Schwitzen ist eine natürliche und lebenswichtige Funktion des Körpers. Schweiß hilft dabei, die Körpertemperatur zu regulieren und den Organismus vor Überhitzung zu schützen. Besonders bei Hitze, körperlicher Anstrengung, Stress oder Fieber produziert der Körper vermehrt Schweiß.
Manche Menschen schwitzen allerdings ungewöhnlich stark oder entwickeln durch Schweiß Juckreiz, Hautrötungen, Pickel oder Quaddeln. Gerade für Allergiker und Menschen mit empfindlicher Haut kann starkes Schwitzen unangenehm sein.
Doch kann man tatsächlich gegen den eigenen Schweiß allergisch sein? Und warum verschlimmern sich Neurodermitis, Hautausschlag oder Nesselsucht häufig bei Wärme und Schweiß?
Warum schwitzen wir?
Schweiß wird von den Schweißdrüsen der Haut produziert. Seine wichtigste Aufgabe besteht in der Regulierung der Körpertemperatur.
Wird dem Körper zu warm, gelangt Schweiß auf die Hautoberfläche. Dort verdunstet die Flüssigkeit und entzieht dem Körper Wärme.
Vermehrtes Schwitzen tritt beispielsweise auf bei:
- hohen Temperaturen
- Sport und körperlicher Arbeit
- Fieber
- Stress, Angst und Aufregung
- scharfen Speisen
- hormonellen Veränderungen
- bestimmten Erkrankungen
- der Einnahme bestimmter Medikamente
Wie stark ein Mensch schwitzt, ist individuell unterschiedlich. Auch genetische Faktoren können dabei eine Rolle spielen.
Wo schwitzt man besonders stark?
Schweißdrüsen befinden sich an zahlreichen Stellen des Körpers. Besonders auffällig ist das Schwitzen häufig:
- unter den Achseln
- an Händen und Handflächen
- an den Füßen
- auf der Stirn und im Gesicht
- am Rücken
- auf der Brust
- in Hautfalten
- im Intimbereich
Unter den Achseln und in anderen warmen Körperregionen kann zusätzlich Körpergeruch entstehen. Frischer Schweiß selbst riecht zunächst nur wenig. Typischer Schweißgeruch entsteht vor allem, wenn Bestandteile des Schweißes von Hautbakterien zersetzt werden.
Kann man gegen Schweiß allergisch sein?
Eine klassische „Schweißallergie“ im Sinne einer gewöhnlichen Kontaktallergie gegen den eigenen Schweiß ist nicht die typische Erklärung für Beschwerden nach dem Schwitzen.
Trotzdem können Menschen nach körperlicher Anstrengung oder starkem Schwitzen allergieähnliche Symptome entwickeln.
Dafür kommen unterschiedliche Ursachen infrage. Dazu gehören unter anderem:
- cholinergische Urtikaria
- Neurodermitis beziehungsweise atopische Dermatitis
- Hitzepickel
- Reizungen durch Schweiß, Reibung und feuchte Kleidung
- Kontaktallergien gegen Bestandteile von Kosmetika, Deodorants oder Textilien
Deshalb sollte bei wiederkehrenden Beschwerden zunächst geklärt werden, was tatsächlich hinter der vermeintlichen Schweißallergie steckt.
Juckreiz und Quaddeln beim Schwitzen: Cholinergische Urtikaria
Treten bei Sport, Wärme oder starkem Schwitzen plötzlich kleine Quaddeln und starker Juckreiz auf, kann eine cholinergische Urtikaria dahinterstecken.
Dabei handelt es sich um eine Form der induzierbaren Nesselsucht. Typische Auslöser sind Situationen, in denen die Körpertemperatur ansteigt.
Dazu gehören beispielsweise:
- Sport
- körperliche Anstrengung
- heiße Duschen oder Bäder
- Sauna
- starke Wärme
- Stress und emotionale Aufregung
Typisch sind kleine, stark juckende Quaddeln, die häufig von Hautrötungen umgeben sind.
Die Beschwerden entstehen also nicht zwangsläufig aufgrund einer Allergie gegen Schweiß. Vielmehr kann der Temperaturanstieg beziehungsweise das damit verbundene Schwitzen eine körperliche Reaktion auslösen.
Bei wiederkehrenden Quaddeln sollte die Ursache dermatologisch oder allergologisch abgeklärt werden.
Schwitzen bei Neurodermitis
Menschen mit Neurodermitis berichten häufig, dass starkes Schwitzen den Juckreiz verstärkt.
Schweiß kann auf bereits entzündeter oder geschädigter Haut brennen und die Haut zusätzlich reizen. Gleichzeitig können Wärme, Feuchtigkeit und Reibung die Beschwerden verstärken.
Besonders problematisch kann die Kombination aus:
Hitze + Schweiß + enger Kleidung + Reibung
sein.
Nach dem Sport kann es deshalb angenehm sein, verschwitzte Kleidung zeitnah zu wechseln und Schweiß vorsichtig von der Haut abzuspülen.
Die Haut sollte anschließend entsprechend der individuellen Hautpflege versorgt werden.
Hitzepickel durch starkes Schwitzen
Kleine rote oder teilweise mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen nach starkem Schwitzen können sogenannte Hitzepickel sein.
Medizinisch werden entsprechende Schweißdrüsenreaktionen als Miliaria bezeichnet. Sie können entstehen, wenn Schweiß nicht ungehindert an die Hautoberfläche gelangen kann.
Hitzepickel treten besonders an warmen und schlecht belüfteten Körperstellen auf, beispielsweise:
- am Rücken
- auf der Brust
- am Hals
- unter enger Kleidung
- in Hautfalten
Kühlung, luftige Kleidung und die Vermeidung weiterer starker Hitze können helfen. Bei ausgeprägten, entzündeten oder länger anhaltenden Hautveränderungen sollte ein Arzt die Ursache beurteilen.
Kontaktallergie gegen Deo statt gegen Schweiß
Manchmal wird eine Hautreaktion unter den Achseln zunächst dem Schweiß zugeschrieben. Tatsächlich kann jedoch ein verwendetes Deodorant, Antitranspirant oder anderes Kosmetikprodukt die Ursache sein.
Kosmetika können verschiedene Stoffe enthalten, die empfindliche Haut reizen oder bei sensibilisierten Personen eine Kontaktallergie auslösen können.
Mögliche Auslöser sind beispielsweise bestimmte:
- Duftstoffe
- Konservierungsstoffe
- pflanzliche Inhaltsstoffe
- weitere Bestandteile von Kosmetika
Typische Beschwerden einer Kontaktdermatitis können Rötungen, Juckreiz, Brennen, Schuppung oder kleine Bläschen sein.
Treten die Beschwerden immer nach der Verwendung eines bestimmten Deos auf, sollte das Produkt zunächst nicht weiter verwendet und die Ursache gegebenenfalls dermatologisch abgeklärt werden.
Ein Allergietest kann bei Verdacht auf eine Kontaktallergie helfen, mögliche Auslöser zu identifizieren.
Schweiß und Allergien: Warum können Beschwerden schlimmer werden?
Schwitzen kann bestehende Hautprobleme verstärken, ohne selbst das eigentliche Allergen zu sein.
Bei Hitze erweitert sich zudem die Hautdurchblutung und Menschen verbringen je nach Jahreszeit mehr Zeit im Freien. Wer beispielsweise unter Heuschnupfen leidet und draußen Sport treibt, kann gleichzeitig einer hohen Pollenbelastung ausgesetzt sein.
Pollen können dabei auch an verschwitzter Haut, Kleidung und Haaren haften.
Nach sportlicher Aktivität im Freien kann es für Pollenallergiker daher sinnvoll sein, Kleidung zu wechseln und je nach individueller Situation zu duschen beziehungsweise die Haare zu waschen.
Allergie beim Sport: Nicht immer ist der Schweiß schuld
Treten während oder nach dem Sport Quaddeln, Juckreiz oder andere Beschwerden auf, sollte nicht automatisch von einer Schweißallergie ausgegangen werden.
Neben einer cholinergischen Urtikaria kommen weitere Ursachen infrage.
Sehr selten können körperliche Belastungen sogar an schweren allergischen Reaktionen beteiligt sein. Bei bestimmten Formen einer belastungsabhängigen Anaphylaxie können weitere Faktoren wie bestimmte Nahrungsmittel eine Rolle spielen.
Atemnot, Schwellungen im Mund- oder Rachenbereich, Kreislaufprobleme oder Bewusstseinsstörungen sind Warnzeichen einer schweren Reaktion und erfordern sofortige medizinische Hilfe.
Wiederkehrende Beschwerden während des Sports sollten ärztlich abgeklärt werden.
Starkes Schwitzen: Was ist Hyperhidrose?
Wer wesentlich stärker schwitzt, als es zur Regulierung der Körpertemperatur erforderlich wäre, kann unter einer Hyperhidrose leiden.
Besonders häufig betroffen sind:
- Achseln
- Hände
- Füße
- Gesicht und Kopf
Bei einer primären Hyperhidrose besteht das übermäßige Schwitzen ohne eine andere erkennbare Erkrankung als Ursache.
Daneben gibt es die sekundäre Hyperhidrose. Hier kann das starke Schwitzen beispielsweise mit einer Erkrankung, hormonellen Veränderungen oder Medikamenten zusammenhängen.
Wer plötzlich deutlich stärker als früher schwitzt oder regelmäßig nachts schweißgebadet aufwacht, sollte dies ärztlich abklären lassen.
Was hilft gegen starkes Schwitzen?
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von der Ursache und der betroffenen Körperregion ab.
Im Alltag können folgende Maßnahmen helfen:
- leichte und atmungsaktive Kleidung tragen
- verschwitzte Kleidung regelmäßig wechseln
- die Haut nach starkem Schwitzen vorsichtig reinigen und trocknen
- starke Hitze nach Möglichkeit vermeiden
- individuelle Auslöser wie sehr scharfes Essen beobachten
- bei empfindlicher Haut gut verträgliche Pflegeprodukte verwenden
Bei starkem Schwitzen kommen außerdem Antitranspirantien infrage. Anders als ein klassisches Deo sollen sie nicht nur den Geruch überdecken beziehungsweise beeinflussen, sondern die Schweißproduktion in der behandelten Region reduzieren.
Bei ausgeprägter Hyperhidrose stehen darüber hinaus verschiedene medizinische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Welche Behandlung geeignet ist, sollte individuell mit einem Arzt besprochen werden.
Deo oder Antitranspirant: Was ist der Unterschied?
Die Begriffe werden häufig synonym verwendet, erfüllen aber nicht exakt dieselbe Funktion.
Ein Deodorant soll vor allem unangenehmen Körpergeruch reduzieren. Ein Antitranspirant verringert zusätzlich die Schweißabgabe an der behandelten Stelle.
Wer nach der Anwendung Rötungen, Brennen oder Juckreiz entwickelt, sollte prüfen, ob das jeweilige Produkt vertragen wird.
Gerade bei empfindlicher oder bereits entzündeter Haut können Duftstoffe oder andere Bestandteile unangenehm sein.
Warum riecht Schweiß unangenehm?
Der typische Schweißgeruch entsteht nicht allein durch die Flüssigkeit aus den Schweißdrüsen.
Bakterien auf der Haut bauen bestimmte Bestandteile des Schweißes ab. Dabei entstehen geruchsaktive Stoffe.
Deshalb können Körperhygiene, Kleidung und das Hautmilieu den Körpergeruch beeinflussen.
Ein plötzlich deutlich veränderter Körpergeruch kann verschiedene Ursachen haben und sollte bei anhaltender Veränderung zusammen mit weiteren ungewöhnlichen Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.
Nachtschweiß: Wann zum Arzt?
In einem warmen Schlafzimmer oder unter einer sehr dicken Bettdecke nachts zu schwitzen, ist zunächst nicht ungewöhnlich.
Anders sieht es bei regelmäßigem starkem Nachtschweiß ohne erkennbare äußere Ursache aus.
Insbesondere wenn zusätzlich Beschwerden wie Fieber, ungeklärter Gewichtsverlust, ausgeprägte Erschöpfung oder andere neue Symptome auftreten, sollte die Ursache ärztlich untersucht werden.
Wann sollte starkes Schwitzen ärztlich untersucht werden?
Ein Arztbesuch ist insbesondere sinnvoll, wenn:
- das Schwitzen plötzlich und ohne erkennbare Ursache beginnt
- man sehr stark schwitzt und dadurch im Alltag eingeschränkt ist
- regelmäßig ausgeprägter Nachtschweiß auftritt
- starke Hautreaktionen entstehen
- beim Schwitzen regelmäßig Quaddeln auftreten
- Beschwerden nach der Einnahme neuer Medikamente begonnen haben
- weitere ungewöhnliche Symptome hinzukommen
Bei wiederkehrendem Juckreiz und Quaddeln kann insbesondere eine dermatologische beziehungsweise allergologische Untersuchung sinnvoll sein.
Häufige Fragen zum Schwitzen
Kann man gegen den eigenen Schweiß allergisch sein?
Beschwerden beim Schwitzen werden umgangssprachlich manchmal als Schweißallergie bezeichnet. Häufig stecken jedoch andere Ursachen dahinter, beispielsweise eine cholinergische Urtikaria, Neurodermitis, Hitzepickel oder eine Reaktion auf verwendete Kosmetikprodukte.
Warum juckt meine Haut, wenn ich schwitze?
Schweiß kann insbesondere bereits trockene, gereizte oder entzündete Haut zusätzlich reizen. Treten beim Erwärmen des Körpers regelmäßig kleine Quaddeln und starker Juckreiz auf, kann auch eine cholinergische Urtikaria infrage kommen.
Warum bekomme ich beim Sport rote Flecken und Quaddeln?
Wärme und körperliche Anstrengung können eine cholinergische Urtikaria auslösen. Es existieren jedoch weitere mögliche Ursachen. Wiederkehrende oder ausgeprägte Reaktionen sollten ärztlich abgeklärt werden.
Kann Schweiß Neurodermitis verschlimmern?
Ja. Viele Menschen mit Neurodermitis empfinden Schweiß auf entzündeter oder geschädigter Haut als unangenehm. Wärme, Feuchtigkeit und Reibung können den Juckreiz zusätzlich verstärken.
Kann man allergisch auf Deo reagieren?
Ja. Bestandteile eines Deodorants können die Haut reizen, und gegen bestimmte Inhaltsstoffe können Kontaktallergien bestehen. Wiederkehrende Ekzeme im Bereich der Achseln sollten dermatologisch abgeklärt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Schwitzen und Hyperhidrose?
Normales Schwitzen dient unter anderem der Temperaturregulation. Bei einer Hyperhidrose ist die Schweißproduktion dagegen übermäßig stark und geht über das für die Temperaturregulation erforderliche Maß hinaus.
Ist starkes Schwitzen gefährlich?
Starkes Schwitzen ist nicht automatisch gefährlich. Beginnt es jedoch plötzlich, tritt ausgeprägter Nachtschweiß auf oder kommen weitere Beschwerden hinzu, sollte nach der Ursache gesucht werden.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Atemnot, Kreislaufproblemen oder anderen Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.