Wegerich wächst auf Wiesen, an Wegrändern und sogar zwischen Pflastersteinen. Besonders der Spitzwegerich ist als traditionelle Heilpflanze bekannt. Seine Blätter werden unter anderem in Tees, Säften und pflanzlichen Hustenpräparaten verarbeitet. Was viele nicht wissen: Wegerichpollen können allergische Beschwerden verursachen. Bei der Anwendung von Wegerichprodukten sollte deshalb auch an mögliche Allergien gedacht werden.
Welche Wegericharten gibt es?
Wegerich ist der Name einer Pflanzengattung. In Deutschland sind vor allem folgende Arten verbreitet:
- Spitzwegerich (Plantago lanceolata): schmale, längliche Blätter mit deutlich sichtbaren Längsrippen.
- Breitwegerich (Plantago major): breite, eher rundliche Blätter, die häufig dicht am Boden liegen.
- Mittlerer Wegerich (Plantago media): breite bis längliche, häufig leicht behaarte Blätter.
Als pflanzliches Arzneimittel wird hauptsächlich Spitzwegerich verwendet. Flohsamen und Flohsamenschalen stammen ebenfalls von Wegericharten, sind aber nicht mit den Blättern des heimischen Spitzwegerichs gleichzusetzen.
Wofür wird Spitzwegerich verwendet?
Spitzwegerichkraut wird traditionell bei Reizungen im Mund- und Rachenraum sowie bei damit verbundenem trockenem Husten verwendet. Die enthaltenen Schleimstoffe können sich wie ein schützender Film auf gereizte Schleimhäute legen.
Erhältlich ist Spitzwegerich unter anderem als:
- Tee oder Bestandteil einer Kräuterteemischung,
- Hustensaft und Hustensirup,
- Lutschpastille,
- Pflanzenpresssaft,
- Bestandteil äußerlich anzuwendender Pflanzenpräparate.
Die traditionelle Verwendung ersetzt keine ärztliche Diagnose. Husten kann zahlreiche Ursachen haben – von einem einfachen Atemwegsinfekt über eine Allergie bis zu Erkrankungen der Lunge.
Wegerich kann eine Pollenallergie auslösen
Wegerich bildet unscheinbare Blütenstände, deren Pollen über die Luft verbreitet werden. Die Pollen können bei sensibilisierten Menschen Beschwerden hervorrufen. Typische Symptome sind:
- Niesreiz und Fließschnupfen,
- eine verstopfte oder juckende Nase,
- gerötete, tränende oder juckende Augen,
- Husten und Reizung der Atemwege,
- pfeifende Atmung oder Atemnot bei Beteiligung der Bronchien.
Die Wegerichblüte überschneidet sich häufig mit der Gräserpollensaison. Beschwerden werden deshalb leicht ausschließlich den Gräsern zugeschrieben. Vor allem wenn Symptome in der Nähe ungemähter Wiesen, Weiden, Brachen oder bewachsener Wegränder auftreten, kann Wegerich als zusätzlicher Auslöser infrage kommen.
Wann fliegen Wegerichpollen?
Erste Wegerichpollen können je nach Region und Witterung bereits im Frühjahr auftreten. Die Hauptbelastung liegt häufig zwischen Mai und August. Einzelne Pflanzen blühen bis in den Spätsommer oder Herbst hinein. Nach einer Mahd kann Wegerich erneut austreiben und weitere Blütenstände bilden.
Die Pollenkonzentration ist in der Regel nicht überall gleich. In unmittelbarer Nähe zu blühenden Pflanzen können deutlich höhere Belastungen auftreten als in weiter entfernten Gebieten. Eine aktuelle Pollenflugvorhersage und ein persönliches Symptomtagebuch helfen dabei, mögliche Zusammenhänge zu erkennen.
Kann man trotz Wegerichallergie Spitzwegerichprodukte verwenden?
Eine Pollenallergie bedeutet nicht automatisch, dass jedes Produkt aus Wegerichblättern Beschwerden auslöst. Trotzdem ist Vorsicht angebracht. Die europäische Arzneipflanzen-Monografie nennt eine Überempfindlichkeit gegen Spitzwegerich beziehungsweise Spitzwegerichpollen als Gegenanzeige.
Wer bereits auf Wegerichpollen reagiert, sollte Spitzwegerichtee, Hustensaft oder andere entsprechende Präparate daher nicht eigenständig ausprobieren. Eine ärztliche oder pharmazeutische Beratung kann klären, ob das jeweilige Produkt geeignet ist.
Nach der Einnahme oder Anwendung sollte auf folgende mögliche Reaktionen geachtet werden:
- Juckreiz oder Brennen im Mund und Rachen,
- Hautausschlag, Rötungen oder Quaddeln,
- Schwellungen an Lippen, Zunge oder Gesicht,
- verstärkter Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot,
- Kreislaufbeschwerden.
Bei Atemnot, starken Schwellungen oder Kreislaufproblemen ist unverzüglich medizinische Hilfe erforderlich. Bei einer bekannten schweren Allergie gelten die Anweisungen des persönlichen Notfallplans.
Allergie oder Erkältung?
Allergische Beschwerden und Erkältungssymptome können sich ähneln. Einige Merkmale geben eine erste Orientierung:
- Eine Allergie beginnt häufig plötzlich, verursacht oft starken Niesreiz und juckende oder tränende Augen. Die Beschwerden können sich im Freien oder in der Nähe blühender Pflanzen verstärken.
- Eine Erkältung entwickelt sich meist allmählich und kann von Hals- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit oder erhöhter Temperatur begleitet werden.
Eine sichere Unterscheidung ist allein anhand der Symptome nicht immer möglich. Bei wiederkehrenden saisonalen Beschwerden kann eine allergologische Untersuchung sinnvoll sein.
Wegerich sammeln: Darauf sollte man achten
Wer Wegerich selbst sammeln möchte, muss die Pflanze sicher bestimmen können. Gesammelt werden sollte nur an unbelasteten Stellen – nicht unmittelbar an stark befahrenen Straßen, auf gedüngten Flächen, an Hundewiesen oder an Orten, die mit Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sein könnten.
Bei einer bekannten Pollen- oder Pflanzenallergie ist vom eigenständigen Sammeln und Verarbeiten abzuraten. Beim Berühren oder Zerkleinern können Pflanzenbestandteile und anhaftende Pollen mit Haut, Augen und Atemwegen in Kontakt kommen.
Wann ist ärztlicher Rat wichtig?
Medizinischer Rat ist insbesondere erforderlich, wenn:
- Husten länger anhält oder immer wiederkehrt,
- Atemnot oder pfeifende Atemgeräusche auftreten,
- Fieber oder eitriger Auswurf hinzukommen,
- die Beschwerden während der Pollensaison regelmäßig wiederkehren,
- nach einem Wegerichprodukt allergische Symptome auftreten,
- bereits Asthma oder eine schwere Allergie bekannt ist.
Bei Kindern, in der Schwangerschaft oder Stillzeit sowie bei bestehenden Erkrankungen sollte die Anwendung pflanzlicher Arzneimittel vorher medizinisch oder pharmazeutisch abgeklärt werden. Maßgeblich sind außerdem die Altersangaben und Anwendungshinweise des jeweiligen Präparats.
Fazit: Nützliche Pflanze mit Allergiepotenzial
Spitzwegerich ist eine bekannte traditionelle Heilpflanze bei gereiztem Hals und trockenem Husten. Gleichzeitig können Wegerichpollen Heuschnupfen und Beschwerden der Atemwege auslösen. Weil Wegerich und Gräser teilweise gleichzeitig blühen, wird der mögliche Zusammenhang leicht übersehen.
Wer saisonal unter Schnupfen, juckenden Augen oder Husten leidet, sollte deshalb neben Gräsern auch an Wegerich denken. Bei einer bekannten Wegerichallergie sollten entsprechende Heilpflanzenprodukte nur nach fachlicher Rücksprache verwendet werden.
Häufige Fragen zu Wegerich und Allergien
Ist Spitzwegerich dasselbe wie Breitwegerich?
Nein. Beide gehören zur Gattung Plantago, unterscheiden sich aber in Aussehen und Verwendung. Für pflanzliche Hustenpräparate wird überwiegend Spitzwegerich verwendet.
Kann Wegerich Heuschnupfen verursachen?
Ja. Wegerichpollen enthalten Allergene und können bei sensibilisierten Menschen typische Heuschnupfensymptome sowie Beschwerden der Atemwege auslösen.
Warum wird eine Wegerichallergie leicht übersehen?
Wegerich blüht teilweise gleichzeitig mit Gräsern. Die Symptome werden deshalb häufig allein einer Gräserpollenallergie zugeschrieben.
Darf man Spitzwegerichtee bei einer Wegerichallergie trinken?
Menschen mit einer bekannten Überempfindlichkeit gegen Spitzwegerich oder dessen Pollen sollten entsprechende Produkte nicht ohne ärztliche oder pharmazeutische Rücksprache verwenden.
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