Ein Lidekzem zeigt sich häufig durch gerötete, trockene, schuppige oder geschwollene Haut am Ober- oder Unterlid. Oft kommen Juckreiz, Brennen und ein Spannungsgefühl hinzu. Mögliche Ursachen sind eine Kontaktallergie, eine direkte Reizung, Neurodermitis oder eine Entzündung des Lidrandes.
Weil die Haut der Augenlider besonders dünn und empfindlich ist, können bereits geringe Mengen eines Stoffes Beschwerden verursachen. Der Auslöser muss nicht direkt am Auge verwendet worden sein: Kosmetika, Haarpflegeprodukte oder Nagellack können beispielsweise über die Hände an die Lider gelangen.
Welche Aufgaben haben die Augenlider?
Die Augenlider schützen das Auge vor Fremdkörpern, hellem Licht und Austrocknung. Durch den regelmäßigen Lidschlag wird der Tränenfilm über die Augenoberfläche verteilt. An den Lidrändern sitzen Wimpern und Drüsen, deren Sekret zur Stabilität des Tränenfilms beiträgt.
Die dünne Lidhaut reagiert empfindlicher auf Reibung, trockene Luft und chemische Stoffe als viele andere Hautbereiche. Eine gestörte Hautbarriere erleichtert es Reizstoffen und Allergenen, in die Haut einzudringen und eine Entzündung auszulösen.
Typische Symptome eines Lidekzems
- Rötung oder eine dunklere, violette bis graue Verfärbung der Lidhaut
- trockene, raue oder schuppende Haut
- Juckreiz, Brennen oder Spannungsgefühl
- geschwollene Ober- oder Unterlider
- kleine Knötchen oder Bläschen
- nässende Stellen und Krusten bei stärkerer Entzündung
- verdickte und rissige Haut bei einem chronischen Verlauf
Die Beschwerden können ein Auge oder beide Augen betreffen. Sie können sich auf die Lider beschränken oder zusammen mit Hautveränderungen im Gesicht, am Hals, an den Händen oder an anderen Körperstellen auftreten.
Welche Ursachen kann ein Lidekzem haben?
Am Aussehen allein lässt sich die Ursache häufig nicht sicher erkennen. Für die Behandlung ist es jedoch wichtig, zwischen einer allergischen Reaktion, einer direkten Reizung und anderen Haut- oder Augenerkrankungen zu unterscheiden.
Allergisches Kontaktekzem
Bei einer Kontaktallergie reagiert das Immunsystem auf einen Stoff, gegen den zuvor eine Sensibilisierung entstanden ist. Die Beschwerden treten meist verzögert auf – häufig erst ein bis drei Tage nach dem Kontakt. Deshalb wird der Zusammenhang mit einem Produkt leicht übersehen.
Mögliche Auslöser am Augenlid sind:
- Duft- und Konservierungsstoffe in Kosmetika
- Augencremes, Make-up, Mascara und Abschminkprodukte
- Augentropfen oder Augensalben und deren Hilfsstoffe
- Nagellack, Nagelgel oder künstliche Nägel
- Haarfärbemittel, Shampoo und Haarspray
- Klebstoffe für künstliche Wimpern
- Metalle in Kosmetikwerkzeugen oder Brillengestellen
- beruflich verwendete Stoffe, die über die Hände übertragen werden
Auch ein Produkt, das über Monate oder Jahre vertragen wurde, kann später eine Kontaktallergie auslösen. „Naturkosmetik“, „hypoallergen“ oder „für empfindliche Haut“ bedeutet nicht automatisch, dass ein Präparat frei von möglichen Allergenen ist.
Irritatives Lidekzem
Bei einem irritativen Kontaktekzem wird die Haut direkt geschädigt, ohne dass eine Allergie vorliegen muss. Häufiges Reiben, aggressive Reinigungsprodukte, Schweiß, Staub, trockene Luft oder das wiederholte Entfernen von Make-up können die Hautbarriere beeinträchtigen.
Auch Tränen können gereizte Lidhaut zusätzlich belasten. Das kommt beispielsweise vor, wenn die Augen wegen Heuschnupfen, trockener Augen oder einer Bindehautentzündung häufig tränen und abgewischt werden.
Neurodermitis am Augenlid
Neurodermitis ist eine chronisch-entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung. Sie kann auch die Augenlider und die Haut um die Augen betreffen. Typisch sind trockene Haut, ausgeprägter Juckreiz und ein schubweiser Verlauf. Häufig bestehen zusätzlich Ekzeme an anderen Stellen oder weitere atopische Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma.
Seborrhoisches Ekzem und Lidrandentzündung
Schuppen und Krusten direkt am Wimpernansatz können auf eine Lidrandentzündung hinweisen. Ein seborrhoisches Ekzem betrifft häufig zusätzlich Kopfhaut, Augenbrauen, Nasenfalten oder den Bereich hinter den Ohren. Brennende, tränende oder trockene Augen können hinzukommen.
Die Behandlung einer Lidrandentzündung unterscheidet sich von der eines reinen Hautekzems. Deshalb ist bei wiederkehrenden Krusten am Wimpernansatz eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll.
Infektionen und andere Erkrankungen
Nicht jede Rötung und Schwellung am Lid ist ein Ekzem. Bakterielle oder virale Infektionen, Rosazea, ein Gerstenkorn und andere Erkrankungen können ähnlich aussehen. Ein plötzlich stark geschwollenes, überwärmtes und schmerzendes Augenlid muss rasch ärztlich beurteilt werden.
Wann ist schnelle ärztliche Hilfe notwendig?
Ein einfaches Lidekzem juckt und brennt meist, verursacht aber normalerweise keine deutlichen Augenschmerzen oder Sehverschlechterung. Noch am selben Tag sollte eine augenärztliche beziehungsweise ärztliche Abklärung erfolgen bei:
- Augenschmerzen oder Schmerzen bei Augenbewegungen
- verschwommenem Sehen oder einer anderen Sehverschlechterung
- starker Lichtempfindlichkeit
- eitrigem Ausfluss aus dem Auge
- Fieber oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl
- rasch zunehmender, einseitiger Schwellung und Überwärmung
- Bläschen, offenen Stellen oder schmerzhaften Krusten in Augennähe
- einem hervortretenden Auge oder eingeschränkter Augenbeweglichkeit
Bei Atemnot oder einer raschen Schwellung von Zunge und Rachen muss sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Wie wird die Ursache festgestellt?
Die Ärztin oder der Arzt untersucht, ob nur die Lidhaut oder auch Lidrand, Bindehaut und Augenoberfläche betroffen sind. Wichtig ist außerdem, welche Produkte in den Tagen vor Beginn der Beschwerden verwendet wurden.
Hilfreich ist eine Liste oder ein Foto der Inhaltsstoffangaben von:
- Gesichts- und Augenpflege
- Make-up und Abschminkprodukten
- Shampoo, Haarfarbe und Stylingprodukten
- Nagellack, Nagelgel und Nagelkleber
- Augentropfen, Kontaktlinsenmitteln und Augensalben
Bei Verdacht auf eine Kontaktallergie kann eine dermatologische Praxis einen Epikutantest, auch Pflaster- oder Patch-Test genannt, durchführen. Dabei werden ausgewählte Stoffe auf dem Rücken getestet. Eigene Kosmetikprodukte sollten nicht ohne fachliche Anleitung auf die Haut geklebt oder aufgetragen werden.
Was hilft bei einem Lidekzem?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei einem allergischen oder irritativen Kontaktekzem ist es entscheidend, den Auslöser zu erkennen und zu meiden. Bis zur Abklärung können neue oder verdächtige Kosmetikprodukte pausiert werden.
Schonende Maßnahmen für gereizte Augenlider
- Augenlider nicht reiben oder kratzen.
- Make-up und künstliche Wimpern vorübergehend weglassen.
- Die Haut vorsichtig mit lauwarmem Wasser reinigen und trocken tupfen.
- Nur reizarm formulierte, unparfümierte Pflege verwenden, die für den Augenbereich geeignet ist.
- Kühle, saubere Kompressen können Juckreiz und Schwellung vorübergehend lindern.
- Kontaktlinsen bei einem zusätzlich gereizten oder geröteten Auge pausieren und fachlichen Rat einholen.
Kamille, Teebaumöl, ätherische Öle und selbst gemischte Hausmittel gehören nicht an das Auge. Sie können die empfindliche Haut reizen oder selbst eine Allergie auslösen.
Medikamentöse Behandlung
Für eine akute Entzündung kann ärztlich ein niedrig wirksames kortisonhaltiges Präparat für kurze Zeit verordnet werden. Die Lidhaut ist besonders dünn. Deshalb sollten Stärke, Menge und Anwendungsdauer genau festgelegt werden. Kortisoncremes aus der Hausapotheke dürfen nicht eigenständig am Augenlid verwendet werden.
Bei Neurodermitis können ärztlich verordnete Calcineurin-Inhibitoren wie Tacrolimus oder Pimecrolimus eine kortisonfreie Behandlungsmöglichkeit sein. Sie sind verschreibungspflichtig und können zu Beginn brennen. Ob sie im Einzelfall geeignet sind, hängt von Diagnose, Alter und Hautbefund ab.
Wenn Augentropfen oder Augensalben als Auslöser infrage kommen, sollten verordnete Präparate nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Die behandelnde Praxis kann prüfen, ob ein Wirkstoff oder ein Hilfsstoff verantwortlich sein könnte und eine Alternative auswählen.
Wie lässt sich einem erneuten Lidekzem vorbeugen?
- Nachgewiesene Allergene anhand ihrer genauen Bezeichnung meiden.
- Inhaltsstofflisten auch bei bekannten Produkten erneut prüfen, da Rezepturen geändert werden können.
- Neue Pflegeprodukte einzeln und nicht mehrere gleichzeitig einführen.
- Vor dem Berühren der Augen die Hände waschen.
- Make-up-Utensilien regelmäßig reinigen und Kosmetika nicht mit anderen teilen.
- Bei Neurodermitis die ärztlich empfohlene Basispflege auch zwischen den Schüben fortführen.
Häufige Fragen zum Lidekzem
Ist ein Lidekzem ansteckend?
Ein allergisches oder irritatives Lidekzem und Neurodermitis sind nicht ansteckend. Da Infektionen ähnlich aussehen können, sollten nässende, schmerzhafte oder rasch fortschreitende Beschwerden untersucht werden.
Kann Nagellack ein Ekzem am Auge verursachen?
Ja. Bestandteile von Nagellack, Gel- oder Kunstnägeln können über die Finger an die Augenlider gelangen. Die Nägel selbst müssen dabei nicht sichtbar entzündet sein.
Warum kommt das Lidekzem immer wieder?
Häufig besteht weiterhin Kontakt zum Auslöser, der bislang nicht erkannt wurde. Auch Neurodermitis, Lidrandentzündungen oder eine ungeeignete Pflege können wiederkehrende Beschwerden begünstigen. Bei wiederholten Schüben ist eine dermatologische und gegebenenfalls augenärztliche Abklärung sinnvoll.
Darf man Kortison am Augenlid verwenden?
Nur nach ärztlicher Empfehlung. Am Augenlid werden in der Regel niedrig wirksame Präparate und kurze Behandlungszeiträume gewählt. Eine unkontrollierte oder zu lange Anwendung kann die dünne Haut schädigen und weitere unerwünschte Wirkungen verursachen.
Welche Facharztpraxis ist zuständig?
Bei einem Hautekzem ist die dermatologische Praxis eine geeignete Anlaufstelle. Sind das Auge selbst, das Sehvermögen oder der Lidrand betroffen, ist zusätzlich eine augenärztliche Untersuchung wichtig. Die hausärztliche Praxis kann die erste Einschätzung und Koordination übernehmen.
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