Wärme beeinflusst den menschlichen Körper auf vielfältige Weise. Steigen die Temperaturen, versucht der Organismus vor allem durch Schwitzen und eine stärkere Durchblutung der Haut überschüssige Wärme abzugeben. Bei großer Hitze kann diese natürliche Temperaturregulation jedoch an ihre Grenzen kommen.
Für Menschen mit Allergien, Asthma, Neurodermitis oder Nesselsucht kann warmes Wetter zusätzliche Probleme verursachen. Dabei ist Wärme selbst nicht zwangsläufig das Allergen. Vielmehr können hohe Temperaturen, Schweiß, Sonnenlicht oder gleichzeitig auftretende Umweltfaktoren bestehende Beschwerden verstärken.
Doch kann man tatsächlich gegen Wärme allergisch sein? Warum juckt die Haut bei Hitze und welche Rolle spielen Pollen und Hausstaubmilben?
Wie reagiert der Körper auf Wärme?
Die normale Körpertemperatur muss innerhalb eines relativ engen Bereichs gehalten werden. Wird dem Körper zu warm, aktiviert er verschiedene Mechanismen zur Kühlung.
Dazu gehören insbesondere:
- eine stärkere Durchblutung der Haut
- eine Erweiterung oberflächlicher Blutgefäße
- vermehrtes Schwitzen
- die Abgabe von Wärme über die Haut
- Verdunstung von Schweiß zur Kühlung des Körpers
Deshalb kann die Haut bei Wärme gerötet erscheinen und sich warm anfühlen.
Je heißer die Umgebung ist und je stärker man sich körperlich anstrengt, desto schwieriger wird es für den Körper, überschüssige Wärme abzugeben. Eine hohe Luftfeuchtigkeit erschwert zusätzlich die Verdunstung des Schweißes.
Kann man gegen Wärme allergisch sein?
Umgangssprachlich wird manchmal von einer Wärmeallergie oder Hitzeallergie gesprochen. Eine klassische Allergie gegen Wärme gibt es in diesem Sinne jedoch nicht.
Es existieren allerdings Hauterkrankungen, deren Beschwerden durch einen Anstieg der Körpertemperatur oder durch Wärme ausgelöst werden können.
Besonders bekannt ist die cholinergische Urtikaria. Sie gehört zu den induzierbaren Formen der Nesselsucht.
Typische Auslöser können sein:
- Sport
- körperliche Anstrengung
- heiße Duschen oder Bäder
- Saunabesuche
- starke Wärme
- Schwitzen
- Stress oder starke Emotionen
Betroffene entwickeln häufig kleine juckende Quaddeln und Hautrötungen.
Wärmeurtikaria: Quaddeln durch direkten Wärmekontakt
Von der cholinergischen Urtikaria zu unterscheiden ist die seltenere Wärmekontakturtikaria.
Dabei können Quaddeln an Hautstellen entstehen, die unmittelbar mit einer Wärmequelle in Kontakt gekommen sind.
Auslöser können beispielsweise warme Gegenstände oder warmes Wasser sein.
Bei wiederkehrenden Quaddeln nach Wärmeeinwirkung sollte die Ursache dermatologisch beziehungsweise allergologisch untersucht werden. Die genaue Art der Urtikaria ist für die weitere Behandlung von Bedeutung.
Warum juckt die Haut bei Wärme?
Juckreiz bei hohen Temperaturen kann verschiedene Ursachen haben.
Starkes Schwitzen kann bereits empfindliche oder entzündete Haut zusätzlich reizen. Gleichzeitig können Wärme und Feuchtigkeit Hautfalten belasten und die Reibung zwischen Haut und Kleidung verstärken.
Mögliche Ursachen für Juckreiz bei Wärme sind unter anderem:
- starkes Schwitzen
- trockene oder empfindliche Haut
- Neurodermitis
- cholinergische Urtikaria
- Wärmekontakturtikaria
- Hitzepickel
- Reibung durch verschwitzte Kleidung
- Reaktionen auf Sonnencremes oder andere Kosmetikprodukte
Tritt der Juckreiz regelmäßig zusammen mit Quaddeln, Schwellungen oder ausgeprägten Hautveränderungen auf, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Hitzepickel bei warmem Wetter
Bei hohen Temperaturen können sogenannte Hitzepickel auftreten. Medizinisch werden entsprechende Veränderungen als Miliaria bezeichnet.
Sie entstehen im Zusammenhang mit Schweiß und einer Behinderung des normalen Schweißabflusses.
Häufig betroffen sind Körperbereiche, in denen sich Wärme und Feuchtigkeit stauen:
- Brust und Rücken
- Hals
- Achseln
- Hautfalten
- Bereiche unter enger Kleidung
Die Haut kann kleine rote Erhebungen oder Bläschen entwickeln und jucken beziehungsweise brennen.
Kühlung und luftige Kleidung können helfen. Bei starken Entzündungen oder länger bestehenden Beschwerden sollte ein Arzt die Hautveränderungen untersuchen.
Wärme und Neurodermitis
Menschen mit Neurodermitis können unterschiedlich auf Wärme reagieren. Besonders das damit verbundene Schwitzen wird von vielen Betroffenen als unangenehm empfunden.
Auf bereits gereizter oder entzündeter Haut kann Schweiß brennen und den Juckreiz verstärken.
Problematisch ist häufig die Kombination aus:
Wärme + Schweiß + Reibung + empfindlicher Haut.
Leichte, atmungsaktive Kleidung kann bei warmem Wetter angenehmer sein. Nach starkem Schwitzen kann es helfen, den Schweiß vorsichtig abzuspülen und anschließend die individuell geeignete Hautpflege anzuwenden.
Wärme und Heuschnupfen
Warmes Wetter kann indirekt einen erheblichen Einfluss auf Heuschnupfen und Pollenallergien haben.
Pflanzen reagieren auf Temperatur, Niederschlag und andere Umweltbedingungen. Warme Perioden können deshalb den Zeitpunkt und Verlauf der Pollensaison beeinflussen.
Für Allergiker ist allerdings nicht allein die Temperatur entscheidend. Auch Pflanzenart, Wind, Niederschlag und regionale Bedingungen beeinflussen die Pollenbelastung.
An warmen Tagen verbringen viele Menschen außerdem mehr Zeit im Freien und kommen dadurch möglicherweise länger mit Pollen in Kontakt.
Typische Beschwerden einer Pollenallergie sind:
- Niesen
- laufende oder verstopfte Nase
- juckende Nase
- gerötete und tränende Augen
- Juckreiz an Augen und Nase
- bei Beteiligung der Atemwege Husten oder asthmatische Beschwerden
Ein aktueller Pollenflugkalender beziehungsweise regionale Pollenvorhersagen können bei der Tagesplanung helfen.
Gewitter, Wärme und Asthma
Bei bestimmten Wetterlagen können Wärme, hohe Pollenkonzentrationen und Gewitter zusammentreffen.
International ist das Phänomen des sogenannten Gewitterasthmas bekannt. Unter bestimmten Bedingungen können Gewitter die Konzentration sehr kleiner allergenhaltiger Partikel in der Atemluft erhöhen.
Für Menschen mit Pollenallergie und insbesondere allergischem Asthma kann dies problematisch sein.
Wer unter Asthma leidet, sollte seine ärztlich verordnete Behandlung konsequent anwenden und bei entsprechenden Wetterlagen individuelle Empfehlungen berücksichtigen.
Wärme und Hausstaubmilben
Auch für Menschen mit einer Hausstaubmilbenallergie können Temperatur und Luftfeuchtigkeit eine Rolle spielen.
Hausstaubmilben bevorzugen ein warmes und ausreichend feuchtes Umfeld. Entscheidend ist daher nicht allein eine hohe Raumtemperatur, sondern insbesondere das Zusammenspiel mit der Luftfeuchtigkeit.
Schlafräume sollten regelmäßig gelüftet und ein dauerhaft feucht-warmes Raumklima möglichst vermieden werden.
Bei nachgewiesener Hausstaubmilbenallergie können darüber hinaus spezielle milbendichte Matratzen- und Bettbezüge sinnvoll sein.
Wärme und Lebensmittelallergien
Hohe Temperaturen sind auch bei der Aufbewahrung von Lebensmitteln wichtig.
Werden kühlpflichtige Lebensmittel zu lange warm gelagert, können sich Mikroorganismen vermehren. Daraus resultierende Magen-Darm-Beschwerden sind allerdings keine Lebensmittelallergie.
Für Allergiker bleibt unabhängig von der Temperatur entscheidend, bekannte Allergene zu vermeiden und Zutatenangaben zu beachten.
Bei Ausflügen, Reisen oder Grillfesten sollte außerdem darauf geachtet werden, dass Medikamente für den Notfall entsprechend den Herstellerangaben aufbewahrt und nicht unnötig extremer Hitze ausgesetzt werden.
Wärme und Medikamente
Einige Arzneimittel müssen innerhalb bestimmter Temperaturbereiche gelagert werden. Ein aufgeheiztes Auto kann im Sommer sehr hohe Temperaturen erreichen und ist deshalb häufig kein geeigneter Aufbewahrungsort.
Das betrifft auch Medikamente, die Allergiker regelmäßig oder für Notfälle mitführen.
Die jeweiligen Lagerungshinweise in der Packungsbeilage beziehungsweise auf der Verpackung sollten beachtet werden.
Bei Unsicherheit können Apotheke oder Arzt Auskunft zur richtigen Aufbewahrung geben.
Was hilft bei Wärme?
Bei hohen Temperaturen sollte der Körper möglichst vor Überhitzung geschützt werden.
Hilfreich können sein:
- ausreichend trinken, sofern medizinisch nichts dagegenspricht
- direkte starke Mittagshitze möglichst vermeiden
- leichte und luftige Kleidung tragen
- körperlich anstrengende Tätigkeiten möglichst in kühlere Tageszeiten verlegen
- Wohnräume nachts und morgens lüften, wenn es draußen kühler ist
- Räume tagsüber vor starker Sonneneinstrahlung schützen
- nach starkem Schwitzen nasse Kleidung wechseln
- bei empfindlicher Haut Schweiß vorsichtig entfernen
Besondere Vorsicht ist bei Säuglingen und kleinen Kindern, älteren Menschen sowie Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen erforderlich.
Hitzeerschöpfung und Hitzschlag erkennen
Starke Hitze kann nicht nur Hautbeschwerden verursachen, sondern den gesamten Körper belasten.
Zu möglichen Warnzeichen einer hitzebedingten Erkrankung gehören beispielsweise:
- starke Schwäche
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Kreislaufprobleme
- Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen
Besonders gefährlich ist ein Hitzschlag. Dabei kann die Regulation der Körpertemperatur versagen und die Körpertemperatur gefährlich ansteigen.
Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder andere schwere Symptome bei großer Hitze sind ein medizinischer Notfall und erfordern sofortige Hilfe.
Wärme oder Allergie: Wie erkennt man den Unterschied?
Hautrötungen oder Juckreiz bei warmem Wetter bedeuten nicht automatisch, dass eine Allergie besteht.
Für die Ursachenfindung kann es hilfreich sein, darauf zu achten, wann die Beschwerden auftreten:
- Entstehen Quaddeln beim Sport oder wenn die Körpertemperatur steigt?
- Treten Hautreaktionen nur nach direktem Kontakt mit Wärme auf?
- Beginnen die Beschwerden nach dem Auftragen einer Sonnencreme?
- Werden bestehende Ekzeme durch Schweiß stärker?
- Treten gleichzeitig typische Heuschnupfensymptome auf?
Bei wiederkehrenden Beschwerden kann ein Symptomtagebuch hilfreich sein. Bei Verdacht auf eine Allergie oder Urtikaria können anschließend gezielte Untersuchungen durchgeführt werden.
Weitere Informationen zu den Untersuchungsmöglichkeiten finden Sie unter Allergietests.
Häufige Fragen zu Wärme und Allergien
Kann man allergisch gegen Wärme sein?
Eine klassische Allergie gegen die Temperatur „Wärme“ ist nicht die übliche Erklärung. Es gibt jedoch Formen der Nesselsucht, bei denen eine Erwärmung des Körpers oder direkter Wärmekontakt Hautreaktionen auslösen kann.
Warum bekomme ich bei Wärme Quaddeln?
Eine mögliche Ursache ist die cholinergische Urtikaria. Typischerweise treten kleine juckende Quaddeln auf, wenn die Körpertemperatur beispielsweise durch Sport, Wärme oder Stress ansteigt. Auch andere Ursachen sind möglich.
Warum juckt meine Haut im Sommer?
Schweiß, Wärme, trockene oder bereits gereizte Haut, Hitzepickel und verschiedene Hauterkrankungen kommen als Ursachen infrage. Auch Allergene oder Bestandteile von Kosmetikprodukten können eine Rolle spielen.
Kann Wärme Neurodermitis verschlimmern?
Ja. Insbesondere starkes Schwitzen kann bei manchen Menschen mit Neurodermitis Brennen und Juckreiz verstärken. Wie stark Wärme vertragen wird, ist individuell unterschiedlich.
Kann Wärme Heuschnupfen verschlimmern?
Wärme löst eine Pollenallergie nicht direkt aus. Wetter und Temperaturen beeinflussen jedoch Pflanzenentwicklung und Pollenflug. Dadurch können warme Wetterperioden indirekt die Allergenbelastung beeinflussen.
Hilft eine kalte Dusche bei Hitze?
Eine erfrischende Dusche kann als angenehm empfunden werden. Extrem kaltes Wasser ist jedoch nicht notwendig. Bei empfindlicher Haut sollte außerdem darauf geachtet werden, sie nicht durch sehr häufiges oder langes Duschen zusätzlich auszutrocknen.
Wann werden Beschwerden durch Wärme gefährlich?
Bei Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, schweren Kreislaufproblemen oder anderen ausgeprägten Beschwerden unter starker Hitze ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich. Das gilt ebenfalls bei Atemnot oder anderen Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei schweren oder plötzlich auftretenden Beschwerden sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.