Sesam steckt nicht nur auf Brötchen. Die kleinen Samen werden auch zu Sesampaste, Öl, Gewürzmischungen und Süßwaren verarbeitet. Für Menschen mit einer Sesamallergie können bereits kleine Mengen Beschwerden auslösen. Die Reaktionen reichen von Juckreiz und Hautausschlag bis zu einer schweren allergischen Reaktion, der Anaphylaxie.

Wichtig sind deshalb eine gesicherte Diagnose, das Erkennen versteckter Sesamquellen und ein individuell abgestimmter Notfallplan. Sesam gehört in der Europäischen Union zu den kennzeichnungspflichtigen Allergenen.
Bei Atemnot, deutlicher Schwellung im Mund- oder Rachenbereich, plötzlicher Heiserkeit oder Kreislaufproblemen nach dem Essen besteht ein Notfall. Einen verordneten Adrenalin-Autoinjektor entsprechend dem Notfallplan sofort anwenden und den Rettungsdienst unter 112 rufen.
Was ist eine Sesamallergie?
Bei einer Sesamallergie reagiert das Immunsystem auf bestimmte Eiweiße des Sesams. Häufig handelt es sich um eine IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergie. Dabei können nach dem Kontakt mit dem Lebensmittel allergische Beschwerden entstehen.
Die Allergie richtet sich gegen Eiweiße und nicht einfach gegen den Fettgehalt der Samen. Deshalb sind auch Produkte wie Sesampaste und bestimmte Sesamöle relevant.
Eine Sesamallergie kann Kinder und Erwachsene betreffen. Welche Menge eine Reaktion auslöst und wie schwer diese ausfällt, ist individuell unterschiedlich. Eine frühere leichte Reaktion garantiert nicht, dass spätere Reaktionen ebenfalls leicht bleiben.
Welche Symptome kann Sesam auslösen?
Bei einer Soforttypallergie beginnen Beschwerden häufig kurz nach dem Verzehr. Es können einzelne oder mehrere Organsysteme betroffen sein.
- Mund und Rachen: Kribbeln, Juckreiz oder Schwellungen an Lippen, Zunge und Schleimhäuten.
- Haut: Rötung, Juckreiz, Quaddeln oder Schwellungen.
- Magen und Darm: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.
- Atemwege: Husten, Heiserkeit, pfeifende Atmung oder Atemnot.
- Kreislauf: Schwindel, ausgeprägte Schwäche, Blutdruckabfall oder Bewusstlosigkeit.
Eine schwere Reaktion kann sich rasch entwickeln. Sie muss nicht mit einem auffälligen Hautausschlag beginnen. Auch gleichzeitig oder nacheinander auftretende Beschwerden an mehreren Organsystemen können ein Warnzeichen sein.
Beschwerden nach einer Mahlzeit beweisen allerdings noch keine Sesamallergie. Gerade bei Brot, Hummus, Fertiggerichten oder Süßwaren kommen oft mehrere mögliche Auslöser zusammen.
In welchen Lebensmitteln steckt Sesam?
Sesam kann sichtbar als Samen enthalten sein oder verarbeitet in einer Zutat stecken. Die folgenden Lebensmittel können Sesam enthalten, müssen es aber nicht in jeder Rezeptur:
- Backwaren: Sesambrötchen, Fladenbrot, Burgerbrötchen, Bagels, Knäckebrot und Gebäck.
- Dips und Aufstriche: Hummus, Sesamdips und manche pflanzlichen Brotaufstriche.
- Pastengerichte und Saucen: Dressings, Marinaden, Wokgerichte und verschiedene Würzsaucen.
- Süßwaren: Halva, Sesamriegel und bestimmte Knabberprodukte.
- Frühstücksprodukte: Müsli, Müsliriegel und Saatenmischungen.
- Gewürze: Gomasio und manche Gewürzmischungen.
- Vegetarische und vegane Produkte: beispielsweise bestimmte Bratlinge, Falafelzubereitungen und dazu gereichte Saucen.
Besonders wichtig ist Tahin beziehungsweise Tahini. Dabei handelt es sich um eine Sesampaste, die beispielsweise in vielen Hummusrezepten enthalten ist. Hummus ist daher nicht automatisch nur eine Mischung aus Kichererbsen, Öl und Gewürzen.
Die Bezeichnungen „vegan“, „vegetarisch“, „bio“ oder „glutenfrei“ sagen nichts darüber aus, ob ein Produkt für Menschen mit Sesamallergie geeignet ist.
Unter welchen Namen kann Sesam auftauchen?
Auf Verpackungen, Speisekarten oder importierten Produkten können unterschiedliche Bezeichnungen vorkommen:
- Sesam und Sesamsamen
- Sesamöl, Sesammehl und Sesampaste
- Tahin, Tahini oder Tahina
- Gomasio beziehungsweise Sesamsalz
- Sesame oder Sesame Oil
- Sesamum indicum, insbesondere bei Kosmetik
Auch weiße, schwarze, geschälte und ungeschälte Sesamsamen sind bei einer bestätigten Sesamallergie zu berücksichtigen. Die Farbe allein erlaubt keine Aussage über die Verträglichkeit.
Ist Sesamöl bei Sesamallergie verträglich?
Sesamöl sollte nicht pauschal als unbedenklich angesehen werden. Besonders kalt gepresstes und unraffiniertes Sesamöl kann allergieauslösende Eiweiße enthalten. Es wird häufig gezielt wegen seines Geschmacks verwendet.
Eine stärkere Raffination kann den Eiweißgehalt von Ölen verringern. Daraus lässt sich jedoch keine allgemeine Freigabe für jedes als Sesamöl angebotene Produkt ableiten.
Bei bestätigter Sesamallergie sollte die behandelnde allergologische Praxis klären, welche Produkte gemieden werden müssen. Die Verträglichkeit eines Öls darf nicht eigenständig durch Probieren getestet werden.
Macht Rösten oder Backen Sesam ungefährlich?
Nein. Erhitzen macht Sesam nicht zuverlässig allergenfrei. Auch geröstete Samen, gebackene Sesambrötchen oder erhitzte Speisen mit Sesampaste können allergische Reaktionen auslösen.
Ebenso ist das Entfernen sichtbarer Samen keine verlässliche Schutzmaßnahme. Sesam kann im Teig, in einer Sauce oder als unbeabsichtigter Eintrag vorhanden sein.
Dass einzelne Sesamprodukte früher ohne erkennbare Beschwerden gegessen wurden, bedeutet nicht automatisch, dass andere Zubereitungen ebenfalls vertragen werden.
Wie muss Sesam auf Lebensmitteln gekennzeichnet werden?
In der Europäischen Union gehören Sesamsamen und daraus gewonnene Erzeugnisse zu den Allergenen, die bei Verwendung als Zutat angegeben werden müssen.
Bei vorverpackten Lebensmitteln muss der Allergenbezug in der Zutatenliste erkennbar und hervorgehoben sein, beispielsweise durch Fettdruck. Auch bei zusammengesetzten Zutaten wie einer Sesampaste muss die Information über Sesam erhalten bleiben.
Für nicht vorverpackte Lebensmittel, etwa beim Bäcker, an der Verkaufstheke oder im Restaurant, sind ebenfalls Allergeninformationen vorgeschrieben. Fragen Sie gezielt nach Sesam, Sesampaste und Sesamöl.
Lesen Sie die Angaben bei jedem Einkauf erneut. Rezepturen und Produktionsbedingungen können sich ändern, auch wenn Marke und Verpackung vertraut aussehen.
Was bedeutet „Kann Spuren von Sesam enthalten“?
Ein Spurenhinweis bezieht sich auf mögliche unbeabsichtigte Einträge, beispielsweise durch gemeinsam genutzte Produktionsanlagen. Er ist von Sesam als regulärer Zutat zu unterscheiden.
Solche vorsorglichen Hinweise sind grundsätzlich freiwillig. Das Fehlen eines Spurenhinweises garantiert deshalb nicht, dass keinerlei unbeabsichtigter Sesamkontakt stattgefunden hat.
Wie mit entsprechend gekennzeichneten Produkten umzugehen ist, sollte Teil der individuellen allergologischen und ernährungstherapeutischen Beratung sein. Der Wortlaut allein verrät nicht, welche Menge möglicherweise enthalten ist.
Worauf sollte man beim Bäcker und im Restaurant achten?
Bei lose angebotenen Lebensmitteln können Sesamsamen oder sesamhaltige Bestandteile über Arbeitsflächen, Bleche, Zangen und andere Hilfsmittel auf weitere Speisen gelangen.
Hilfreiche Fragen sind:
- Enthält das Gericht Sesam, Tahin oder Sesamöl?
- Wurde eine fertige Sauce, Gewürzmischung oder Marinade verwendet?
- Kann die Küche die Zutaten der verwendeten Produkte überprüfen?
- Werden dieselben Geräte oder Arbeitsflächen für sesamhaltige Speisen genutzt?
Eine Aussage wie „Oben sind keine Körner drauf“ reicht nicht aus. Bei unklaren Zutaten oder nicht zuverlässig zu klärender Zubereitung sollte das betreffende Lebensmittel nicht gegessen werden.
Auch zu Hause helfen saubere Arbeitsflächen, gereinigte Küchenutensilien und getrennte Aufbewahrung dabei, unbeabsichtigte Kontakte zu vermeiden.
Wie wird eine Sesamallergie festgestellt?
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über die Beschwerden: Was wurde gegessen, wann begannen die Symptome und wie verlief die Reaktion? Zutatenlisten, Fotos der Verpackung und ein Ernährungs- und Symptomprotokoll können hilfreich sein.
Je nach Situation folgen ein Hauttest und die Bestimmung spezifischer IgE-Antikörper im Blut.
Ein positiver Allergietest allein beweist noch keine klinisch relevante Lebensmittelallergie. Er kann zunächst eine Sensibilisierung anzeigen. Das Ergebnis muss zusammen mit der Vorgeschichte beurteilt werden.
Wenn die Diagnose unklar bleibt oder eine mögliche Verträglichkeit überprüft werden soll, kann eine ärztlich überwachte orale Provokation erforderlich sein. Sie gehört in eine dafür geeignete medizinische Einrichtung mit Notfallbereitschaft.
IgG- beziehungsweise IgG4-Lebensmitteltests, Haaranalysen oder Bioresonanz sind keine geeigneten Verfahren, um eine Sesamallergie zuverlässig festzustellen.
Was hilft bei bestätigter Sesamallergie?
Die Grundlage ist, den individuell relevanten Auslöser zu meiden und für versehentliche Kontakte vorbereitet zu sein. Dazu gehören:
- Beratung zur Auswahl geeigneter Lebensmittel
- ein schriftlicher, individuell abgestimmter Notfallplan
- gegebenenfalls verordnete Notfallmedikamente
- Schulung im Umgang mit einem Adrenalin-Autoinjektor
- Information von Angehörigen und Betreuungspersonen
Eine qualifizierte Ernährungstherapie kann helfen, unnötige Einschränkungen zu vermeiden. Das ist besonders bei Kindern oder mehreren gleichzeitig bestehenden Lebensmittelallergien wichtig.
Ob sich eine Allergie verändert hat, sollte ärztlich überprüft werden. Ein eigenständiges Wiedereinführen von Sesam ist dafür nicht geeignet.
Müssen auch andere Samen und Nüsse gemieden werden?
Eine Sesamallergie bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche anderen Samen, Erdnüsse oder Schalenfrüchte ebenfalls unverträglich sind. Weitere Allergien können vorkommen, müssen aber individuell abgeklärt werden.
Eine pauschale Streichung aller verwandten oder ähnlich verwendeten Lebensmittel kann die Ernährung unnötig einschränken. Umgekehrt sollten neue Ersatzprodukte nicht allein deshalb als sicher gelten, weil sie keinen Sesam enthalten.
Was ist bei einer schweren allergischen Reaktion zu tun?
Bei Atemnot, deutlichen Rachenschwellungen, plötzlicher Heiserkeit, Kreislaufproblemen oder einer rasch zunehmenden Reaktion muss sofort gehandelt werden:
- Einen verordneten Adrenalin-Autoinjektor entsprechend der Einweisung und dem persönlichen Notfallplan unverzüglich anwenden.
- 112 anrufen und den Verdacht auf eine schwere allergische Reaktion beziehungsweise Anaphylaxie mitteilen. Ist eine weitere Person anwesend, kann sie den Notruf gleichzeitig übernehmen.
- Die betroffene Person nicht allein lassen und nicht aufstehen oder herumlaufen lassen. Bei Kreislaufproblemen flach lagern; bei Atemnot kann ein erhöhter Oberkörper das Atmen erleichtern.
- Weitere verordnete Medikamente nach dem Notfallplan einsetzen und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
Bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung ist die stabile Seitenlage erforderlich. Fehlt eine normale Atmung, muss mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden; die Leitstelle kann dabei anleiten.
Antihistaminika ersetzen bei einer Anaphylaxie kein Adrenalin. Auch wenn sich die Beschwerden nach der Notfallmedikation bessern, ist eine medizinische Beurteilung erforderlich.
Kann Sesam auch in Kosmetik oder Arzneimitteln vorkommen?
Sesamöl kann Bestandteil von Pflegeprodukten, Kosmetik und bestimmten Arzneimitteln sein. In kosmetischen Zutatenlisten kann beispielsweise die Bezeichnung Sesamum Indicum Seed Oil erscheinen.
Die Verträglichkeit hängt unter anderem vom Produkt, der Verarbeitung und der Art der Anwendung ab. Eine Lebensmittelallergie und eine Kontaktallergie sind dabei nicht dasselbe.
Informieren Sie Arztpraxis und Apotheke über eine bekannte Sesamallergie. Verordnete Arzneimittel sollten nicht eigenständig abgesetzt, sondern auf ihre Bestandteile und mögliche Alternativen überprüft werden.