiten bestehen, reagieren Betroffene häufig nicht ausschließlich auf eine einzelne Grasart.
Wer jedes Jahr während der Gräserpollensaison deutliche Beschwerden entwickelt, sollte die Ursache allergologisch untersuchen lassen. Neben Medikamenten zur Linderung der Symptome kann bei einer entsprechend ausgeprägten Allergie auch eine spezifische Immuntherapie eine langfristige Behandlungsmöglichkeit darstellen.