Edelstahl gilt als besonders robust, hygienisch und hautverträglich. Deshalb wird das Material für Besteck, Schmuck, Uhren, Piercings, medizinische Instrumente und zahlreiche Alltagsgegenstände verwendet. Trotzdem berichten manche Menschen über Juckreiz, Rötungen oder Hautausschlag nach dem Kontakt mit Edelstahl.
Eine eigentliche „Allergie gegen Edelstahl“ gibt es jedoch meist nicht. In vielen Fällen reagieren Betroffene auf Metalle innerhalb der Edelstahllegierung, insbesondere auf Nickel. Auch andere Bestandteile wie Chrom oder Kobalt können bei entsprechend sensibilisierten Personen eine Kontaktallergie auslösen.
Was ist Edelstahl?
Edelstahl ist kein einzelnes Metall, sondern eine Gruppe besonders reiner und korrosionsbeständiger Stahllegierungen. Je nach Edelstahlsorte können unterschiedliche Metalle enthalten sein.
Typische Bestandteile sind unter anderem:
- Eisen
- Chrom
- Nickel
- Molybdän
- Mangan
Chrom sorgt vor allem für die hohe Korrosionsbeständigkeit des Materials. Nickel kann unter anderem die Verarbeitungseigenschaften und Korrosionsbeständigkeit verbessern.
Wie viel Nickel enthalten ist, hängt von der jeweiligen Edelstahlsorte ab.
Was löst eine Edelstahl-Allergie aus?
Bei Beschwerden durch Edelstahl handelt es sich häufig um eine allergische Kontaktdermatitis. Dabei reagiert das Immunsystem auf einen bestimmten Stoff, mit dem die Haut in Kontakt kommt.
Zu den häufigsten Metallallergenen gehört Nickel. Nickel ist einer der bekanntesten Auslöser von Kontaktallergien.
Eine Edelstahllegierung kann Nickel enthalten. Entscheidend ist allerdings nicht allein der Nickelgehalt. Wichtig ist vor allem, wie viel Nickel tatsächlich aus der Oberfläche freigesetzt wird und mit der Haut in Kontakt kommt.
Hochwertiger Edelstahl kann deshalb trotz seines Nickelgehalts von vielen Menschen mit Nickelallergie problemlos vertragen werden.
Welche Symptome sind bei einer Edelstahl-Allergie möglich?
Typische Beschwerden einer Kontaktallergie entstehen zunächst dort, wo die Haut direkten Kontakt mit dem auslösenden Material hatte.
Mögliche Symptome sind:
- Juckreiz
- Hautrötungen
- Schwellungen
- trockene Haut
- Schuppenbildung
- kleine Bläschen
- nässende Hautstellen
- rissige oder verdickte Haut bei längerem Kontakt
Kontaktallergien treten häufig verzögert auf. Beschwerden können daher erst Stunden oder sogar ein bis drei Tage nach dem Kontakt sichtbar werden. ([Gesundheitsportal][1])
Bei dauerhaftem Kontakt kann sich ein chronisches Kontaktekzem entwickeln. Dabei kann die Haut trocken, schuppig, verdickt und rissig werden.
Wo tritt eine Edelstahl-Allergie besonders häufig auf?
Entscheidend ist meist, wo Edelstahl längere Zeit direkt auf der Haut liegt.
Typische Bereiche sind:
- Handgelenk durch Armbanduhren
- Finger durch Ringe
- Ohren durch Ohrringe
- Bauch durch Gürtelschnallen oder Knöpfe
- Hals durch Halsketten
- Piercingstellen
- Hände durch Werkzeuge oder beruflichen Metallkontakt
Auch Schweiß kann eine Rolle spielen. Feuchtigkeit, Salze und Reibung können die Haut zusätzlich reizen und unter bestimmten Bedingungen die Freisetzung von Metallionen begünstigen.
Kann Edelstahl Nickel enthalten?
Ja. Viele häufig verwendete Edelstähle enthalten Nickel.
Ein bekanntes Beispiel ist sogenannter 18/10-Edelstahl. Die Bezeichnung bedeutet vereinfacht, dass die Legierung ungefähr:
- 18 Prozent Chrom und
- 10 Prozent Nickel
enthält.
18/10-Edelstahl wird beispielsweise häufig bei hochwertigem Besteck, Kochgeschirr und Haushaltsgegenständen eingesetzt.
Der Nickelanteil bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein Gegenstand bei Menschen mit Nickelallergie Beschwerden verursacht. Bei hochwertigem Edelstahl ist Nickel stark in der Legierung gebunden.
Ist Edelstahl bei Nickelallergie geeignet?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten.
Viele Menschen mit Nickelallergie vertragen hochwertigen Edelstahl gut, weil aus dem Material nur sehr geringe Mengen Nickel freigesetzt werden.
Bei einer starken Sensibilisierung können allerdings bereits sehr geringe Mengen ausreichen, um Beschwerden zu verursachen.
Besonders aufmerksam sollten Betroffene sein bei:
- unbekannten Metalllegierungen
- billigem Schmuck
- beschädigten oder stark abgenutzten Oberflächen
- dauerhaftem Hautkontakt
- Piercings
Wer bereits eine bekannte Nickelallergie hat und nach dem Tragen eines Edelstahlgegenstandes Hautprobleme bekommt, sollte den Gegenstand zunächst nicht weiter verwenden.
Ist chirurgischer Edelstahl allergiefrei?
Der Begriff chirurgischer Edelstahl wird häufig bei Schmuck und Piercings verwendet.
Er bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Material vollkommen nickelfrei oder allergiefrei ist.
Auch bestimmte medizinisch verwendete Edelstahllegierungen können Nickel enthalten. Entscheidend sind die konkrete Legierung und die Nickelabgabe.
Die Bezeichnung „chirurgischer Stahl“ sollte deshalb nicht automatisch mit „nickelfrei“ gleichgesetzt werden.
Welche Edelstahlarten gibt es?
Im Alltag finden sich zahlreiche unterschiedliche Edelstahllegierungen.
Häufig anzutreffen sind beispielsweise:
304 beziehungsweise 1.4301
Dieser Edelstahl wird häufig im Haushalt, in Küchen und bei technischen Anwendungen eingesetzt. Er enthält neben Chrom auch Nickel.
316L beziehungsweise 1.4404
Dieser Edelstahl besitzt eine besonders hohe Korrosionsbeständigkeit und wird unter anderem für Schmuck, medizinische Anwendungen und technische Bauteile verwendet.
Auch diese Legierung enthält normalerweise Nickel.
Das „L“ steht für einen niedrigen Kohlenstoffgehalt und bedeutet nicht, dass das Material nickelfrei ist.
Gibt es nickelfreien Edelstahl?
Es gibt Edelstahllegierungen, die keinen oder nur sehr wenig Nickel enthalten.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte ferritische Edelstähle.
Allerdings sollte man sich bei einer bekannten Nickelallergie nicht ausschließlich auf allgemeine Begriffe wie:
- Edelstahl
- Stainless Steel
- chirurgischer Stahl
- rostfreier Stahl
verlassen.
Bei Schmuck oder Gegenständen mit dauerhaftem Hautkontakt ist es sinnvoll, auf genaue Herstellerangaben zur verwendeten Legierung und zur Nickelabgabe zu achten.
Welche Alternativen zu Edelstahl gibt es bei Metallallergien?
Wer auf bestimmte Edelstahlprodukte reagiert, kann je nach Einsatzgebiet auf andere Materialien ausweichen.
Mögliche Alternativen sind:
Titan
Titan wird häufig bei Implantaten, Piercings und hochwertigem Schmuck verwendet und gilt allgemein als sehr gut hautverträglich.
Niob
Auch Niob wird gelegentlich für Schmuck und Piercings verwendet und kann eine Alternative für Menschen mit Metallallergien sein.
Kunststoff
Bei Brillen, Uhrenarmbändern oder bestimmten Schmuckstücken können geeignete Kunststoffe den direkten Metallkontakt vermeiden.
Keramik
Keramik wird beispielsweise bei Uhren und Schmuck eingesetzt und enthält kein Nickel.
Edelstahl-Allergie durch Schmuck
Besonders häufig fallen Metallallergien beim Tragen von Schmuck auf.
Typisch sind beispielsweise:
- juckende Ohrläppchen nach Ohrringen
- rote Haut unter einer Halskette
- Ausschlag unter einem Ring
- Rötungen unter einem Uhrengehäuse
Nicht immer ist jedoch das Grundmaterial verantwortlich.
Schmuck kann zusätzlich Beschichtungen, Lötstellen oder andere Metallbestandteile enthalten. Deshalb kann selbst ein als Edelstahl verkauftes Schmuckstück unterschiedliche Materialien enthalten.
Edelstahl-Allergie bei Piercings
Bei Piercings ist die Materialauswahl besonders wichtig, da das Material nicht nur auf der Haut liegt, sondern direkten Kontakt mit dem Gewebe hat.
Menschen mit bekannten Metallallergien sollten deshalb besonders genau auf die Materialangaben achten.
Bei Problemen können geeignete Titanlegierungen eine mögliche Alternative darstellen.
Entzündungen an Piercings müssen allerdings nicht automatisch durch eine Allergie entstehen. Auch bakterielle Infektionen, mechanische Reizung oder eine ungünstige Heilung können ähnliche Beschwerden verursachen.
Edelstahl-Allergie beim Besteck
Hochwertiges Edelstahlbesteck besteht häufig aus nickelhaltigem Edelstahl.
Der kurze Kontakt beim Essen verursacht bei Menschen mit einer Nickelkontaktallergie normalerweise deutlich seltener Beschwerden als dauerhaft getragener Schmuck.
Wer unmittelbar nach dem Kontakt mit Besteck Beschwerden im Mund oder an den Händen bemerkt, sollte allerdings ärztlich klären lassen, ob tatsächlich eine Metallallergie oder eine andere Ursache vorliegt.
Edelstahl-Allergie erkennen und testen
Nur anhand eines Hautausschlags lässt sich nicht sicher feststellen, welches Material die Beschwerden verursacht.
Bei Verdacht auf eine Metallallergie kann ein Hautarzt oder eine Hautärztin einen sogenannten Epikutantest durchführen.
Dabei werden mögliche Kontaktallergene für eine bestimmte Zeit auf die Haut aufgebracht. Anschließend wird geprüft, ob sich eine typische Hautreaktion entwickelt.
Der Epikutantest gehört zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden zur Diagnose einer Kontaktallergie.
Getestet werden können beispielsweise:
- Nickel
- Kobalt
- Chromverbindungen
- weitere relevante Kontaktallergene
Was tun bei einer Reaktion auf Edelstahl?
Treten nach dem Kontakt mit einem Edelstahlgegenstand Hautprobleme auf, sollte der Kontakt zunächst unterbrochen werden.
Hilfreich kann sein:
- den verdächtigen Gegenstand nicht mehr zu verwenden,
- die betroffene Hautstelle nicht weiter zu reizen,
- aggressive Reinigungsmittel zu vermeiden,
- bei wiederkehrenden Beschwerden einen Hautarzt aufzusuchen und
- gegebenenfalls einen Epikutantest durchführen zu lassen.
Die wichtigste Maßnahme bei einer bestätigten Kontaktallergie besteht darin, den auslösenden Stoff möglichst zu vermeiden. Akute Beschwerden können ärztlich beispielsweise mit entzündungshemmenden Cremes behandelt werden.
Kann eine Edelstahl-Allergie wieder verschwinden?
Eine einmal entstandene Kontaktsensibilisierung kann langfristig bestehen bleiben.
Das bedeutet allerdings nicht, dass dauerhaft Beschwerden vorhanden sein müssen.
Wird der auslösende Stoff gemieden, kann sich die Haut vollständig beruhigen. Bei erneutem Kontakt können die Beschwerden jedoch wieder auftreten. ([Allergieinfos Helmholtz München][4])
Edelstahl-Allergie oder Hautreizung?
Nicht jede Hautreaktion nach dem Kontakt mit Metall ist automatisch eine Allergie.
Auch eine reine Hautreizung kann ähnliche Beschwerden verursachen.
Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
- Schweiß unter einer Uhr oder einem Ring
- Reibung
- Seifenreste unter Schmuck
- Reinigungsmittel
- Desinfektionsmittel
- Feuchtigkeit
Ein wichtiger Unterschied ist, dass bei einer allergischen Kontaktdermatitis das Immunsystem beteiligt ist. Bei einer irritativen Kontaktdermatitis wird die Haut dagegen unmittelbar gereizt oder geschädigt.
Eine eindeutige Unterscheidung kann gegebenenfalls erst durch eine dermatologische Untersuchung erfolgen.
Häufige Fragen zur Edelstahl-Allergie
Kann man gegen Edelstahl allergisch sein?
Meist richtet sich die Allergie nicht gegen Edelstahl als Ganzes, sondern gegen einen Bestandteil der Legierung. Besonders häufig spielt Nickel eine Rolle.
Ist Edelstahl nickelfrei?
Nein. Viele verbreitete Edelstahllegierungen enthalten Nickel. Es gibt allerdings auch Edelstahlsorten mit sehr geringem oder ohne zugesetzten Nickelanteil.
Ist 18/10-Edelstahl für Nickelallergiker geeignet?
18/10-Edelstahl enthält ungefähr zehn Prozent Nickel. Das Nickel ist jedoch fest in der Legierung gebunden. Viele Nickelallergiker vertragen hochwertigen Edelstahl trotzdem. Bei sehr empfindlichen Personen sind Reaktionen jedoch nicht vollkommen ausgeschlossen.
Ist chirurgischer Edelstahl nickelfrei?
Nein. Auch sogenannter chirurgischer Edelstahl kann Nickel enthalten.
Welches Metall ist bei Nickelallergie besser geeignet?
Je nach Anwendung können insbesondere geeignete Titanlegierungen eine Alternative darstellen.
Wie wird eine Metallallergie festgestellt?
Zur Diagnose wird normalerweise ein Epikutantest beim Hautarzt durchgeführt.
Fazit: Meist steckt Nickel hinter der vermeintlichen Edelstahl-Allergie
Eine Edelstahl-Allergie ist in den meisten Fällen keine Allergie gegen Edelstahl selbst. Häufig reagieren Betroffene auf einzelne Bestandteile der Legierung – besonders auf Nickel.
Hochwertiger Edelstahl setzt normalerweise nur geringe Mengen Nickel frei und wird daher von vielen Menschen mit Nickelallergie gut vertragen. Trotzdem können empfindliche Personen Beschwerden entwickeln, insbesondere bei längerem oder dauerhaftem Hautkontakt.
Wer nach dem Tragen von Edelstahl-Schmuck, einer Uhr oder einem Piercing wiederholt Juckreiz, Hautrötungen oder Ekzeme entwickelt, sollte die Ursache dermatologisch untersuchen lassen. Mit einem Epikutantest lässt sich häufig feststellen, ob tatsächlich eine Nickel-, Kobalt- oder Chromallergie vorliegt.