Beifuß gehört zu den wichtigsten Auslösern von Pollenallergien im Spätsommer. Die Pflanze wächst in Deutschland häufig an Wegrändern, auf Brachflächen, an Böschungen und anderen nährstoffreichen Standorten.
Für Allergiker ist Beifuß vor allem deshalb relevant, weil seine Pollen Heuschnupfen, gereizte Augen und Atemwegsbeschwerden verursachen können. Zusätzlich treten bei einer Beifußallergie vergleichsweise häufig Kreuzreaktionen mit bestimmten Lebensmitteln und Gewürzen auf.
Besonders eng verwandt ist Beifuß allergologisch mit Ambrosia. Beide Pflanzen gehören zu den Korbblütlern und ihre Pollensaison überschneidet sich teilweise.
Was ist Beifuß?
Der Gewöhnliche Beifuß trägt den botanischen Namen Artemisia vulgaris und gehört zur Familie der Korbblütler.
Die mehrjährige Pflanze kann je nach Standort deutlich über einen Meter hoch werden und ist in Deutschland weit verbreitet.
Typische Standorte sind:
- Straßen- und Wegränder
- Brachflächen
- Böschungen
- Bahngelände
- Schuttplätze
- Feldränder
- ungepflegte Gartenbereiche
Beifuß wird teilweise auch als Gewürz- und Heilpflanze verwendet. Für Pollenallergiker ist allerdings vor allem die Blütezeit von Bedeutung.
Wann blüht Beifuß?
Beifuß zählt zu den typischen Spätsommer-Pollen.
Der Pollenflug kann ungefähr ab Juni beziehungsweise Juli beginnen. Die stärkste Belastung liegt häufig zwischen Juli und August. Je nach Region und Witterung können Beifußpollen auch noch im September auftreten.
Damit folgt die Hauptblüte häufig auf die besonders intensive Gräserpollensaison.
Der genaue Zeitraum kann sich jedes Jahr verschieben. Temperaturen, Niederschläge und regionale Vegetationsbedingungen beeinflussen Beginn und Stärke des Pollenflugs.
Symptome einer Beifußallergie
Eine Allergie gegen Beifußpollen äußert sich typischerweise wie andere Formen des Heuschnupfens.
Mögliche Beschwerden sind:
- häufiges Niesen
- laufende Nase
- verstopfte Nase
- Juckreiz in Nase und Rachen
- gerötete Augen
- juckende und tränende Augen
- Husten
- Müdigkeit
- Konzentrationsprobleme
Die Beschwerden treten häufig saisonal auf und verstärken sich während einer hohen Beifußpollenbelastung.
Beifußallergie und Asthma
Bei manchen Allergikern beschränken sich die Beschwerden nicht auf Nase und Augen.
Beifußpollen können bei sensibilisierten Personen auch die unteren Atemwege reizen und zu Beschwerden führen wie:
- anhaltendem Husten
- pfeifender Atmung
- Engegefühl im Brustkorb
- Kurzatmigkeit
- Atemnot
Solche Symptome können auf ein allergisches Asthma hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden.
Insbesondere wiederkehrende Atemnot während der Pollensaison sollte nicht lediglich als stärkerer Heuschnupfen betrachtet werden.
Welche Allergene enthält Beifuß?
Beifuß enthält verschiedene allergieauslösende Proteine.
Ein besonders wichtiges Hauptallergen des Gewöhnlichen Beifußes wird als Art v 1 bezeichnet.
Weitere bekannte Allergenkomponenten sind beispielsweise:
- Art v 1
- Art v 3
- Art v 4
- Art v 6
Die Abkürzung „Art v“ leitet sich vom botanischen Namen Artemisia vulgaris ab.
Die Bestimmung einzelner Allergenkomponenten kann bei bestimmten Patienten helfen, eine Sensibilisierung genauer einzuordnen.
Beifuß und Kreuzallergien
Bei einer Beifußallergie sind Kreuzreaktionen mit verschiedenen pflanzlichen Lebensmitteln möglich.
Ursache sind ähnliche Eiweißstrukturen in Beifußpollen und bestimmten Lebensmitteln.
Besonders bekannt ist das sogenannte Sellerie-Beifuß-Gewürz-Syndrom.
Mögliche Kreuzreaktionen können unter anderem auftreten mit:
- Sellerie
- Karotte
- Petersilie
- Koriander
- Anis
- Fenchel
- Kümmel
- Paprika
- Kamille
- Sonnenblumenkernen
Nicht jeder Beifußallergiker reagiert jedoch auf diese Lebensmittel.
Eine pauschale Meidung aller möglichen Kreuzallergene ist deshalb normalerweise nicht sinnvoll.
Was ist das Sellerie-Beifuß-Gewürz-Syndrom?
Das Sellerie-Beifuß-Gewürz-Syndrom bezeichnet Kreuzreaktionen zwischen Beifußpollen und bestimmten Lebensmitteln beziehungsweise Gewürzen.
Besonders bekannt ist die Verbindung mit Sellerie.
Betroffene können nach dem Verzehr beispielsweise folgende Symptome bemerken:
- Jucken im Mund
- Kribbeln an Lippen oder Zunge
- Brennen im Mundraum
- Schwellungen der Lippen
- Schwellungen der Mundschleimhaut
In Einzelfällen können auch stärkere allergische Reaktionen auftreten.
Wer nach Sellerie oder Gewürzen wiederholt Beschwerden entwickelt, sollte dies bei einer bestehenden Beifußallergie allergologisch abklären lassen.
Beifuß und Sellerie – eine wichtige Kreuzallergie
Sellerie gehört zu den besonders wichtigen Lebensmitteln im Zusammenhang mit einer Beifußallergie.
Das ist auch deshalb relevant, weil Sellerie in zahlreichen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten sein kann.
Dazu gehören beispielsweise:
- Suppen
- Brühen
- Gewürzmischungen
- Soßen
- Fertiggerichte
- Salate
Sellerie gehört innerhalb der Europäischen Union zu den kennzeichnungspflichtigen Allergenen und muss bei verpackten Lebensmitteln entsprechend hervorgehoben werden.
Beifuß und Gewürzallergie
Menschen mit Beifußallergie können außerdem auf verschiedene Gewürze reagieren.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Koriander
- Fenchel
- Anis
- Kümmel
- Petersilie
Gerade bei Gewürzmischungen kann es schwierig sein, den konkreten Auslöser zu bestimmen.
Wer immer wieder nach bestimmten Gerichten Juckreiz, Schwellungen oder andere Beschwerden bekommt, sollte deshalb auf die enthaltenen Gewürze achten.
Beifuß und Ambrosia – besteht eine Kreuzallergie?
Ja. Beifuß und Ambrosia gehören beide zur Familie der Korbblütler und besitzen teilweise ähnliche Allergene.
Deshalb können Menschen, die gegen Beifuß sensibilisiert sind, auch auf Ambrosiapollen reagieren und umgekehrt.
Für Allergiker kann die Unterscheidung schwierig sein, da sich die Pollenflugzeiten teilweise überschneiden.
Während Beifuß vor allem im Hoch- und Spätsommer relevant ist, erreicht Ambrosia ihre stärkere Belastung häufig etwas später im Spätsommer und frühen Herbst.
Eine allergologische Untersuchung kann helfen, die jeweiligen Sensibilisierungen genauer einzuordnen.
Beifuß oder Ambrosia – wie unterscheiden sich die Pflanzen?
Die beiden Pflanzen können auf den ersten Blick verwechselt werden.
Ein hilfreiches Merkmal sind die Blätter.
Beim gewöhnlichen Beifuß ist die Unterseite der Blätter häufig deutlich weißlich bis silbrig-filzig.
Bei der Beifußblättrigen Ambrosia sind dagegen auch die Blattunterseiten überwiegend grün.
Auch der Stängel unterscheidet sich häufig:
- Beifuß: oft rötlich bis bräunlich und relativ glatt
- Ambrosia: häufig grünlich und deutlich behaart
Bei Unsicherheit sollte insbesondere eine möglicherweise blühende Ambrosiapflanze nicht unnötig angefasst werden.
Kann man gegen Beifuß als Gewürz allergisch sein?
Beifuß wird traditionell als Gewürz verwendet, beispielsweise bei fettreichen Fleischgerichten.
Eine Pollenallergie gegen Beifuß bedeutet nicht automatisch, dass Beifuß als Gewürz Beschwerden verursacht.
Bei entsprechend sensibilisierten Personen sind Reaktionen jedoch grundsätzlich möglich.
Wer bereits deutliche Reaktionen auf Beifuß oder verwandte Pflanzen erlebt hat, sollte den Verzehr mit seinem Arzt beziehungsweise Allergologen besprechen.
Wie wird eine Beifußallergie festgestellt?
Eine Beifußallergie kann allergologisch untersucht werden.
Zur Diagnose kommen abhängig vom Einzelfall unter anderem infrage:
- ausführliche Anamnese
- Pricktest
- Blutuntersuchung auf spezifisches IgE
- komponentenbasierte Allergiediagnostik
Entscheidend ist dabei nicht nur das Testergebnis.
Ein positiver Allergietest weist zunächst auf eine Sensibilisierung hin. Für die Diagnose einer klinisch relevanten Allergie müssen auch die tatsächlich auftretenden Beschwerden berücksichtigt werden.
Was hilft gegen Beifußallergie?
Die Behandlung richtet sich nach Stärke und Art der Beschwerden.
Zur Linderung können je nach Situation unter anderem eingesetzt werden:
- Antihistaminika
- antiallergische Augentropfen
- Nasensprays
- bei Asthma entsprechende inhalative Medikamente
Bei stärkeren oder regelmäßig wiederkehrenden Beschwerden sollte die Behandlung mit einem Arzt abgestimmt werden.
Hyposensibilisierung bei Beifußallergie
Bei einer ausgeprägten Pollenallergie kann unter bestimmten Voraussetzungen eine spezifische Immuntherapie in Betracht kommen.
Diese Behandlung wird häufig als Hyposensibilisierung bezeichnet.
Dabei wird das Immunsystem über einen längeren Zeitraum kontrolliert mit dem betreffenden Allergen konfrontiert. Ziel ist es, die allergische Reaktion langfristig abzuschwächen.
Ob eine spezifische Immuntherapie bei einer Beifußallergie sinnvoll ist, muss individuell allergologisch beurteilt werden.
Tipps für Beifußallergiker
Während der Pollensaison lässt sich der Kontakt mit Beifußpollen nicht vollständig vermeiden.
Die Belastung kann jedoch reduziert werden.
Hilfreich können unter anderem sein:
- aktuelle Pollenflugvorhersagen beachten
- bei hoher Belastung längere Aufenthalte auf Brachflächen vermeiden
- getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ablegen
- Haare vor dem Schlafengehen waschen oder ausspülen
- Wäsche bei starkem Pollenflug nicht draußen trocknen
- Fenster abhängig von der örtlichen Pollenbelastung gezielt öffnen
- im Auto einen geeigneten Innenraumfilter verwenden
- Wohnräume regelmäßig reinigen
Welche Maßnahmen den größten Nutzen bringen, unterscheidet sich individuell.
Beifuß im Garten entfernen?
Wer stark gegen Beifuß allergisch ist, sollte größere blühende Pflanzen möglichst nicht selbst entfernen.
Soll die Pflanze beseitigt werden, ist dies am besten vor der Blüte sinnvoll.
Dabei können Handschuhe verhindern, dass die Haut unnötig mit Pflanzenbestandteilen in Kontakt kommt.
Pollenallergiker sollten Arbeiten an blühenden Pflanzen nach Möglichkeit anderen Personen überlassen.
Häufige Fragen zu Beifuß und Allergien
Ist Beifuß ein starker Allergieauslöser?
Ja. Beifuß gehört in Mitteleuropa zu den wichtigen Auslösern einer Pollenallergie im Sommer und Spätsommer.
Wann ist Beifuß für Allergiker besonders schlimm?
Die stärkste Belastung liegt häufig im Juli und August. Der tatsächliche Pollenflug hängt jedoch von Region und Witterung ab.
Welche Lebensmittel können bei Beifußallergie Probleme machen?
Bekannt sind insbesondere Kreuzreaktionen mit Sellerie sowie verschiedenen Gewürzen und anderen pflanzlichen Lebensmitteln. Nicht jeder Beifußallergiker ist davon betroffen.
Ist Beifuß dasselbe wie Ambrosia?
Nein. Es handelt sich um unterschiedliche Pflanzen. Beide gehören jedoch zur Familie der Korbblütler und können ähnliche Allergene besitzen.
Kann Beifuß Asthma verursachen?
Bei entsprechend sensibilisierten Personen können Beifußpollen auch die unteren Atemwege betreffen und allergisches Asthma auslösen oder verschlechtern.
Kann eine Beifußallergie plötzlich auftreten?
Eine Pollenallergie kann grundsätzlich auch erst im Erwachsenenalter erstmals auffällig werden. Wiederkehrende saisonale Beschwerden sollten deshalb allergologisch untersucht werden.
Fazit: Beifuß ist ein wichtiger Allergieauslöser im Spätsommer
Beifuß gehört neben Gräsern, Birke und Ambrosia zu den relevanten Auslösern von Pollenallergien. Seine Hauptpollensaison liegt überwiegend im Sommer und Spätsommer.
Besonders interessant ist die Beifußallergie aufgrund der zahlreichen möglichen Kreuzallergien mit Sellerie, Gewürzen und anderen pflanzlichen Lebensmitteln.
Wer regelmäßig im Juli oder August unter Niesen, laufender Nase, tränenden Augen oder Atemwegsbeschwerden leidet, sollte daher auch eine Beifußallergie in Betracht ziehen.
Bei zusätzlichen Reaktionen auf Sellerie, Gewürze oder andere Lebensmittel kann eine gezielte allergologische Diagnostik helfen, zwischen einer klassischen Pollenallergie und relevanten Kreuzreaktionen zu unterscheiden.